Eine Welt, in der anonymes Lesen kaum noch möglich ist

von schneeschmelze

Evgeny Morozov schreibt in der FAZ über Roboterjournalismus. Ein Computerprogramm erstellt für Forbes die langweiligen Berichte über die Geschäftszahlen von Unternehmen. Die Firma, die das entwickelt, heißt „Narrative Science“ und hat derzeit dreißig Kunden, die solche Fließbandtexte abnehmen und an ihre Leser weiter verbreiten. Billige Massenware für ein Massenpublikum im Bereich Wirtschaft und Sport.

Aber Morozov spinnt den Faden noch etwas weiter. Er verbindet diese Entwicklung mit der googleschen „Filter-Bubble“ und stellt sich vor, wie die Profile, die überall über die Internetnutzer angelegt werden, den Nachrichten zugrundegelegt werden, die sie erhalten. Wer die New York Review of Books liest, für den erstellt der Computer eine andere Nachricht als für denjenigen, der die leichtgewichtige USA Today konsumiert. Und er schließt:

„Die eigentliche Gefahr liegt darin, dass wir nicht nach den sozialen und politischen Konsequenzen fragen, die in einer Welt zu gewärtigen sind, in der anonymes Lesen kaum noch möglich ist. Die Werbebranche will, gemeinsam mit Google, Facebook und Amazon, diese Welt möglichst rasch nach ihrem Geschmack einrichten; aber eigenständiges, kritisches und unkonventionelles Denken wird es in dieser Welt immer schwerer haben.“