E-Learning ohne Wikis: Eine Anmerkung zum Funkkolleg Medien

von schneeschmelze

Die Stiftung Warentest hat im dritten Quartal 2012 eine nicht repräsentative (aber auch nicht ganz zufällige) Umfrage zur Nutzung von E-Learning durchgeführt: „Das Ergebnis: Drei­viertel aller Befragten kennen Lernsoftware beispiels­weise auf CD-Rom oder DVD und immerhin noch 68 Prozent das Lernen via Internet oder Intranet. Über­raschend unbe­kannt sind Lernapps. Dass mit ihrer Hilfe auch ein Smartphone oder Tablet zum mobilen Lernen genutzt werden kann, ist nicht einmal jedem Dritten bekannt. Die Umfrage zeigt auch: Wer E-Learning kennt, nutzt das Angebot auch. Etwa die Hälfte der Befragten, die diese Lernform kennen, hat im vergangenen Jahr eine der genannten elektronischen Lernformen in Anspruch genommen.“ Im übrigen verweist man auf den Leitfaden Weiterbildung: E-Learning aus dem August 2011.

Darin werden zwar Wikis noch erwähnt. Sie scheinen aber – trotz der Attraktivität von Wikipedia – derzeit auch etwas ins medienpädagogische Abseits zu geraten. Schade. Das entscheidende in einem Wiki als Lernplattform wie etwa der Wikiversity ist doch, daß die Lernenden in der Gruppe kreativ tätig sind, daß Arbeiten, Gestalten und Kommunizieren auf derselben Plattform stattfinden und daß das Wiki die flexibelste Plattform überhaupt ist. All das ist in den meisten E-Learning-Angeboten, die es nur zu konsumieren gilt, nicht vorgesehen.

Auch im derzeit laufenden Funkkolleg Medien, das vom Hessischen Rundfunk zusammen mit der Uni Frankfurt ausgerichtet wird, spielen Wikis aus organisatorischer und praktischer Sicht keine Rolle. Moodle wird nur für die einzige Online-Klausur genutzt. Und die Teilnehmer dürfen sich lediglich über Blogkommentare und Twitter/Facebook mit Anmerkungen zu Wort melden, was den Dialog natürlich erheblich einschränkt und die Gestaltungsmöglichkeiten in die Nähe von null fährt. Vor allem können sie auf diese Weise immer nur reagieren, aber nicht selbst initiativ werden und Inhalte selbst allein oder gemeinsam erstellen.

Traut man den Teilnehmern nicht zu, etwas Eigenes zu den Themen des Funkkollegs zu erarbeiten? Ist man vollkommen auf die Abfragbarkeit des „Stoffs“ fixiert, so daß eigene Beiträge der Teilnehmer von vornherein keine Rolle mehr spielen (dürfen)? Ist der Lernende als Kreativer nicht mehr gefragt, sondern nur als Reproduzierender, der klaglos aufnimmt, was ihm vorgesetzt wird, um es in einer Multiple-Choice-Klausur wiederzukäuen? Hier werden leider erhebliche Chancen verpaßt, was gerade angesichts der intensiven Beteiligung von Medienpädagogen wie hier (Studium Digitale der Uni Frankfurt) enttäuschen muß.

Ich hatte eine Seite zum Funkkolleg auf Wikiversity begonnen, die aber rudimentär geblieben ist, zum einen weil mir die Zeit fehlt, sie intensiver zu bearbeiten, zum anderen, weil es generell an einer Community fehlt, die Open educational resources überhaupt tragen könnte. Aber das ist ein anderes Thema und soll ein andermal besprochen werden.