Gelbe Blätter XI

Die letzten Rasenmäher, und die ersten Laubsauger. Der Wind weht die ersten welken Blätter auf meinen Balkon.

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Gelbe Blätter X

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Oktober 2012

Nur für wenige Wochen: Noch bleibendes Grün, werdendes Gelb, vergehendes Rot, endgültiges Braun. Wehende, fallende Blätter, um meine Füße, auf der Straße, auf dem Waldweg, am Weiher. Noch. Die wärmere Periode klingt aus und schwingt noch eine Zeitlang nach.

There is no free knowledge without a free internet

Die Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation Sue Gardner hat zur Vorbereitung der nächsten Vorstandssitzung auf Meta-Wiki ein Papier veröffentlicht, in dem sie Vorschläge für die weitere Entwicklung der Stiftung macht. Die Wikimedia Foundation solle sich auf ihre Kernaktivitäten beschränken. Sie führt unter anderem aus:

„Die Wikimedia Foundation ist kein Thinktank, kein Forschungsinstitut und auch keine Lobbygruppe. Es gehört nicht zu ihren Kernaufgaben, das Internet offen und frei zu erhalten. Wir sind kein allgemeiner gemeinnütziger Bildungsträger, sondern wir sind eine Website, eine Gruppe von Websites, und alles, was wir tun, muss durch diese Brille gesehen werden. Wir unterstützen auch nicht bloß reagierend die Community. Unser Zweck ist es nicht, MediaWiki-Support für Dritte zu betreiben. Wir selbst erschaffen keine Inhalte. Unser Zweck ist es auch nicht, den Fördervereinen bei deren Wachstum und bei deren Entwicklung behilflich zu sein; sie sind vielmehr unsere Partner bei der Unterstützung der Autoren. Die WMF ist nicht der einzige Fisch im Meer des freien Wissens. Nicht alles, was nötig ist, muss von der WMF gemacht werden. Was andere Personen oder Organisationen besser als die WMF tun können, sollen sie tun, egal wie wichtig das auch jeweils sein mag. Wenn wir eine Aufgabe übernehmen, die besser bei anderen Akteuren angesiedelt wäre, gefährden wir unsere Fähigkeit, unsere Kernaufgaben zu erledigen, und gleichzeitig erschweren wir anderen ihre Arbeit.“

Dazu habe ich heute in der Diskussion kommentiert:

In general, I think that the idea to concentrate on core activities is a reasonable approach. You get bogged down in details easily.

On the other hand, this all sounds very much like advice you are likely to get from a business consultancy, dropping all of Wikimedia’s commitment to its values. After all, there is no free knowledge without a free internet, so I’m not quite sure how you could possibly separate these two items.

What’s more, I think every organisation needs at least a bit of a think tank in order to provide for a solid basis for its long-term activities. Experts and community members should both get involved.

And then, I wonder what has become of Movement roles? In hindsight, you might say that it all looks like just another kind of outsourcing programme for „non-core“ activities. And what has become of the Wikimedia movement? We are at risk of losing a lot of precious opportunities here.

What will remain of the WMF in the end? It should be more than just a computing centre running its websites, and a bureau in the Bay Area.

Vom Schirnup zum stARTcamp

Nachdem die Frankfurter Kunsthalle Schirn im vergangenen Sommer ihre „Blogger Relations“ begonnen hatte, werden Blogger über den Presseverteiler wie die Edelfedern vom Feuilleton mitbedient: Pressematerial, Pressekonferenz, Ausstellungseröffnung, Pressestelle. Nun beginnt der Herbst, und das Städel übernimmt mit einer „Blogparade“ zur gerade laufenden Ausstellung. Parallel findet ein kommerzielles BarCamp statt, zu dem über Facebook eingeladen wird.

Nun könnte man sagen: Was nichts kostet, ist nichts wert. Hier trifft sich aber eine Art von Kindergarten („… Blogparade … zum Thema: Ich bin ein/e schwarze/r Romantiker/in weil …“) mit einer offenen Stratagie zur Exklusion: Das zweitägige BarCamp „stARTcamp Frankfurt“ ist nur gegen Eintritt von 25 Euro pro Tag zu besuchen. Die idealistischen Freizeitblogger werden hier wohl draußen bleiben, die PR-Branche und diejenigen, „die gerne vom Bloggen leben können möchten“ (Mercedes Bunz bei der Moderation des Bloggertreffens der Schirn), sind endlich unter sich. Hier können die Visitenkarten gezückt werden, und die Reibungspunkte mit den Rezepte- und Tagebuch-Bloggern, die sich in der Schirn nur zu deutlich gezeigt hatten, entfallen außerdem.

Die Teilnahme an BarCamps ist offen und kostenlos, erklärt uns Wikipedia. Das mag im Wandel begriffen sein, die geschlossene Gesellschaft, die hier inszeniert wird, ist aber jedenfalls ein deutliches Signal an die Community. 50 Euro Eintritt für eine Veranstaltung ist ein Preis, der hoch genug ist, um den Freizeitblogger draußenzuhalten und gleichzeitig nicht zu hoch, so daß diejenigen, „die gerne vom Bloggen leben können möchten“, es sich doch auch noch aus ihrem erwarteten Gewinn werden leisten können. Ob damit ein Strategiewechsel in der PR-Arbeit der größeren Frankfurter Häuser im übrigen verbunden ist, bleibt abzuwarten.