Mehr wert

von schneeschmelze

Constanze Kurz hat auf planet-interview.de einige Aspekte des Datenschutzes in sozialen Netzwerken diskutiert, die ihr Buch „Die Datenfresser“ berühren. Zum Ende des Gesprächs kommt die Rede auf den „Gläsernen Mitarbeiter“ und das, was Enzensberger in der „Verteidigung der Wölfe“ im Jahr 1957 „die Liebe des Metzgers zu seiner Sau“ genannt hatte. Alle reden über Facebook, aber keiner mehr darüber, was die soziale Vernetzung in den Unternehmen und in den Verwaltungen bewirkt:

Es soll inzwischen auch Software geben, die aus den Datenspuren in Intranetzen von Unternehmen den Wert eines Arbeitnehmers ermittelt.

Kurz: Ja, es gibt Firmen, die Arbeitgebern so etwas anbieten, eine davon ist Cataphora. Mit der Software wird der Datenstrom des Mitarbeiters analysiert: Emails, Internetnutzung, Chat. Man guckt sich an: Was ist der Inhalt der Mails? Wer sind die Mitarbeiter, die im Arbeitsprozess gefragt sind, wer steht mehr am Rand des Teams? Wo kommen die Impulse her? Wer antwortet zu welchen Zeiten? Daraus schätzen die Firmen für den Auftraggeber den Wert des Mitarbeiters ein. Denn man wird lieber in einen Mitarbeiter investieren und ihn fortbilden oder befördern, wenn er sich als leistungsfähig und wichtig darstellt. Und man wird sich eher von den Leuten trennen, die als nicht so wichtig für das Unternehmen gelten. Das ist eine ganz rationale Abwägung des Arbeitgebers und da es heute möglich ist, wird es auch gemacht. Für mich stellen sich da sehr viele ethische Fragen…

Aus: Constanze Kurz. Die heutigen sozialen Netzwerke sind von Anfang an durchkommerzialisiert. In: planet-interview.de, 23. Juni 2011.

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