Abgeschaltet

Julia Seeligers Blog bei der FAZ wurde abgeschaltet. Wohlgemerkt, wir sind hier nicht in der Freitag Community, sondern bei der alten Tante FAZ. Vielleicht ist das endlich mal eine Ansage an alle, die sonst demnächst noch von der FAZ umarmt werden. Blogger sind dort nur Dekoration zu Frank Schirrmachers Internet-Agenda. Es verkauft sich gut. Alles viel zu durchsichtig. Ex und hopp, heuern und feuern, ganz wie die Linie des Blatts im Politik- und Wirtschaftsteil eben.

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7 Kommentare zu „Abgeschaltet“

  1. Zwei Gedanken, die mir beim Lesen von Julia Seeligers Eintrag einfallen: 1) Wie Du auch schon gesagt hast, kann ich nicht nachvollziehen, wie man seinen Namen geben kann für dieses reaktionäre Blättchen. Dort will man sich wirklich nur schmücken mit den Namen prominenter Blogger. Und die (Blogger), das kann man auch hier wieder beobachten, durchschauen das entweder gar nicht oder sie nehmen es in Kauf nur um sagen zu können, dass man bei der FAZ bloggt. 2) Wenn man die Kommentare unterhalb von Julias Beitrag liest, dann wird man schon aufmerksam, mit wie wenig Ethos man dort arbeitet. Ich meine, ich betreibe auch einen „Wald- und Wiesen Blog“, aber ich schreibe weder auf oder für eine prominente Plattform, noch versuche ich, dami Geld zu verdienen. Die amateuerhafte Herangehensweise vieler Blogger fällt nicht zum ersten Mal auf. Und wenn ich mir dann anschaue, bzw. durchlese, dass Seeliger offenbar noch nicht einmal weiß, was sie da genau unterschrieben (und welche Rechte sie an ihren Texten) hat bei der FAZ (oder will sie es schlicht nicht sagen?), dann kann ich nur noch staunen.

    Fazit: Bei aller Grundsympathie hält sich meine Entrüstung in engen Grenzen. Von Seiten der FAZ erwarte ich im Grunde nicht glaubwürdiges Handeln und wenn ich das Handeln der Blogger anschaue, dann kann ich nur feststellen, dass die reichlich amateurhaft an solche Blogger-Projekte herangehen.

    1. Ich kann es schon verstehen, daß Julia Seeliger für faz.net geschrieben hat, denn das wird ziemlich gut bezahlt. In medienradio.org erwähnte mspro mal einen Betrag. Die haben beide nicht für 25 Euro geschrieben. Bloß: Wenn das angemessen bezahlt wird (mehr als für Print, schrieb sie), muß ich auch die vereinbarten Fristen und die Anzahl der vereinbarten Arbeiten einhalten. Das wäre professionell gewesen. – Daß ich das dann aber als Journalismus und nicht mehr als „Bloggen“ einordnen würde, dürfte nach allem, was ich dazu schon geschrieben habe, klar sein. 😉 Zur Professionalität zählt auch, daß man auf Twitter so auftritt, daß es zur Arbeit bei einer konservativen Zeitung paßt.

      Was mir auch auffällt ist, daß sie hier sehr frei über ihre Beziehungen zur Redaktion plaudert. Ich arbeite seit 2008 für mehrere Verlage und würde doch niemals darüber bloggen…

      Auf einer anderen Seite steht das Löschen des ganzen Blogs durch die FAZ. Damit sind die Postings insgesamt verschwunden. Das ist für die Autorin und für den Leser ärgerlich. Es sind nun wohl eine Reihe toter Links im Netz entstanden und man fragt sich, weshalb die FAZ das gemacht hat. Es ist wie eine nachträgliche Strafe, trifft aber vor allem die Leser und zeigt zudem, daß es der Zeitung bei solchen Blogs nicht darum geht, das Netz damit zu bereichern, sondern ausschließlich darum, sich mit bestimmten Autoren zu schmücken, solange man das für tunlich hält. Wenn das Fallbeil fällt, verschwinden dann mit dem Autor auch dessen Texte aus dem Webauftritt der Zeitung. Daß der Freitag so verfährt, überrascht mich nun nicht mehr, nach allem, was dort passiert ist. Aber daß es auch die FAZ so hält, stellt sie in eine Reihe mit solchen Ex-und-hopp-Engagements von Bloggern durch kommerzielle Plattformen. Und daraus sollte man tatsächlich Schlüsse ziehen. Ich würde etwa in einem Vertrag zur Bedingung machen, daß das Blog auf Dauer erhalten bleibt, auch wenn ich gehen sollte. Sonst hätte man ja nur für den Orkus gearbeitet. Bei Nur-Print-Veröffentlichungen gibts wenigstens noch Zeitungsarchive…

  2. Ob man nun für die FAZ schreiben will oder nicht muß jeder für sich überlegen. Das ist klar. Ich für mich würde nicht schreiben wollen für einem Verlag, von dem ich annehme (vorsichtig formuliert), dass er mit meinem „Weltbild“ nicht übereinstimmt (sicher lesen jetzt einige Leute diese Sätze und denken: Mensch, ist der naiv. Denen kann ich nur sagen: ich habe meine beruflichen und privaten Entscheidungen stets entlang meiner Haltung gefällt und nicht entlang des Geldbeutels. Ich habe dafür mehrfach monetär sinnvoll Pfade verlassen, ich glaube also schon einschätzen zu können, von welcher Fallhöhe ich da spreche). Für mich gilt generell: Es geht gar nicht darum, dass man Verlage sucht, die absolut gleicher Meinung sind (wie ich), aber es geht schon darum, dass man dort publiziert, wo man sich einig ist in Bezug auf den gegenseitigen Umgang miteinander. Und da sehe ich doch große Diskrepanzen in Richtung der FAZ.

    Eine andere Sache ist meine eigene Haltung in Bezug auf das, was ich mit dem jeweiligen Verlag ausgemacht habe. Da sind wir uns wohl einig: wenn ich eine Absprache habe mit einem Verlag und dieser erfüllt seine (finanziellen) Verpflichtungen, dann bin ich in einer Bringeschuld. Es scheint so, als wäre das eine altmodische Sichtweise. Ich gönne sie mir an dieser Stelle einfach mal. 😉

    Offenherziges Plaudern: Auch ich kann mich nur wundern. Ihre Absicht scheint klar zu sein. Sie will die FAZ zum bösen Buben machen und hofft auf Zustimmung der Community (ach, jetzt hat man sie doch wieder ganz gerne, die Community. Quasi als zuschaltbare Solidaritätseinheit). Was bleibt ist der Eindruck, dass Julia ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat und nun dennoch darauf hofft, dass die Gegenseite ihre Versprechen aber trotzdem einhält. Spätestens hier frage ich mich schon, was sie sich so denkt. Hmm ..

    Rechtliche Situation: Auch hier komme ich zur Absprache oder besser zum Vertrag zwischen Julia Seeliger und der FAZ. Ist der Vertrag wirklich so lückenhaft, dass die Frage der Verwertungsrechte nicht definiert ist? Das kann ich kaum glauben.

    Die FAZ und ihr Tun. Natürlich ist es nicht schön und möglicherweise auch gar nicht sinnvoll, dass die FAZ mal eben so den kompletten Inhalt eines Blogs „ausblendet“ und ihn damit der Öffentlichkeit entzieht. Inhaltlich bewerte ich das genauso wie Du. Andererseits darf man sicher nicht vergessen: die haben sich sicher mit ihrer Rechtsabteilung abgesprochen, ob sie das dürfen (und schon wieder sind wir beim Vertrag zwischen Seeliger und der FAZ) und hier, am Ende, bekommen wir durch den gesamten Vorgang wieder ein Indiz dafür, dass es sich lohnt, entweder frei zu arbeiten für verschiedene Verlage oder eben ein eigenes Blog zu bauen, dass man als Heimat nutzt. Motto: My Blog is my Castle.

    1. Couldn’t agree more. Und: Nach dem weiteren Verlauf zu urteilen, ist Seeligers Auftritt eine hysterische Show. Heute morgen twittert sie über ihren Gang zum Arbeitsamt… da wird noch einiges nachkommen… ohne Worte…

  3. Die Texte von Frau Seeliger aus ihrem Blog bei der FAZ kann man zum Teil noch rekonstruieren.

    Das Blog, »Allerseelen«, wurde nämlich u. a. von mehreren Zeitgenossen abonniert, die den Google Reader verwenden. Google Reader cacht die Inhalte, soweit man sie in der Vorschau sehen kann.

    Hinsichtlich des Atom-Feeds:

    http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/atom.aspx

    sehe ich als ersten Beitrag vom 25.11.2011: „Wir nennen es ‚Ziviler Ungehorsam'“ (mit eingebettetem Foto). Der letzte vollständig gecachte Blogpost datiert vom 31.05.2012 („Cannabis tötet!“). Danach wurde offenbar die Struktur des Feeds geändert, die letzten Posts sind nicht mehr komplett vorhanden.

    Insgesamt komme ich auf 17 vollständig erhaltene Beiträge, auf welche Google Reader Nutzer nach wie vor zugreifen können.

    1. Danke sehr für den Hinweis! Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis die Beiträge auch dort verschwinden werden. Auch die alten PDFs des Freitag sind schließlich nirgends mehr abrufbar.

  4. Dieser Cache liegt aber bei Google, darauf hat die FAZ vorderhand keinen Einfluss.

    Übrigens landen im Cache des Google Reader, wenn man Glück hat, auch schon mal Beiträge, welche der Blog-/Internetseiten-Betreiber ursprünglich veröffentlicht hat, es sich dann aber anders überlegt und schnell wieder entfernt – in der irrigen Annahme, dass das in dem kurzen Zeitraum niemand bemerkt hat.

    Im normalen Google Cache findet man übrigens alte Beiträge der FAZ nicht (das gilt auch für viele andere Zeitungen).

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