So tickt das Amt: Handbuch Neukundenprozess SGB II

von schneeschmelze

Nachdem Harald Thomé bereits im vergangenen Oktober das Handbuch veröffentlicht hatte, in dem den Mitarbeitern der Arbeitsagenturen erklärt wird, wie sie im sozialgerichtlichen Verfahren gegen den Bürger vorzugehen haben, dokumentiert er seit gestern das Handbuch Neukundenprozess SGB II. Darin wird erläutert, wie mit Bürgern zu verfahren sei, die einen Erstantrag auf die Gewährung von Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld stellen – ja nach Landstrich und Statistik sind das einschließlich derjenigen, die ergänzende Leistungen erhalten, derzeit zwischen 20 und 25 Prozent der Bevölkerung, an manchen Orten in Ostdeutschland sind es noch mehr.

Auch in diesem 55-seitigen Text erschreckt wiederum die eiskalte technokratische Sprache. Ein Auszug aus Seite 11:

„Die frühzeitige Aktivierung in der Phase des Zugangs ist als Teilaspekt des Neukundenprozesses zu verstehen. Er verläuft unter Anwendung des 4PM und binnen der Fristen der operativen Mindeststandards. Die Festlegung der Form der Aktivierung wird durch die Einbindung in das 4PM-konforme Erstgespräch vereinfacht und systematisiert.“

Harald Thomé meint hierzu in seinem gestrigen Newsletter, das alles sei darauf gerichtet, daß die Betroffenen damit

„… auf perfektionierte Art angegangen und entrechtet werden sollen. In BA-Deutsch heißt das dann ‚qualifizierte Antragsausgabe‘, die nur das Ziel hat, mit ‚deutscher Gründlichkeit‘ eine Hartz-IV-Vermeidungsquote zu erreichen. Also möglichst viele im Vorfeld von der Antragstellung abschrecken. Ich denke, wer dieses Drehbuch liest, wird das ein oder andere was er/sie selber erlebt hat oder was in der Beratung/Kanzlei berichtet wurde, besser verstehen.“

Deshalb möchte ich diese Empfehlung hiermit weitergeben, denn solche Zeugnisse bedürfen der Verbreitung. Nächstes Jahr sind Bundestagswahlen.