Suhrkamp-Kultur und Blogosphäre

von schneeschmelze

Die Suhrkamp-Kultur ist mir alles andere als fremd geworden. Sie ist aber ein zeitlich begrenztes Phänomen geblieben und hat sich nicht bis in die Gegenwart hinein fortgesetzt, soviel ist richtig.

Wenn beispielsweise Mercedes Bunz ihre Thesen, die wir schon aus ihrem Blog, aus ihren früheren Texten für den Guardian und aus ihren TED-Talks kennen, nun auch in der edition unseld verbreitet, so handelt es sich dabei um ein Buch, das sich einerseits vorrangig an die eher netzaversen Leser richten dürfte, die das alles nicht all die Jahre schon verfolgt haben, und das andererseits eben im Netz vorbereitet worden ist und jetzt nur noch in einem anderen Format vorgelegt wird. Das ist zwar bei Suhrkamp erschienen und – ich lese es gerade – hat ganz sicherlich einen dementsprechenden Anspruch und Gehalt, es ist aber nicht mehr ein Teil der so genannten Suhrkamp-Kultur, die längst eine abgeschlossene Phase unseres gesellschaftlichen Diskurses geworden ist. Was aber nichts daran ändert, daß ihre Werke weiterhin bis in die Gegenwart hinein wirken.

Wenn die Blogosphäre das kaum wahrnimmt, so kann daraus m. E. nicht geschlossen werden, das Thema wäre nicht mehr so bedeutsam wie früher. Es spricht einfach gegen die Blogosphäre, die es auch hier den Feuilletons überläßt, über Abläufe zu berichten und zu reflektieren, weil sie dazu offenbar nichts zu sagen hat. Weil sie nicht recherchiert, keinen Zugang zu den Akteuren sucht und sich in der Form von „Kunstblogs“ in den meisten Fällen von der PR-Maschine im Kulturbetrieb zu bloßen unkritischen Claqueuren für Kunstausstellungen machen läßt. Weil sie ihre Chance, einen vollwertigen Ersatz oder ein Korrektiv für die Konzernpresse zu entwickeln, nicht wahrnimmt. Davon wäre zu reden.

Kommentar bei Carta, 2. Januar 2013.