Die Einladung

Ob ich zu einem Bloggertreffen kommen wolle, stand in der Mail. Die Frankfurter Kunsthalle Schirn und die Skulpturensammlung Liebieghaus lüden zu einem Meet up, Tweet up, Koons up ein: Kuratoren-Führungen durch die beiden Ausstellungen „Jeff Koons. The Painter“ und „Jeff Koons. The Sculptor“. Jeff Koons, über den es in Wikipedia derzeit heißt: „Seine Kunstwerke wandeln aufgrund ihrer ironisierenden Wirkung zwischen Kitsch und Kunst.“ Vorweg aber gebe es einen Impuls von Mercedes Bunz zu Gegenwart und Trends von „unterschiedlichen Kulturinstitutionen und Blogs“ sowie einen Bericht von Matthias Planitzer über die Entwicklung seines Blogs Castor & Pollux. Der Tag klinge aus im Garten des Liebieghauses – ob ich also kommen wolle?

Natürlich bin ich neugierig auf die Bloggergemeinde, die sich, wie ich, bisweilen mit kulturellen Themen beschäftigt. Nachdenklich macht mich allein die Ankündigung, bei der Veranstaltung sollten „die Möglichkeiten und Voraussetzungen eines gegenseitigen fruchtbaren Austauschs zwischen Bloggern und Institutionen beleuchtet werden.“ Es gehe um das „Zusammenspiel von Kulturinstitutionen und Blogs“: „Welche Bedeutung haben Blogs im Kunst- und Kulturbereich? Treten Blogs aus dem Schatten etablierter Kunstmagazine hervor? Wie können sich Kunst- und Kulturinstitutionen besser mit Bloggern vernetzen?“

Sagen wir es einmal ganz direkt: Es geht dabei zumindest auch um Geld. Um nicht gerade wenig Geld, schrieb Mercedes Bunz gerade in ihrem Blog: „In Germany, museums have become the most lucrative entertainment after the movies, they attract more people than theaters or football. It seems that by now we need to please people, and that our public places are driven according to a head count. For sure, we have stopped to think of museums as places where we can learn and discover something about our human past, hereby making human history a place only for experts.“ Und sie fährt fort, der Diskurs, der in manchen Kreisen (ein Beispiel dafür habe ich vor kurzem erst erleben dürfen) maßgeblich von ökonomischen Argumenten getrieben wird, sei „verkehrt“: „By now, our Western societies badly need another buzzword to keep ‚profit‘ in check.“

Die eigentliche Frage, die sich in der Diskussion deshalb stellen sollte, ist, was Blogs dazu beitragen können, um dieses Riesenbusiness „Kunstbetrieb“ wieder menschlicher und damit kleiner zu machen und die Qualität wieder in den Vordergrund zu rücken. Wenn Blogs eine sinnvolle und eigenständige Rolle im Kunstbetrieb spielen sollten, dann wäre es diejenige eines Korrektivs, das dafür sorgt, daß hysterische Inszenierungen, wie wir sie gerade für die beiden Jeff-Koons-Ausstellungen in Frankfurt erleben – mit Plakaten bis auf die Zeil ins Schaufenster bei Peek und Cloppenburg hinein, noch realistisch und kritisch angeschaut werden können. Und das setzt notwendigerweise Distanz voraus. Distanz zum Geschäft, vor allem, und Unabhängigkeit vom Betrieb.

Ich bin sehr gespannt, ob ich diese kritische Distanz bei dem Meet up in Schirn und Liebieghaus am Donnerstag vorfinden werde. Das würde mich freuen, und ich komme gern, um mich darüber zu unterhalten – und natürlich auch, um mir Jeff Koons erklären zu lassen, über den ich in den letzten Tagen schon so einiges gelesen habe.

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7 Kommentare zu „Die Einladung“

  1. Lieber Jürgen,

    ja, die kritische Distanz können wir nicht von den Institutionen erwarten, sie kann m.E. nur von jedem Einzelnen ausgehen. Gerade die Schirn hat ja – auch aus der Not der Kunsthalle ohne eigene Sammlung heraus – ein schon fast traditionell zu nennendes, offensives und pushendes, zugegebenermaßen auch sehr erfolgreiches, Verhältnis zu Werbung, Marketing und Medien. Nicht ohne Hintergrund hieß die erste Ausstellung der Schirn unter der Leitung von Max Hollein 2002 „Shopping“ (http://t4be4.blogspot.de/2012/07/kunst-ausstellungen-shopping-100-jahre.html)

    Vielleicht wird sich in einigen Jahren ja auch durch die Kunst selbst (neue Strömungen, andere Ideen) deren Präsentation und Vermarktung ändern. Denn noch haben wir die Jahrhundertwende in der zeitgenössischen Kunst im Sinne von „kommt jetzt endlich mal ‚was Neues“ wohl noch nicht überwunden. Bis dahin bleibt es an uns, einen Schritt zur Seite zu treten, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, darüber zu bloggen 🙂

    Sonnige Grüße
    Tabea

    1. Klar, wir bloggen ja auch weiter, liebe Tabea. 😉 Danke sehr für Deine Anmerkungen. Wir bleiben gerne in Kontakt. Habe Dein Blog im Blick. 😉 Vielleicht gibt es ja auch eine Fortsetzung der Bloggertreffen bei der Schirn. Zu wünschen wäre es.

      Liebe Grüße,
      Jürgen.

  2. Es geht um Geld. Um viel Geld. In einer Zeit in der die Künstlerinnen und Künstler so wenig verdienen wie kaum je zuvor. Nur die kleine goldene Schicht aus Blattgoldkunst, die verdienen sich dumm und dämlich und der Kunstbetrieb mit ihnen. Die anderen darben dahin – für mich, für viele und für die ganze Gesellschaft. Ich bin froh, dass es diese Sorte Künstlertum gibt.

    1. Ja, absolut. Und um diese Künstler geht es hier ja gerade nicht. Bei dieser Einladung ging es um einen Millionär, der … sagen wir: merkwürdige Bilder malen läßt, die schon verkauft sind, bevor sie fertiggestellt worden sind …

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