Der Wanderer XXX

von schneeschmelze

Ich bin in ein Abteil geraten, das von einer Psychologenfamilie belegt worden ist. Gegenüber sitzt die Mutter, sie liest ein schon älteres Buch von Elke Heidenreich. Neben ihr die noch schulpflichtige Tochter, die zwischen ihrem Handy und einem Buch schwankt. Und rechts von mir der Vater, ein Subnotebook auf dem Schoß, zwischen Firefox und Adobe Reader immer wieder wechselnd, die Tabs kann man gar nicht zählen, zwischen so vielen Papers schaltet er hin und her, die ganze Fahrt hinweg, sie sprengen das Fenster des kleinen Bildschirms, Wirtschaftspsychologie, darunter auch ein englischer Wikipedia-Artikel, Trial and error, was mich, auf der Heimfahrt vom Camp, doch auch ein bißchen stolz macht. Im iPod Keith Jarrett, The Köln Concert, später Entertainment for the Braindead. Der Zug war pünktlich, ich kann mich nicht beklagen. Als ich genau zu dem Zeitpunkt, der auf meiner Fahrkarte steht, aussteige, weise ich nach einem Blick auf die Anzeige am Abteil die anderen Fahrgäste darauf hin, daß mein Sitzplatz nun frei geworden sei, es war nicht der schlechteste, aber sie stehen lieber weiter auf dem Gang des völlig überfüllten Zuges, der noch bis nach Stuttgart fahren wird.