Weniger Kinderarmut?

von schneeschmelze

Die Bundesarbeitsagentur weist darauf hin, daß die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die Leistungen zur Grundsicherung nach den SGB II erhalten, zwischen September 2006 und September 2011 von 1,9 Millionen auf 1,64 Millionen Betroffene gesunken sei. Die Bundesagentur führt das vor allem auf geglückte Vermittlungsbemühungen zurück, während Kritiker darauf hinweisen, daß der Rückgang in Ostdeutschland vor allem auf Wanderungsbewegungen in den Westen beruhen dürfte. Außerdem sei der Übergang aus dem minimalen Hartz-IV-Niveau in eine Beschäftigung im Niedriglohnbereich für die Familien noch lange nicht gleichbedeutend mit einem Ende der Armut.

Interessant ist, daß in der Berichterstattung in den Massenmedien die Frage nicht erörtert wird, inwieweit sich das generative Verhalten bei den Betroffenen in dem Zeitraum geändert habe. In den vergangenen fünf Jahren sind bereits fünf Jahrgänge von Kindern aus dem Alter, auf das sich die Untersuchung bezieht, herausgewachsen. Auch wenn man in Rechnung stellt, daß der politische Druck auf die Familien und die Alleinerziehenden, zu prekären Bedingungen erwerbstätig zu werden, zugenommen hat, bleibt offen, ob die Zahl der Kinder in den betroffenen Familien sich nicht ebenfalls verändert habe. Es könnte auch sein, daß in diesem Zeitraum mit Blick auf die schlechten ökonomischen Aussichten sowie auf die mangelhafte soziale Sicherung schlicht weniger Kinder geboren wurden. Das wäre aber kein „Erfolg“ – soweit man hiervon in dem Zusammenhang überhaupt sprechen könnte –, sondern eher eine traurige Nachricht, weil sie zeigen könnte, wie intensiv die Sozialpolitik in das Leben der Betroffenen eingreift.