Ponader geht

von schneeschmelze

Johannes Ponader hat eine Meldung von Spiegel online auf Nachfrage bestätig, daß er sich im übernächsten Monat nicht mehr für das Amt des politischen Geschäftsführers der Piratenpartei bewerben werde. Die innerparteilichen Querelen sind eine Sache. An denen wird er wahrscheinlich auch seinen Anteil gehabt haben, denn dazu gehören zwei, mindestens. Ebenso die völlig unfähige programmatische Arbeit der Partei im ganzen, die beispielsweise zu dieser unsäglichen Renten-FAQ geführt hat. Die öffentliche Figur Ponader und der Umgang mit ihm aber ist die andere Seite.

Johannes Ponader war der erste Politiker in einer herausgehobenen Position in Deutschland, der von Hartz-IV-Leistungen lebte. Und der Umgang mit ihm war dementsprechend. Fast keine Talkshow ohne Bezugnahme auf seine persönliche prekäre Lage. Dabei hätte es sich angeboten, anhand seines Beispiels über die Lage von Künstlern in Deutschland zu sprechen. Über politisches Engagement von hilfebedürftigen Menschen überhaupt. Aber auch das hätte seine politischen Wirkungsmöglichkeiten wiederum eingeschränkt – was auch nicht wünschenswert gewesen wäre. Dabei ist Ponader nicht allein. Vorher hatte auch die Linke in Hessen vor mehreren Jahren schon einen Bewerber um das Amt des Vorsitzenden, der von Hartz-IV-Leistungen lebte, gemobbt und dessen Wahl damit verhindert. Der Hartz-IV-Bezieher als Paria. Anscheinend geht es nicht anders.

Das wirft ein Licht auf die Diskriminierung von armen Menschen hierzulande. Und das am Tag der Bekanntgabe des „Armuts- und Reichtumsberichts“, der noch in der frisierten Fassung eine immer größere Schere zwischen Arm und Reich konstatiert und den FDP-Wirtschaftsminister Rösler in den Tagesthemen jubeln läßt: „Deutschland ging es nie so gut wie heute“. Ach, so ist das.