Weiterer Abbau beim Freitag VII – Schluß

von schneeschmelze

Der Abbau beim Freitag geht weiter: Daniela Dahn zufolge erhielten die Herausgeber der Zeitung Anfang Dezember 2011 Post von ihrem Verleger, in dem er ihnen mitteilte, sie seien entbehrlich geworden. Die Phase des Übergangs von einem selbstverwalteten Projekt zu einer kommerziellen Zeitung

„…sei nun abgeschlossen, der Freitag habe den Charakter eines ‚Projekts‘ gegen den einer ‚normalen Zeitung‘ eingetauscht, woraus folge, ‚dass das Institut der Herausgeber sich für den Freitag überlebt hat.‘ … Ich wollte den Anspruch, Gegeninformationen zu liefern, nicht aufgeben und die analytische und intellektuelle Substanz bewahren. … Ich hielt es für verfrüht, dass der Freitag den Brückenbau zwischen West und Ost (-Europa) aufgegeben hat. … Herr Augstein ist Verleger, Geschäftsführer, Autor und agiert nicht selten wie ein Chefredakteur – in diesem Sinne ist der Freitag in der Tat eine normale, hierarchisch geführte Zeitung geworden. Da sind Herausgeber, die meinen, ihren Senf auch noch dazugeben zu müssen, ein Störfaktor. … In seinem Abschiedsbrief an uns hat der Verleger noch einmal betont, dass der nun linksliberale Freitag den Platz besetzen soll, ‚den Zeit und Spiegel vor langer Zeit freigemacht haben‘, dass er ‚zum Konzert der Meinungsstimmen im Lande gehören möchte‘. Der einstige Spiegel-Chefredakteur Günter Gaus war als Herausgeber zum Freitag gegangen, weil er sich nicht mehr an die von ihm mit Missfallen beobachtete Regel halten wollte, wonach es im Journalismus üblich ist, bei der Mehrheit der Gruppe zu bleiben.…“

Die Nachricht ist auch in der Freitag Community sehr knapp erwähnt worden. Der dortige Beitrag zeigt, daß man ihn offenbar keiner gehaltvollen Würdigung für wert hält. Der erste Kommentar zu dem Hinweis läßt den Herausgeber hochleben. Das zeigt leider erneut die etwas peinliche Substanzlosigkeit dieser kleinen Bloggergemeinde. Eine Mitteilung der Herausgeberschaft gibt es bisher allem Anschein nach noch nicht.

Ich habe Augsteins Erwerbung stets für ein Abschreibungsobjekt gehalten. Zuerst wurde die Redaktion – entgegen aller arbeitsrechtlicher Zusagen bei der Übernahme des Blatts – zurechtgestutzt, nun also die Herausgeber. Das ist in der Tat konsequent, denn die kritischen intellektuellen Köpfe passen schon seit ganz langer Zeit nicht mehr zum redaktionellen Inhalt des Blattes, ihre Namen wirkten schon seit längerem in gewisser Weise deplaziert auf dem Titel. Die einstige „Ost-West-Wochenzeitung“, die sich aufgemacht hatte, inmitten eines allgemeinen Rechtsrucks in den Medien und in den meisten Köpfen nach Substanz für einen linken gemeinsamen Neustart zu suchen, wurde begraben. die Zeitung wurde Teil der Kulturindustrie, sie wurde „irgendwie links“ und treibt seitdem im Mainstream. Und Augstein, der gerade vom Grimme-Institut bei der Vergabe des Bert-Donnepp-Preises angesichts dieser journalistischen Bankrotterklärung mit einer „Besonderen Ehrung“ versehen worden ist, hat es mit dieser grandiosen Anpassungsleistung geschafft, längerfristig in die Talkshows hineinzukommen, und er bloggt bei Spiegel online, dem Portal, das zu der Firmengruppe gehört, in der er die familiäre Erbengemeinschaft vertritt. Der intellektuelle Abbau des Blattes wird letztlich damit begründet, man wolle „irgendwie links“ mitspielen, dabeisein ist offenbar alles.

Nur den „Freitag“, den gibt es nun endgültig überhaupt nicht mehr. Zurück bleibt eine lebende Leiche. In Abwicklung. R.I.P.