Zu einem Rückblick mit Goldrand

Freitag-Publizist ed2murrow blickt in einem zweiteiligen Blogbeitrag zurück auf „1 Jahr, 13 Wochen als Blogger bei freitag.de“, und ich komme auch drin vor, genauer gesagt meine Anmerkungen zu dem Beitrag in der FAZ zur Freitag Community, die im Juni 2010 für eine Reihe aufgeregter Kommentare von Freitag-Bloggern in meiner beschaulichen schneeschmelze gesorgt hatten: „Sekundiert von maliziösen Blogs ehemaliger Freitag-Schreiber wie Jürgen Fenn: In ‚25-Euro-Publizisten‘ merkt er reichlich sarkastisch an, die FAZ habe ein zurückhaltendes Bild der Freitag Community gezeichnet, die sich (obendrein) geschmeichelt gefühlt habe. Und angreifbar für die Vergabe von sog. ‚Negativpreisen‘ Richtung Community-Mitglieder, deren evidente Hilflosigkeit ein wüster Haufen sich zunutze macht.| Was darin zum Ausdruck kommt, ist Draufsicht, der scheinbar über allem erhabene Standpunkt.“ – Ach, wie schön, wenn ein scheinbar über allem erhabener Standpunkt noch getoppt wird, durch einen scheinbar über allem noch erhabeneren Standpunkt, natürlich. So schön, schön war die Zeit. – Nein, sie war scheußlich, weil sich in der Freitag Community die ganze Zerrissenheit der deutschen Linken in einer Nußschale gezeigt hat. Und im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern[1][2] zeigten dann auch die ach so liberale und „irgendwie linke“ Zeitung aus Berlin und ihr in den politischen Talkshows gehypter Herausgeber ihr wahres Gesicht. – Kurz und gut: Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Und das nun schon seit einem Jahr und drei Monaten, heute auf den Tag genau.

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9 Kommentare zu „Zu einem Rückblick mit Goldrand“

  1. Die Freitag-Community verfolge ich schon sehr lange nicht mehr, es gibt dort sicher auch lesenswerte Sachen, aber mir ist das einfach zu unübersichtlich. Schöner wäre es, die Leute trauten sich ins Freie und bloggten in eigener Verantwortung.

    Das Zeitungsabo habe ich gerade schweren Herzens gekündigt. Die Dinge, Texte und Autoren, die ich am Freitag mag, gehen immer weiter zurück, Society, belanglose Interviews, Bilderstrecken und Verbraucherinformationen sind auf dem Vormarsch. Schade, aber der Freitag wird auch ohne mich seinen Weg machen.

    1. Auf den Beitrag war ich auch nur gestoßen, weil ich mal wieder in meine Blogstatistik geschaut hatte (Referrer). Im übrigen: Willkommen im Club. Ich hatte das Abo schon im Sommer 2009 abbestellt. Was den Weg angeht: Den Freitag gibts ja schon sehr lange nicht mehr. Genaugenommen gibt es nur noch die Marke, entkernt und seelenlos geworden.

  2. Sehr geehrter Herr Fenn,

    ob technikbedingt oder gewollt, jedenfalls unordentlich zitiert, mein letzter durch Absatz getrennter Satz (Ihr senkrechter Strich reicht zur Kenntlichmachung nicht) bezieht sich ohne Mühe erkennbar auf den gesamten ersten Teil des Blogs. Eine Draufsicht, die Sie hier in der Tat noch zu toppen versuchen. So funktioniert Alleinstellung richtig. Da hätte ich in der Tat noch einiges zu lernen.

    Ob ich das auch will? Nein, eher nicht. Angesichts von „Sektenkriegen“ selbst in sog. wissensbasierten Communitys entscheidet sich Netz künftig wohl nach anderen Kriterien als den handelsüblichen. Was sich nicht zuletzt in Ihren eigenen Unsicherheiten bezgl. öffentliches vs. Privatrecht und derlei Einordnungen dokumentiert.

    Dieses Laufenlernen einer neuen Wirklichkeit finde ich Interesse weckend. In meinem Kleinen drücke ich das aus. Präkonzepte sind da, finde ich, weniger hilfreich.

    Mit freundlichen Grüßen, e2m

    1. Jetzt bin ich aber neugierig geworden: Welche „Unsicherheiten bezgl. öffentliches vs. Privatrecht und derlei Einordnungen“, bitte?

  3. Sehr geehrter Herr Fenn,

    in Ihrem Blog „Die Privatisierung des virtuellen Raums II“ schreiben Sie u.a.:

    „Trotzdem wäre ich skeptisch, ob man auch bei der Frage nach dem Zugang zu einer Plattform eine Drittwirkung der Grundrechte annehmen sollte.“

    Wenn mich mein Juristenauge nicht vollständig im Stich lässt, drücken derlei Konjunktive auch in entsprechenden Fachkreisen Zweifel aus. Sie werden nicht beseitigt durch die Negativabgrenzung, ich zitiere Sie abermals:

    „Deshalb kann ich solchen Übertreibungen, wie sie in dem oben zitierten Blogpost aus Kanada vorgebracht werden, keinesfalls zustimmen.“

    Weitere Unwägbarkeiten werden dadurch (sprachlich) nicht ausgeschlossen.

    Da wir so schön am Plaudern sind: Was halten Sie eigentlich davon, dem eigentlichen Postulat der Verfassungsgeber in Art. 5 GG zur Geltung zu verhelfen, nämlich „allgemein zugängliche Quellen“ überhaupt vorauszusetzen? Die forcierte Depublikation durch den Rundfunkstaatsvertrag, bei der sich „Nach“lesen einer Zangenbewegung zwischen Urheberrecht und Verschwinden der Nachricht ausgesetzt sieht, im Namen von Gebührenrecht, sollte in meinen Augen weiter zu denken geben. Zumindest weiter als in den Kategorien bestehender Grundrechte und deren auf das Privatrecht übergreifende Drittwirkungen. Ich finde, bisher sind wird nur beim divide et impera.

    Mit freundlichen Grüßen, e2m

    1. Ich dachte, es wäre klar, daß ich hier kein Rechtsgutachten verbreitet hatte, sondern eine politische Meinung: Rechtliche Argumente treten in dieser Diskussion ganz in den Hintergrund, es ging um die Entwicklung der Demokratie und der Politik im ganzen. Wo soll die Agora eingerichtet werden, welche Räume sind „öffentlich“, welche nicht; über diese Fragen blogge ich seit gut zwei Jahren schon. Ich entwickle nicht in jeder Notiz jeden Gedanken vollständig von vorne. – Was das „Depublizieren“ angeht, so hatte ich es als „Unwort des Jahres“ vorgeschlagen – war leider nicht erfolgreich.

  4. Mal unter Kollegen: Meine Erfahrung ist, dass gute Juristen einfaches und klares Deutsch schreiben. Ich habe Schwierigkeiten zu folgen, lieber ed2murrow.

  5. Sehr geehrter Stefan,
    das auszuwalzen wäre ein eigener Aufsatz. JFenn hat angemessen darauf reagiert, also wohl auch so verstanden.
    Freundliche Grüße, e2m

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