Warte nur, balde ruhest Du auch?

Im Zusammenhang mit der Plagiats-Affäre um den CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg hat Lutz Hachmeister in CARTA eine Kampagne initiiert, in der er gemeinsam mit Unterstützern erklärt, er wolle seinen Doktortitel aus Protest so lange ruhen lassen, wie zu Guttenberg als Minister im Amt bleiben werde. Ein stolzer, ein lobenswerter und ein notwendiger Schritt, der auf die wissenschaftliche und die politische Kultur gleichermaßen zielt. Die Uni Bayreuth hat es bei der Rücknahme des Titels nicht für nötig befunden, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob zu Guttenberg vorsätzlich gehandelt habe, als er aus fremden Texten kopierte. Er selbst hatte sich gestern vor dem Parlament zu der Aussage vorgearbeitet, wer ihm Vorsatz unterstelle, begehe üble Nachrede, er sei bei seiner Arbeit, die mit summa cum laude benotet worden war, schlicht überfordert gewesen. Und die Bundeskanzlerin kommentierte den ganzen Vorfall mit der Bemerkung, zu Guttenberg sitze als Verteidigungsminister im Kabinett, nicht als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. An alledem sieht man, daß die Informationsgesellschaft doch noch ganz am Anfang eines langen Weges steht. Umgekehrt dürfte die wissenschaftliche Kultur am Ende ihres Wegs angekommen sein. Die Anforderungen an die Belege in wissenschaftlichen Arbeiten und die Plagiatskontrolle müssen erheblich verschärft werden, wenn Gefälligkeitspromotionen und Betrug in Zukunft wirksam verhindert werden sollen, denn der Fall zu Guttenberg hat jedermann vor Augen geführt, wie leicht das alles zu bewerkstelligen war. Wie laut muß das Kind denn noch in Richtung des Kaisers rufen, daß er die ganze Zeit schon splitternackt dastehe, bis es endlich einer merkt?

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4 Kommentare zu „Warte nur, balde ruhest Du auch?“

  1. Was den an die Universität Bayreuth gerichteten Vorwurf angeht, so ist mir nicht restlos klar, was die Hochschule noch unternehmen soll: Alle am Promotionsverfahren Beteiligten (einschließlich zu Guttenberg) sind sich einig, dass die Dissertation schwere, nicht heilbare, Mängel aufweist, welche zwingend die Aberkennung des Doktor-Grades zur Folge haben.

    Wenn absehbar wäre, dass sich der Betroffene gegen die Aberkennung juristisch zu Wehr setzt (was wohl in fast allen vergleichbaren Fällen so sein dürfte), so wäre natürlich eine eingehende Begründung geboten. Im übrigen wurde zu Guttenbergs Text ja nun wirklich bereits von interessierter Seite mit einer beispiellosen Gründlichkeit in alle Einzelteile zerlegt.

    Zu klären wäre allenfalls, wie es zu dem Fiasko kommen konnte. Dabei muss man bedenken, dass der Doktorvater, Prof. Häberle, bereits 76 Jahre alt ist. Damit gehört er zu einer Generation von Akademikern, die vielleicht nie mit PCs, Datenbanken und Volltextsuchmaschinen gearbeitet hat.

    Nehmen wir doch ein Beispiel aus zu Guttenbergs Text: In der Einleitung hat er, wenn ich das richtig erinnere, aus einem damals 15 Jahre alten Leitartikel in der FAZ abgekupfert. An einen 15 Jahre alten Zeitungsartikel erinnert sich der Regel niemand. Es müsste schon ein Riesenzufall sein, dass der Gutachter den Artikel gelesen hat und sich überdies nach anderthalb Jahrzehnten noch daran erinnert.

    Heutzutage kann der Gutachter, wenn er den entsprechenden Verdacht hegt, so etwas binnen Sekunden aufklären, ohne sich dafür überhaupt nur in eine Bibliothek begeben zu müssen.

    Daher meine Vermutung: Wenn man es heute unternähme, im großen Stile wissenschaftliche Arbeiten aus dem prädigitalen Zeitalter auf Plagiate zu überprüfen, so bräche das große Heulen und Zähneklappern aus.

  2. Pingback: Bravo!

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