„Verhärtete Armut“

von schneeschmelze

Der Paritätische Gesamtverband hat am 22. Dezember 2011 den Armutsbericht 2011 vorgestellt. Angesichts des öffentlichen Diskurses, der vor allem in den Massenmedien weiterhin unbeirrt auf „Wachstum“ beharrt und der immer noch einen engen Zusammenhang von Bruttosozialprodukt, Beschäftigung und Haushaltseinkommen herstellt, ist es bemerkenswert, daß dies statistisch nicht nachweisbar ist. Seit den Sozialreformen von 2005 hat sich die Konjunktur nicht auf die Armutsgefährdungsquote ausgewirkt. Diese Schwelle, ab der jemand als „arm“ gilt, lag im Jahr 2010 bei einem monatlichen Einkommen von 826 Euro für einen Alleinstehenden – das entspricht etwa dem Regelbedarf für einen Bezieher von Grundsicherung zuzüglich der Wohnungsmiete im Rhein-Main-Gebiet.

Der „Paritätische“ spricht insoweit von „verhärteter Armut“. Die bundesweite Hartz-IV-Quote lag während der ganzen Zeit von 2005 bis heute bei etwa 10 Prozent, während die Armutsgefährdungsquote der Bevölkerung um etwa 5 Prozent darüber liegt. Ostdeutschland ist hier wesentlich stärker betroffen als die westdeutschen Bundesländer, während Nordrhein-Westfalen stellenweise ebenfalls ostdeutsche Strukturen zeigt mit Spitzensätzen von bis zu 20 Prozent Betroffen an der Gesamtbevölkerung. Es gebe keinen „sauberen Ost-West-Schnitt“, sondern einen „armutspolitischen Flickenteppich“, heißt es in dem Bericht.