Internet, Gesellschaft und Google

von schneeschmelze

Philip Banse hat den Umstand, daß das gerade neu gegründete Berliner „Institut für Internet und Gesellschaft“ vollständig von Google mit 1,5 Millionen Euro jährlich finanziert wird, als „ein Armutszeugnis für die deutsche Forschungs-Gemeinde“ bezeichnet. Als Gründungsmitglieder firmieren Jeanette Hofmann, Ingolf Pernice, Thomas Schildhauer und Wolfgang Schulz. Ich habe seinen Blogbeitrag kommentiert:

Kann nur für mein Fach sprechen: Ingolf Pernice ist mir bisher als IT-Rechtler nicht so sehr begegnet. Er ist ausgewiesener Spezialist für Europarecht. Bekannte Rechtswissenschaftler, die sich auf Cyberlaw im weitesten Sinne verlegt haben (insbesondere die Professoren Hoeren, Vesting, Spindler, auch Viola Schmid [TU Darmstadt]) sind wohl nicht beteiligt. Es ist eine Berliner Gründung, der Rest der Republik wurde nicht berücksichtigt. Das alles erscheint reichlich provinziell.

Ich weite meinen Blick auf andere Fächer und denke an den Frankfurter Soziologen Christian Stegbauer, der gerade eine große und sehr gründliche Arbeit über Wikipedia aus dem Blick der soziologischen Netzwerktheorie vorgelegt hat. Das mehrjährige Projekt war DFG-finanziert. Dies nur ein weiteres Beispiel.

Ein Armutszeugnis kann ich nur in einer Hinsicht erkennen: Es ist mehr als problematisch, Geld von Google zu nehmen. Wir erleben gerade, wie die großen Konzerne Besitz von unseren Universitäten ergreifen. In Frankfurt gibt es beispielsweise ein „House of Finance“, darin ein „Bistro Börsenblatt“. Und nun ein Institut, das „das Internet“ erforscht und sich dabei von Google finanzieren läßt. Was soll dabei, bitte, herauskommen, wenn nicht eine Forschung, die dem Auftraggeber entgegenkommt? Wer profitiert davon? Wie kommt die Wissenschaft dazu, sich an Google zu verkaufen? Wer einen Lehrstuhl an einer deutschen Universität innehat, kann forschen, worüber er mag. Es gibt keine Beschränkungen. Am Geld fehlt es in den Geistes- und Sozialwissenschaften auch nicht, denn hier ist bekanntlich das Zeitmoment sehr viel wichtiger als der Mitteleinsatz.

Insgesamt scheint mir das eher gegen die These der Unterfinanzierung im Bereich Cyberlaw und -gesellschaft zu sprechen. Diese Beiträge sind nicht weniger unterfinanziert als die gesamte deutsche Wissenschaft. Und darüber wäre zu reden.