Webzwonull revisited II

von schneeschmelze

Das ganze Netz eine Ansammlung geschlossener Räume, die ausschließlich durch unterirdische Gänge verbunden sind. – Nach einigem Nachdenken: Das Web 2.0 ist eine Ansammlung von „closed shops“ geworden, im Gegensatz zum öffentlichen virtuellen Raum, den es weiterhin gibt. Es hat eine Ausdifferenzierung stattgefunden. Es gibt nun neben dem großen Rummelplatz auch die kleineren Gemeinden. Erfolgreich sind, den Nutzerzahlen nach, wie schon früher, vor allem die Plattformen, auf denen sich die Mittelschicht wohl fühlt, optisch und überhaupt. Man ist gern unter sich, möglichst gediegen und ohne peinliche Fragen. Man ist mehrheitlich, wo man mehrheitlich eben ist, denn so hat die bürgerliche Gesellschaft schon immer funktioniert. Phantasielos und langweilig.

Gestern habe ich meinen Diaspora-Account wiederbelebt, und ich denke, dort werde ich wieder öfter reinschauen, ebenso wie bei Identi.ca.

Die Gründung von Google+ hat für Bewegung gesorgt. Manche sind von Facebook dorthin gewechselt, manche sind von Diaspora zu Google+ abgewandert, manche kehren dafür Google+ schon wieder den Rücken, vor allem wegen des dortigen Realnamenzwangs. Ich glaube, in den kleineren Netzwerken kommt es derzeit, abseits der Rummelplätze, tatsächlich zu einer Art Revival der Netzkultur. Da sie schnell ausgesondert und aus der Timeline ferngehalten werden können, sind Trolls auch für die technisch weniger geübten Anwender kein Problem mehr. Und es entsteht ein freier Austausch von Meinungen und Links, der auch – im Gegensatz zu den Microblogging-Diensten – räumlich nicht eingeschränkt ist. Derzeit bin ich neugierig und gespannt, wie es weitergeht.

Advertisements