SWRinfo: Ein journalistischer Dino, weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit

von schneeschmelze

Der Südwestrundfunk hat das etwas blutleere Wortprogramm SWR cont.ra vorgestern durch SWRinfo ersetzt. Das Programm wird – außer in Stuttgart, wo es noch eine UKW-Frequenz gibt – ausschließlich digital ausgestrahlt, auf DAB+, DVB-S, ADR und per Livestream im Netz.

Die Gattung der „Informationsprogramme“ dient eher der Desinformation als der kritischen Analyse. Diese Programme transportieren und reproduzieren mit ihrem schnell dahingehechelten Takt nur die unaufhörlich hereinströmenden Produkte der großen Nachrichtenmaschine, die von Agenturen, PR-Abteilungen, Konzernen, Parteien und Verbänden gespeist wird. Wem das gefällt, der zeigt damit nur, wie sehr er in dieser journalistischen Schein-Welt denkt.

Es ist genaugenommen ein journalistischer Dino. Was wir bräuchten, wäre mehr „hr2 Der Tag“ und „hr2 Weltzeit“, mehr „DLF Informationen am Morgen/Mittag/Abend“ oder „DRS Echo der Zeit“, mehr „DLRK Fazit“ oder auch „SWR2 Journal“. Denn Analyse tut not. Erklären, verstehen. Wenn die „Infoprogramme“ morgen alle zu senden aufhören würden, wäre das wirklich kein Verlust.

Da ist es auch grundsätzlich unbedenklich, wenn das Programm in seiner digitalen Klausur faktisch unter Ausschluß der Öffentlichkeit gesendet wird. Gleichzeitig mit dem Sendebeginn hat der SWR seine Mittelwellensender abgeschaltet, über die er weit über die Landesgrenzen hinaus zu hören war, gerade angesichts des Mangels an UKW-Frequenzen in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz ist das bemerkenswert. Wenn der SWR das unter „Grundversorgung“ verstände, wäre es allerdings ein Problem.

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