Diplom-Katastrophen-Beobachter 2.0

von schneeschmelze

In Konkret 4/2011, S. 44ff. erzählt Bazon Brock über eine Lehrveranstaltung zur „Bürgerprofessionalisierung“, die er an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe durchführt: „Es wird immer schwieriger, sich als Bürger zu behaupten, er muß sich daher professionalisieren. In den Karlsruher Lehrveranstaltungen bilden wir die Bürger zum Diplom-Patienten, Diplom-Konsumenten, Diplom-Rezipienten und Diplom-Gläubigen aus. Denn unsre Weltorientierung kann nur dann positiv ausfallen, wenn wir jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen. Das muß eingeübt werden. Da gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man wie der Kölner in seinem naiven Positivismus behaupten: ‚Et hätt noch immer jot jejange‘, und dann zugucken, wie sang- und klanglos das Stadtarchiv zusammenbricht und man die eigene Geschichte einbüßt. Oder man kann der gängigen Alltagspraxis der meisten Menschen folgen, die sich millionenfach durch den Konsum von Kriminal- und Horrorfilmen mit den drohenden Katastrophen vertraut machen, um sich so mental für die Katastrophe zu wappnen. Dem entspricht auch die anthropologisch verbriefte Praxis, die wohl allen Kulturen und Glaubensrichtungen gemein ist – nämlich die gemeinsame Verehrung des Übermächtigen. Nur Verehrung bannt den Schrecken.“ Und um dieser Verehrung ohne Medienbruch nachgehen zu können, empfiehlt es sich, einen RSS-Feed zu abonnieren, den ich gestern zufällig bei der FAZ gefunden habe. Er heißt schlicht Katastrophen und ist ein Unterfeed des Ressorts Gesellschaft. Derzeit ist er voll von Meldungen aus Japan, bis auf weiteres, sicherlich, aber das kann sich wieder ändern.