Und jetzt: Die FRAZ

von schneeschmelze

Das Bundeskartellamt hat heute bekanntgegeben, daß es die Übernahme der Frankfurter Rundschau durch die FAZ genehmige. Von der bisherigen Redaktion werden nur 28 Journalisten übernommen. 340 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Auch die Druckerei in Neu-Isenburg wird es nicht mehr geben. Nachdem der Druckauftrag für die Bild-Zeitung nach über 30 Jahren gekündigt worden war, war sie für Investoren uninteressant geworden. Der Vorgang wirft ein Licht auf die Abhängigkeit einer linkeren Zeitung von der Springer-Presse. Die Rundschau – wie auch immer sie in den letzten Jahren abgebaut haben mag – gab es, solange ich sie kenne – darunter gut zehn Jahre als Abonnent, wenn das auch leider schon etwas her ist – letztlich nur, weil dort auch die rechte Dreckschleuder Bild gedruckt wurde.

„Auch die Mediengruppe M. DuMont Schauberg (MDS) und die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg), begrüßten die Entscheidung des Kartellamtes. Man verbinde damit [bei] MDS und ddvg die Hoffnung, dass die Stimme der FR dauerhaft erhalten bleibe.“

Das kann nicht ernst gemeint sein, denn wenn die FAZ die FR kauft und 28 Lokalredakteure übernimmt, ist das etwa so, wie wenn die CDU die SPD nicht nur ideell, sondern endlich auch ganz und gar übernehmen würde und danach eine rote Hülse weiterhin auf dem Wahlzettel stände, die man jerzeit gefahrlos ankreuzen könnte, denn darin steckt garantiert genau dasselbe wie im Original. Manche meinen, soweit sei es schon längst. Andere haben das bezweifelt. Wieder andere haben schon im vergangenen Dezember vorsorglich die Frankfurter Regionalberichterstattung, die nun angesichts von FAZ, Frankfurter Neue Presse und leichengefledderter FR ganz und gar in schwarz daherkommt, als Blogger in die eigene Hand genommen. Das bürgerschaftliche Engagement ist sehr wichtig, es erinnert an den Aufstieg der Blogs in den USA angesichts der einmütig bushfreundlichen und neoliberalen Presse.

Ich denke an die 28 Lokalredakteure, die ein Angebot erhalten werden, ab dem 1. März für die FAZ-FR zu arbeiten. Auch eingedenk aller Flexibilität, die die Rundschau-Redaktion in den letzten Jahren an den Tag gelegt hatte: Wie fühlt man sich dabei? Und: Ist die journalistische Arbeit dieser Mitarbeiter auch weiterhin aus der Sicht der Leser glaubwürdig?

Der Abgesang auf die Blogs dürfte in jedem Fall viel zu früh erfolgt sein.