Abschied von den Eltern IV

Die Anzeige und die Danksagung hängen nicht mehr an der Pinwand, als ich in das Haus hereinkomme. Wieder scheint die Sonne warm in die Wohnung herein. Zum letzten Mal höre ich die Klingel und öffne. Durch Flur und Zimmer gehen, zum Fenster mit dem schönen weiten Blick nach Süden auf die Stadt. „Gebrauchsspuren“ bleiben zurück, heißt es im Protokoll. Und Putzmittel und ein Besen. Das sind alle Schlüssel, die ich habe. Die ich hatte. Zahlen. Notizen. Unterschriften auf der Fensterbank. Das weitere Procedere. Die Tür fällt ins Schloß. Sie wird nicht abgeschlossen, als wir gehen. Merkwürdig. Die Fußmatte bleibt liegen. Eine letzte Fahrt im Aufzug nach unten. Einmal noch die Treppe. Der Briefkasten, ohne Schild zurückgelassen. Verwische die Spuren. Die Tür am Eingang fährt automatisch auf und zu. Eine große und unerwartete Erleichterung, bevor ich mich endlich der wirklich letzten Wohnung zuwenden kann. Auch Letztes geht zuende. Ist zuende gegangen. Und doch nicht ganz. Und doch nicht.

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4 Kommentare zu „Abschied von den Eltern IV“

  1. Wie jede kleine Verrichtung plötzlich an Bedeutung gewinnt, wenn sie zum letzten Mal geschieht.
    Dieser kleine Text berührt mich sehr.

  2. Erfahrungen, die wir beinahe alle erfahren werden und doch gibt es wohl kaum ein Ereignis, auf das man sich so wenig gut vorbereiten kann. Muss wohl so sein und löst doch kaum beherrschbare Gefühle aus. Ist vielleicht auch gut so. Vielleicht brauchen wir einfach Zeit, um da so sehen zu können. Vielleicht auch nicht. Hm ..

  3. Danke sehr für Eure lieben Worte. Vor drei Jahren habe ich begonnen, genau hinzuschauen, und diese Bilder verfolgen mich jetzt etwas, sie gehen mir nach. Es ist jedenfalls gut, daß es zuende geht.

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