„Nehmt Apple, haben sie gesagt, das funktioniert, haben sie gesagt…“ II

Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder: Das „weltweit fortschrittlichste Betriebssystem“ (so nennt Apple sein Mac OS X) kann – im Gegensatz zu den Vorgängerversionen – weder mit meinem Drucker noch mit der mitgelieferten Fernbedienung etwas anfangen. Epic Fail in beiden Fällen. Letzteres hat mich besonders geärgert, weil ich derzeit oft Präsentationen vorführe, die ich mit LaTeX erstelle und in der Vorschau als PDF anzeigen lasse. Nun merke ich, daß die aktuelle Version 1.3.14 von Skim, im Gegensatz zur vorhergehenden Version, mit der Fernbedienung spricht. Das hat den Vorteil, daß man beim Vortrag nicht mehr an den Rechner angebunden ist und sich frei im Raum bewegen kann. Skim steht unter BSD-Lizenz und verfügt noch über eine Reihe weiterer nützlicher Features zur Verarbeitung von PDF-Dateien.

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Ein Verlust

Wenn ich Erich Hackls Nachruf auf Lothar Baier lese, der im Jahr 2004 im Freitag erschienen war, erinnere ich mich daran, was für ein Verlust mit dem Verschwinden des alten Freitag verbunden war. Man vergißt ja so schnell. Viel zu schnell. Und: Gerade die Guten vergißt man zu leicht. Baier war einer von ihnen. Man muß sich aber an sie erinnern, das ist man ihnen schuldig.

On and on and on

In Berlin wird die schwarz-gelbe Regierungskoalition mittlerweile offen als Auslaufmodell bezeichnet. – Der aktuelle Länderbericht des Economist zu Deutschland geht schon länger davon aus, daß schwarz-gelb die Wahlen 2013 nicht mehr gewinnen werde, weil man nicht mehr sicher annehmen könne, daß die FDP im nächsten Bundestag noch vertreten sei, bezeichnet aber auch einen grün-roten Wahlsieg als nicht sicher. Ich bin gespannt, wann sie beginnen werden, schwarz-grün ausdrücklich als mögliche Variante für den Bund anzuführen.

Kommentar. Fixmbr. 25. Juni 2011.

Man muß es nur wollen

„Steuersenkungen sind auch entgegen vieler Ansicht bezahlbar, man muss nur wollen.“

So der Wirtschaftsliberale Marc Beise in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni 2011 zu den Plänen, die Steuern zu senken. Klar, daß das jetzt auf die Tagesordnung gesetzt wird, das wird noch vor der Sommerpause durchgezogen, während die Wähler in den Massenmedien mit der Fußballweltmeisterschaft von den wirklich wichtigen Dingen abgelenkt werden. Man darf gespannt sein, wie das ablaufen wird. Nächste Woche, so schreibt Beise, werde wieder einmal „der Professor aus Heidelberg“ aus dem Zylinder gezogen, um sein neues Konzept zur ultimativen Steuerreform vorzustellen:

„Es ist ein wahrhaft großes Werk: In neunjähriger Arbeit ist nicht weniger als das erste ‚Bundessteuergesetzbuch‘ entstanden, das alle deutschen Steuerarten nebst ihren insgesamt gut 30.000 Paragraphen in einem einzigen Gesetz mit nur noch 146 Artikeln zusammenfasst werden.“

Pardauz.

Erhard Eppler erzählte einmal, als er Bundesminister in der Regierung Schmidt war, wäre keiner auf die Idee gekommen, die Steuern müßten gesenkt werden, weil alle im Kabinett wußten, daß der Staat Geld brauche, um seine Aufgaben erfüllen zu können. Daran hat sich ja bis heute nichts geändert. Man muß es nur wollen.

Mehr wert

Constanze Kurz hat auf planet-interview.de einige Aspekte des Datenschutzes in sozialen Netzwerken diskutiert, die ihr Buch „Die Datenfresser“ berühren. Zum Ende des Gesprächs kommt die Rede auf den „Gläsernen Mitarbeiter“ und das, was Enzensberger in der „Verteidigung der Wölfe“ im Jahr 1957 „die Liebe des Metzgers zu seiner Sau“ genannt hatte. Alle reden über Facebook, aber keiner mehr darüber, was die soziale Vernetzung in den Unternehmen und in den Verwaltungen bewirkt:

Es soll inzwischen auch Software geben, die aus den Datenspuren in Intranetzen von Unternehmen den Wert eines Arbeitnehmers ermittelt.

Kurz: Ja, es gibt Firmen, die Arbeitgebern so etwas anbieten, eine davon ist Cataphora. Mit der Software wird der Datenstrom des Mitarbeiters analysiert: Emails, Internetnutzung, Chat. Man guckt sich an: Was ist der Inhalt der Mails? Wer sind die Mitarbeiter, die im Arbeitsprozess gefragt sind, wer steht mehr am Rand des Teams? Wo kommen die Impulse her? Wer antwortet zu welchen Zeiten? Daraus schätzen die Firmen für den Auftraggeber den Wert des Mitarbeiters ein. Denn man wird lieber in einen Mitarbeiter investieren und ihn fortbilden oder befördern, wenn er sich als leistungsfähig und wichtig darstellt. Und man wird sich eher von den Leuten trennen, die als nicht so wichtig für das Unternehmen gelten. Das ist eine ganz rationale Abwägung des Arbeitgebers und da es heute möglich ist, wird es auch gemacht. Für mich stellen sich da sehr viele ethische Fragen…

Aus: Constanze Kurz. Die heutigen sozialen Netzwerke sind von Anfang an durchkommerzialisiert. In: planet-interview.de, 23. Juni 2011.

Der Bock als Gärtner

Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, die gerade wegen zahlreicher nachgewiesener Plagiate ihren Cum-Laude-Doktorgrad verloren hatte, ist nun von ihrer Partei in den Forschungsausschuß des Europäischen Parlaments entsandt worden. „Diese Personalie sorgt bei manchem für Erstaunen“, schreibt Deutschlandradio Kultur in den Kulturnachrichten. Und weiter: „Die Grünen reagierten darauf mit Spott: Der Europaparlamentarier Sven Giegold sagte der Agentur AFP, Frau Koch-Mehrin könne dann ja dort wissenschaftliches Arbeiten lernen. … Der Ausschuss des Europaparlaments für Industrie, Forschung und Energie ist unter anderem zuständig für die Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse.“ Ein peinlicher Vorfall. Erst am Vorabend war das GuttenPlag Wiki, das einen wichtigen Beitrag zum Sturz des ebenfalls wegen wissenschaftlicher Plagiate unglaubwürdig gewordenen Bundesministers zu Guttenberg geleistet hatte, mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden.