Webzwonull revisited V

von schneeschmelze

Bewegung bei den freien sozialen Netzwerken: Während Identi.ca in den letzten Tagen mit der Datensicherheit kämpft, mittlerweile aber zumindest wieder up ist, wird Diaspora stetig weiter entwickelt. Der Schritt von der Alpha- zur Betaversion ist zwar noch immer nicht getan, aber es kommen immer mehr der von anderen Plattformen bekannten Features hinzu. Derzeit gibt es viel Finetuning. Ebenso wie bei Identi.ca besteht auch bei Diaspora die Möglichkeit, öffentliche Postings zu bestimmten Themen über Tags zu verfolgen und hierzu auch öffentlich zu diskutieren. Insoweit ist eine rührige Gemeinde entstanden, die abseits von den großen Marktplätzen Facebook und Google+ in dieser Hinsicht viel Lebendigkeit zu bieten hat. Auffällig ist, daß Diaspora-Nutzer häufig auch längere Texte posten, daß der Austausch gerade im öffentlichen Bereich erfreulich gehaltvoll ist, sicherlich auch ein Ergebnis der Repolitisierung im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Piratenpartei gerade unter der Gruppe, die man früher Netizens genannt hätte.

Erfreulich auch der Aufruf von Andreas Kemper, freie zivilgesellschaftliche Strukturen in den sozialen Netzwerken aufzubauen. Das Bildungswesen könnte hier den Anfang machen:

„… In New York haben vier Studenten das Programm entwickelt. In Deutschland wird Diaspora* hauptsächlich von drei 17jährigen vorangetrieben, die Schwierigkeiten haben, den dreistelligen Betrag für die Serverkosten monatlich zusammenzubringen, was einerseits zeigt, dass mit sehr wenigen Ressourcen ein soziales Soziales Netzwerk zu betreiben ist und was andererseits ein Licht darauf wirft, dass über die Datenkrake Facebook viel geschimpft wird, dass aber kaum eine Einzlperson oder gar Institution bereit ist, eine echte Alternative zu unterstützen. Das Land Schleswig Holstein bspw. hat eine Datenwarnung für Facebook herausgebracht, betreibt aber selber eine Gruppe dort. Hier ist also die Zivilgesellschaft, NGOs, Verlage, Hochschulen, Kommunen, Parteien etc gefragt. Diese stehen in der Verantwortung, nichtkommerzielle dezentrale und miteinander kompatible Soziale Netzwerke auf Open Source Basis einzurichten.

Wer möchte, kann hier einen Aufruf an die Hochschulen unterschreiben, kompatible Netzwerke einzurichten: Aufruf an die Hochschulen: Schafft kompatible, dezentrale Soziale Netzwerke

Warum soll ein Gymnasium keinen Diaspora-Pod betreiben, um der Schulgemeinde ein Netzwerk zu bieten, über das sie sich auch mit andern Pods venetzen kann? Wenn die Unis das anbieten würden, könnten sich die Schulen dort andocken. Im Bildungswesen könnte es anfangen. Man könnte sich aber auch vorstellen, daß politische Parteien und NGOs mitmachen. Rundfunkanstalten, Bibliotheken, Museen, überhaupt der Kultursektor. Die Unis bieten standardmäßig E-Mail-Adressen an. Warum nicht auch einen Diaspora-Account? Es ist richtig: Solange dieser Markt den großen Datenkraken überlassen wird, statt selbst etwas aufzubauen, bleibt alles, was die Politik zu der Frage derzeit zu bieten hat, halbherzig und unglaubwürdig.