Die Redaktion

Die Sammlung der Biographien der FAZ-Redakteure ist ein Panoptikum des bürgerlichen Anstands. Vorzeigbare Damen und Herren, über jeden Zweifel erhabene tüchtige Menschen, die alle eins miteinander verbindet: Es wird behauptet, sie hätten aufgrund ihres eigenen Entschlusses ihrem Leben eine bestimmte Richtung gegeben, sie hätten zwischen mehreren Wegen einen gewählt, aus diesem Grunde, nicht aus jenem heraus sich entschieden, dieses zu werden, nicht jenes, gewiß, nicht ohne Widerstand, jedoch nicht dem Zufall sich beugend, sondern ihrem Wunsche gemäß und der Neigung folgend, sorgfältig vorbereitet, humanistisch gebildet, altsprachlich meist, immer das Ziel vor Augen, am Ende doch zu landen, wo und wie es sich gehört, nicht wo es gerade paßt, sondern wo diese Autoren ihres eigenen Lebens eigentlich immer schon hin wollten, auf daß es ihren Lesern zur eigenen Erbauung gereiche.

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3 Kommentare zu „Die Redaktion“

  1. Wollte man ihre Biographien vollständig erzählen, gehörten die all derjenigen dazu, die ähnliche Wege gingen, dann aber anders abbogen oder scheiterten – beginnend noch vor der Grundschule. Dieses Mosaik der Möglichkeiten würde bewusst machen, was Gesellschaft ist und wie sie funktioniert.

    1. Und das ist es ja gerade, was „die Zeitung“ verhindern will: Die Gesellschaft zu verstehen. Übrigens kann man auch noch nach der Grundschule abgebogen werden.

  2. Beim WDR waren in früheren Jahrzehnten durchaus auch Journalisten tätig, die weder studiert noch Abitur hatten.

    Mir ist ein langjähriger Moderator von „An Rhein und Weser“ in Erinnerung, der gelernter Bergmann war, bevor er zu einer Lokalzeitung und später zum WDR ging (in den 50er Jahren). Der meinte mal, so einen wie ihn würde man beim WDR heute gar nicht mehr nehmen.

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