Zumindest vorläufig: Mac App Store weitestgehend ohne freie Software

Zusammen mit dem Upgrade auf Mac OS X 10.6.6 wurde heute die Mac App Store ausgeliefert. Apple verspricht damit eine Lösung für Otto Normalverbraucher: Nur finale Versionen, Softwareverzeichnis und Vertriebsplattform in einem, auch kostenlose Anwendungen werden angeboten, Installation per Mausklick. Ein erster Blick in die dort angebotene Software ist allerdings ernüchternd. Während das Software-Verzeichnis, das Apple bisher für Mac OS X gepflegt hatte, seit je auch eine Kategorie „Unix & Open Source“ umfaßte, gibt es in der App Store nur diejenigen Programme, die von den Entwicklern dort angemeldet worden sind. Das heißt, daß über den App Store zumindest derzeit keine freie Software vertrieben wird. Eine Kategorie „Open Source“ gibt es nicht. Hinzu kommt, daß aufgrund der Nutzungsbedingungen ein großer Teil der freien Software auf Dauer aus der Mac App Store ausgeschlossen bleiben wird, etwa weil sie nicht in einer Sprache geschrieben sind, die Apple zuläßt. Das gilt beispielsweise für Java. Man denke etwa an die freie Literaturverwaltung JabRef oder an eine Anwendung wie FreeMind zum Erstellen von Mindmaps. Wie man sieht, sind davon also insbesondere plattformübergreifende Lösungen betroffen, und solange sich hieran nichts ändert, wird der Mac App Store auf Dauer für die meisten, die, wie ich, ausschließlich freie Software auf Mac OS X einsetzen, ziemlich unattraktiv bleiben.

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Lesetip: Gesellschaftlicher Wandel, Agenda 2010 und die Gründe, die einem politischen Wechsel entgegenstehen

Anne Lenze referiert in ihrem Beitrag „Abschied von der Solidargemeinschaft“, der in der Kritischen Justiz 2010, 132 ff. erschienen war, zunächst knapp und doch wissenschaftlich umfassend die Hintergründe für den Abbau des sozialen Schutzes in der Sozialversicherung, der schon Mitte der 1990er Jahre einsetzte: Den Paradigmenwechsel, der in einer Ausrichtung der deutschen Sozialpolitik an den Vorstellungen von EU-Kommission und Weltbank lag. Den Demokratieverlust, der darin zu sehen ist, daß der Kapitalstock für die Altersvorsorge zunehmend in die Hand der Banken und der Versicherungen anstelle der öffentlich-rechtlich verfaßten Rentenversicherungsträger gelegt worden ist. Die Rolle des Lobbyismus bei der rot-grünen Agenda 2010. Die zunehmende Schieflage der Einkommens- und Vermögensverteilung als Folge dieses Prozesses. Schließlich die fortschreitende Verarmung der Ärmsten durch den Umstieg vom Warenkorb- zum Statistikmodell bei Sozialhilfe und Hartz IV bei gleichzeitiger Weigerung, einen allgemeinen Mindestlohn einzuführen, während die Mittelschicht durch die regressive Finanzierung der Sozialversicherung leidet. Ein politisches Umsteuern täte not, nicht nur um der Menschen willen, sondern auch um die Fundamente der demokratischen Grundordnung zu wahren:

„Deshalb sind Konzepte solidarischer Umverteilung offensiv einzufordern. Ein wichtiges Element ist die universale Bürgerversicherung, die alle Bewohner und alle Einkommensarten in die Soziale Sicherheit einbezieht. Die Realisierung dieser solidarischen Lösung steht jedoch vor hohen Hürden: Selbst wenn verfassungsrechtliche Hindernisse sogar in der Rentenversicherung grundsätzlich überwindbar sind, so sind derzeit die politischen Akteure nicht zu erkennen. Seitens der SPD besteht die Schwierigkeit, für das geltende Drei-Säulen-Paradigma verantwortlich zu sein, und in Kreisen der LINKEN und der Grünen wird über das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens gestritten. Bei den Gewerkschaften schließlich herrschen noch die semantisch bedingten Täuschungen von Sozialpartnerschaft, paritätischer Finanzierung und Selbstverwaltung der Sozialversicherungsträger.“

Ein ausgesprochen lesenswerter Beitrag, der angesichts der derzeitigen Kuhhändel um die Leistungen für Hartz-IV-Bedürftige und um die schwarz-gelbe Gesundheitsreform auch weiterhin sehr aktuell ist. Anne Lenze lehrt an der Hochschule Darmstadt.

Wikipedia-Diaspora?

Die Entwicklung des freien sozialen Netzwerks Diaspora hat Andreas Kemper gestern auf eine interessante Idee gebracht:

„Durch diese Kombination von Dezentralität und Kompatibilität kann genau das entstehen, was Diaspora zum Funktionieren braucht: eine kritische Masse von Teilnehmer_innen. … Hier sehe ich ein Vorbild für die verschiedenen Wikis, die jenseits von Wikipedia ein Schattendasein fristen. Wikipedia ist oftmals kritisiert worden, es finden bereits unregelmäßig CPOV-Tagungen statt, die vor allem das Konzept des neutralen Standpunkts (NPOV) kritisieren, da es diese Neutralität nicht gibt, sondern NPOV unkritisch nur einen Mainstream wiederspiegelt. Auch hier könnten Gemeinschaften entstehen von Wikipedianer_innen, die ihre eigenen Wikis haben, gemeinsame Ideen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Vielleicht fördert die Dezentralität von Diaspora die Vernetzung von Wikipedia-unabhängigen Wikis.“

Voraussetzung hierfür wäre wohl zunächst, daß die dezentrale Vernetzung in der Wiki-Software implementiert würde – in den meisten Fällen ist bei anderen Wikis, ebenso wie bei Wikipedia und ihren Schwesterprojekten, Mediawiki im Einsatz.

Natürlich ist es fraglich, ob allein die Vernetzung untereinander die Zahl der Autoren und deren Beiträge in den vielen alternativen Wikis ansteigen lassen würde. Die ARD-ZDF-Onlinestudie hatte ja gerade gezeigt, daß die Neigung der Benutzer, zum Autor zu werden, also im Web 2.0 „Content“ abzuliefern, eher gering ist und daß sie in letzter Zeit insgesamt gesehen eher nachläßt. Aber abgesehen davon, könnte allein das Bewußtsein, mit einem einzigen Account Zugang zu einer dezentralen Community zu haben, mit dieser dezentral vernetzt zu sein und teilnehmen zu können, eine Erweiterung des Autoren- und des Leserkreises mit sich bringen.

Sicherlich brächte diese Form der Vernetzung auch Probleme mit sich, denn im Gegensatz zu Diaspora, könnte der einzelne hier den Informationsfluß wahrscheinlich nicht mehr so differenziert steuern, wie es wünschenswert wäre. Wikis sind grundsätzlich öffentliche Plattformen, was vom einen Wiki ins andere fließt, ist wiederum öffentlich, und ich kenne durchaus Wikis, mit denen ich nichts teilen möchte, weder Inhalte noch irgendwelche Benutzerdaten. Diese Datenschutzfragen müßten also auf jeden Fall (praktisch und rechtlich) angegagen werden.

Den Charme von Andreas Kempers Idee sehe ich vor allem darin, daß dem großen Tanker Wikipedia eine Alternative zur Seite gestellt würde, die einerseits Wikipedia und ihre Schwesterprojekte ergänzen könnte, andererseits sich insgesamt (als Netz) zu einer wirklichen Alternative entwickeln könnte. Dadurch entstände Vielfalt, aus der wiederum Impulse für die weitere Entwicklung der Projekte entstehen könnten. Aber, wie gesagt, es ist bislang nur ein Vorschlag; solange die Infrastruktur hierfür nicht existiert, handelt es sich dabei um Zukunftsmusik.

Aktuell ist aber die Einführung von zahlreichen Pods für Diaspora. Auch ich teste die Alpha-Software derzeit, unter schneeschmelze@diasp.org. Ein Bericht folgt. Und ich habe noch (standardmäßig) 55 Einladungen zu vergeben, die ich gerne weiterreiche. Eingerichtet habe ich bisher Gruppen (sie heißen dort „Aspekte“) zu Wikipedia, TeX und Typographie und zu LibreOffice.

Gift ist im Futter

Kritische Äußerungen zur Massentierhaltung sind derzeit angesagt. Und prompt folgt ein dazu passender Skandal: „Jahrelang wurden Industriefette zur Futtermittelherstellung verwendet. ‚Wir hatten niemals ein schlechtes Gewissen dabei‘, sagt ein Mitarbeiter der Firma“, liest man heute abend in der taz, die dieser unappetitlichen Geschichte hinterherrecherchiert hat. Die Fettsäuren, um die es geht, waren nur zur industriellen Verwendung vorgesehen und auch so deklariert worden. Wenn dabei nicht ein so giftiger Stoff wie Dioxin aufgefallen wäre, hätte man nie etwas über diese Praxis aus den Massenmedien erfahren können. Davon ist nun ebenfalls zu reden. Die Verachtung und die Gewalt, die der mit Industriemüll gefütterten Kreatur angetan werden, ist längst schon bekannt. Sie fällt übrigens auf den Menschen zurück, der sich von den so gefütterten Tieren ernährt. Das ist ein Thema. Die Meinungsmache in den Massenmedien ist ein anderes. Der Dioxin-Skandal zeigt, daß in den Mainstream-Medien viele wichtige Themen kontinuierlich ohne laufende Berichterstattung bleiben. Stattdessen werden „Brot und Spiele“ rund um die Uhr geboten. Information und Aufklärung gibt es nur ausnahmsweise.

Ein weiterer Rückblick auf 2010

Am 2. Januar ist es noch nicht zu spät für einen weiteren Jahresrückblick, diesmal bezogen auf mein Blog. Laut WordPress.com war es so:

… This blog was viewed about 29,000 times in 2010. …

… The busiest day of the year was October 4th with 1,265 views. The most popular post that day was Die soziale Mauer. …

The top referring sites in 2010 were fixmbr.de, nachdenkseiten.de, freitag.de, twitter.com, and ub.uni-dortmund.de.

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Die soziale MauerJuris und andere juristische Informationsangebote im InternetErnüchternde Erfahrungen mit der OnleiheEine sozialrechtliche Angegenheit ist „generell schwierig“ i.S.v. Nr. 2400, 2401 VV RVG

„So ist es gewesen. Ich war hemmungsvoll dabei“ (Heinz-Rudolf Kunze, Der schwere Mut).