Der Wanderer LIII

von schneeschmelze

Kälte auf der Suche nach noch mehr Kälte trifft abends bei mir ein. Ding, dong. Nimm mich mit ins Land der Kaltmamsell, sie hat die Tafel wohl gerichtet, und die Standleitung zur weiten Welt ist auch schon da. Für den Fall, daß es kalt würde, kann zugeheizt werden. Der Radiator rauscht und gluckert aber laut. Klamm und täppisch begegnet mir das Kleine im ganz Großen. Ein Rädchen, das sich pausenlos und mit lautem Geräusch schon seit Wochen ruhelos und testend im Kreis dreht, fährt nun auf mich zu, verpaßt aber immer wieder die Abfahrt und landet deshalb am Ende der Straße grinsend im Graben. Die Blumen laufen gelb an, und die Sonne brennt kalt im Februar. Vögel schreien traurig auf und flattern in den grünen Himmel über uns, der tief herunter hängt, so daß er südwärts den Boden berührt und in den Fuchsbau hinunterragt, der weit geöffnet sich nach Westen hin zeigt. Alles ist ganz eng jetzt. Ich mache mich schlank und ergreife die Taschenlampe, um in der tiefen Dunkelheit besser voranzukommen. Ganz viele Gänge, hier geht es lang, und da auch. Es wird immer dunkler, und die Rose in dem kleinen Väschen, das auf dem Tisch steht, neigt sich in Peinlichkeit zur Wand hin, hält sich aber aufrecht. Zinnsoldaten drehen Pirouetten auf der Herdplatte, bevor sie im Spülbecken eintauchen und für immer untergehen. Nein, Hermann würde niemals so klebrige Töne verwenden, wenn er ein Wurstbrot malt, was ohnehin selten vorkommt. Überhaupt, erst jetzt bemerke ich es: Überall ist Leberwurst, fett und schmierig auf dem Boden. Ich wische sie weg mit einem Lappen, den ich schon als Kind geschenkt bekam und den ich seitdem gut behütet bei mir trage. So. Trotz allem: Was für ein Anblick an unserem schönen Büffet. Gleich dahinter beginnt der Weg ins weite Tal. Auflegen und loslaufen sind eins. Denn etwas Besseres finden wir überall.