Blogger unter sich

von schneeschmelze

Thomas Knüwer schlägt vor, das von Bundestag gestern beschlossene Leistungsschutzrecht für Presseverleger zum Anlaß zu nehmen, die Websites von Verlagen nicht mehr aus Blogs oder auf sozialen Netzwerken zu verlinken. Ein interessanter Vorschlag. Ernst machen. Die Verleger abhängen. Es geht auch anders. Blogger unter sich. Informieren sich und ihre Leser gegenseitig. Wer braucht noch Links auf die Presse? Ist doch ohnehin alles vielfach dupliziert im Netz und somit wunderbar über Suchmaschinen auffindbar. Standardisierte Berichterstattung, alles dpa und so weiter, Massenware, hundertfach im Netz. Unbemerkt schon längst von hirnlosen Algorithmen produziert. Reicht völlig aus, daß Wikipedia in den Fußnoten dokumentiert, wer was von wem abgeschrieben oder sonst übernommen hatte.

Die Verlage brauchen Blogs als eine kreative Werkstatt, aus der sie schöpfen. Und umgekehrt? Setzen Blogs Themen gegen den Verlags-Mainstream? Twitter hat gerade ein Thema gesetzt, den #aufschrei, sehr laut, kaum zu überhören. Aber Blogs? Recherche ist selten in der Blogosphäre. Seltener als im Konzernjournalismus? Nicht wirklich.

Wolfgang Blau hat die Lobbyisten beim Namen genannt. Und Vera Bunse hat die Seiten zusammengefaßt, die das Leistungsschutzrecht unterstützen. Aber es geht ja genaugenommen um mehr.

Das Leistungsschutzrecht wird voraussichtlich scheitern. Es hätte schon gleich im Bundestag scheitern können, spätestens bei der finalen Abstimmung – wenn es opportun gewesen wäre, aber „die Opposition wollte sich den kommenden großen Auftritt im Bundesrat nicht nehmen lassen und das ungeliebte Gesetz schon jetzt vom Herd nehmen“. Schön warmhalten im Wahljahr, das können wir sicher noch mal brauchen. Auch darum geht es.

Aber es geht eben vor allem um die Frage, ob wir diese Presse denn noch brauchen, in der es immer schwerer geworden ist, Redaktion und PR-Abteilung auseinanderzuhalten. Auch Profis fällt das mitunter nicht mehr leicht. Was ist noch geschrieben, was ist getextet, wofür ist bezahlt worden und von wem, was ist Nachricht, was ist Werbung, wo verläuft die Grenze zwischen dem „eigentlichen“ Inhalt, dem „Content“, und der Reklame? Und: gibt es diese Grenze überhaupt? Wenn Werbung immer schwerer zu verkaufen ist, wird am Ende eben alles zur Reklame.

Für diesen Abbau haben die Verlage schon längst die Quittung erhalten. Wo früher Bahnfahrer zeitunglesend auf dem Bahnsteig standen, sind sie heute über ihre Smartphones gebeugt. Man surft und simst und twittert. Noch nicht einmal über das Ende einer Zeitung wird man zuerst aus einer Zeitung noch informiert. Die gegenseitige Information der Bürger untereinander funktioniert immer besser. Die Zeit der Zeitungen ist endgültig vorbei, völlig egal, ob sie gedruckt oder online veröffentlicht werden. Der Versuch, die heiße Ware Neuigkeit zu verknappen, ist endgültig gescheitert. Niemand verpaßt mehr etwas. Völlig ungeachtet des Leistungsschutzrechts, können wir daher getrost unter uns bleiben.