Here’s to the crazy ones?

von schneeschmelze

Die Bundesregierung erklärte, mit seinen Ideen und seinem Geschäftssinn habe Jobs die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen verändert wie wenige andere. Und zwar erklärt dies die Bundesregierung (sic!) zum Tod von Steve Jobs (sic! sic!). Mathias Richling merkte einmal an, nie habe er eine Todesanzeige gelesen, in der es geheißen hätte: „Wir trauern um den krummen Hund…“ Dann wird es heute Zeit für eine. Denn Jobs war einer von den ganz wenigen ganz reichen Amerikanern, die sich weigerten, andere an ihrem Wohlstand teilhaben zu lassen: Er glaubt, der Gesellschaft bereits mit seinen Produkten etwas zurückzugeben (S. 44). Deshalb gibt es sehr wohl eine Bill & Melinda Gates Foundation, aber keine Steve-Jobs-Stiftung. Das Soziale spielte für ihn nicht die geringste Rolle. Da wundert es einen auch nicht mehr wirklich, daß die Bundesregierung ihn (laut Deutschlandfunk-Nachrichten vom 6. Oktober 2011, 23 Uhr) so toll findet. Wenn es dieses ganze Brimborium um Jobs nicht gegeben hätte, hätte mir mein Mac noch zehnmal mehr Spaß gemacht. Nehmen wir einmal die unappetitliche Verquickung von Idealismus und Kommerz, wie in dieser Fernsehwerbung von 1997. Das einzig Positive, das nicht nur mir heute eingefallen ist, war tatsächlich die Rede, die er 2005 in Stanford gehalten hatte. Dem ganzen muß wohl tatsächlich eine längere Phase der Besinnung des moribunden Mannes vorausgegangen sein, gegebebenfalls auch eine größere Spende an die teure Universität in Kalifornien, die für die Einladung zu der Rede, so darf man vermuten, hilfreich war. Aber vermag das die Wahrheit der Worte zu schmälern? Vermag es den krummen Hund gerader zu machen? Ich bin mir nicht sicher und lasse deshalb diese Frage heute abend offen.

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