Der Letzte macht das Licht aus

von schneeschmelze

Während der Brockhaus für 2014/15 tapfer eine neue Auflage vorbereitet, hat sich die Britannica endgültig vom Printzeitalter verabschiedet. Nach 244 Jahren wird das Erscheinen der gedruckten Ausgabe der Encyclopaedia Britannica eingestellt, heißt es im Britannica-Blog. Man beteuert, es sei eine Ankündigung, die sich auf die Zukunft der Britannica beziehe, nicht auf ihre Vergangenheit. Und es fällt doch auf, dass ein Name bei alledem sorgsam vermieden wird: Wikipedia.

„Brockhaus, Meyer, Britannica – wie fühlt man sich, wenn man alle anderen hinter sich gelassen hat und als letzter noch übrigbleibt?“ fragte mich einmal ein Lehrer an einer Schule in Offenbach am Main in einem Workshop, den ich im Bildungsprogramm von Wikimedia Deutschland gehalten hatte. Und er war etwas irritiert, als ich ihm sagte, dass das gar nicht unser Ziel gewesen sei, dass es bei Wikipedia gar nicht darum gegangen sei noch ginge, andere Enzyklopädien vom Markt zu verdrängen, dass das aber schließlich faktisch die Folge war, was aber nicht an uns oder an unserem Ziel lag, Wissen wirklich jeder und jedem zugänglich zu machen, sondern daran, dass man unter den Bedingungen des Internets Information und Daten gar nicht mehr künstlich verknappen kann, wenn sie einmal in Umlauf sind und dass es eine gewissen Notwendigkeit gab, der zufolge es wohl so kommen musste.

Das Bessere ist der Feind des Guten. Freiheit des Wissens allein reicht nicht – Qualität ist mindestens genauso wichtig für den Erfolg und die gesellschaftliche Bedeutung, die dem Wissen beigemessen wird. Allein der Medienwandel von Print zu Online führt noch nicht zum Verschwinden des Produkts oder der Marke. Der letzte macht das Licht aus.

Zuerst im Wikipedia:Kurier, 14. März 2012.