Das Börsenblatt feiert die Onleihe

von schneeschmelze

Ganz großes Kino: Eine Sonderausgabe des Börsenblatts zum Thema Onleihe und E-Books, und die Onleihe darf sich prächtig präsentieren, als gehe es nicht mehr ohne sie.[1][2][3][4] Sogar die größten Schwächen, die den SWR unlängst zu dem Fazit bewogen, das sei wohl alles immer noch nicht so richtig ausgereift, werden offensiv vom Marketing aufgegriffen und den Softwareherstellern und den Verlagen in die Schuhe geschoben, als gehe es nicht anders.

Wer einen Vertrag unterschreibt, der höchstens 24 Ausleihen der FAZ am Tag im Stundentakt ermöglicht, braucht dafür doch nicht die FAZ zu beschimpfen – wir haben Vertragsfreiheit, und die FAZ gibt es – richtig: Am nächsten Kiosk und in der Bibliothek, so lange ich will.

Es ist völlig klar, daß die Zukunft den Flatrates gehört, wie Pauschalpreise derzeit heißen: Der Kulturflatrate, der Internetflatrate, und eben auch der E-Book-Flatrate.

Die Onleihe ist heute immer noch auf dem technischen Stand von 2007, als sie begann, und damit ist sie nichts anderes als ein Dino. Wer will damit heute noch jemand hinter dem Ofen hervorlocken?

Sie ist auch eine erhebliche Verschwendung öffentlicher Mittel, denn die Angebote sind völlig überteuert für die Bibliotheken und die öffentliche Hand, die das noch zusätzlich bezuschussen muß. Um die Onleihe nutzen zu können, zahlt das Land der jeweilige Bibliotheksträger in Rheinland Pfalz pro Einwohner zehn Cent pro Jahr – ohne die Etats der Bibliotheken, die für die Anschaffung draufgehen. Wer profitiert davon? Die Divibib GmbH und die Verlage, die bei dem Spiel mitmachen. Wem schadet es? Dem Buchhandel und auch den Lesern, denn darunter leidet die Vielfalt unserer Bibliotheken als öffentlicher Raum.

Dieser Monopolist zentralisiert nicht nur den Handel mit Gedrucktem für die öffentlichen Bibliotheken, sondern versucht nun auch noch den E-Book-Markt allein zu besetzen.

Warum ist hier nicht von den Verlagen die Rede, die dabei nicht mitspielen? Nehmen wir nur einmal C.H.Beck – beileibe kein Nobody in der Szene.

Kommentar, boersenblatt.net, 29. März 2012, 15.48 Uhr.