Trends bei der Nutzung der Wikipedia-Sprachversionen

Der Wikipedia Signpost berichtet über Erik Zachtes neue Auswertung der Wikipedia-Statistiken. Interessierte und statistisch Kompetente mögen sich die Daten direkt anschauen.

Für die deutschsprachige Wikipedia zeigt sich, so liest man, ein Rückgang der Nutzung im Vergleich zu den anderen Sprachversionen.

Die deutschsprachige Wikipedia ist bei den Seitenabrufen aller Versionen von 7 % (Alexa, Mai 2011) auf 5,4 % zurückgefallen und liegt nun nicht mehr direkt hinter der englischen Wikipedia, sondern hinter dieser, der spanischen und der japanischen (je 7 %) sowie der russischen Wikipedia (6 %), gefolgt von der französischen (4,2 %). Auch der Anteil der englischen Wikipedia an den Seitenabrufen ist allerdings leicht rückläufig (von 53 % im Jahr 2009 auf heute 47 %).

In allen drei deutschsprachigen Ländern habe sich ein Trend weg von der deutschsprachigen Wikipedia, hin zur englischen gezeigt. Der Signpost betreibt etwas Kaffeesatzleserei, was die Gründe für diesen Trend angeht, und mutmaßt, dies könne womöglich darauf zurückgehen, dass die Autoren der deutschsprachigen Wikipedia Themen der Popkultur eher reserviert gegenüberständen. In der Schweiz gebe es einen deutlichen Trend hin zur Nutzung der englischen, weg von der deutschen Wikipedia, zu einem geringeren Teil auch hin zur französischen Sprachversion. In Luxemburg sei die Abkehr von der deutschen Wikipedia zugunsten der englischen und der französischen deutlich gewesen.

Zuerst im Wikipedia-Kurier, 6. April 2013.

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8 Kommentare zu „Trends bei der Nutzung der Wikipedia-Sprachversionen“

  1. Seit der Relevanz-Debatte 2009 wird vermehrt der Pro-Tip verbreitet: „Der beste Trick, den Informationsgehalt eines Wikipedia-Artikels zu erhöhen, ist auf den Englisch Button zu klicken.“

    Zu Recht.

    Und Nein, das betrifft nicht einfach Popkulturwissen – aber das können sich die Inklusionist/inn/en gerne weiter einreden.

    1. Ich weiß nicht, ob zu Recht. Jedenfalls hatte ich über die damalige Diskussion gebloggt. Seitdem habe ich mein Engagement für die Community ganz wesentlich ausgeweitet, und ich finde das auch immer noch sinnvoll. Die englische Wikipedia finde ich dagegen nur schwer zugänglich. Die Community-Prozesse sind für mich nicht nachvollziehbar und obskur. Die Artikelarbeit finde ich meist schlechter als auf dewiki. Eine Vorlage „citation needed“ beispielsweise wäre für mich indiskutabel.

  2. Bei historischen Themen, insbesondere natürlich zur Geschichte der englischsprachigen Welt, ist die englischsprachige Wikipedia definitiv vorzuziehen.

    Besonders geärgert habe ich mich vor einiger Zeit über einen Artikel zur einer (jedoch nicht ganz unbedeutenden) Randfigur der jüngeren amerikanischen Geschichte:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Harvey_Oswald

    Wie der Zufall es wollte, las ich parallel mehrere Bücher zu dem Thema sowie (natürlich nur in Auszügen) die wichtigsten Primärquellen (Bericht der Warren-Kommission und HSCA-Bericht). Wenn man dem deutschsprachigen Artikel vorhielte, er sei tendenziös, so ist das schon zu viel der Ehre. Der Autor hat sich offensichtlich nur bei dubiosen Quellen bedient und diese auch noch falsch verdaut, weil er die Hintergründe nicht kennt.

    In dem Artikel steht reihenweise falsches. Besonders ärgerlich finde ich, wenn jemand mit Fußnote einen Beleg anführt, in dem das Gegenteil von dem steht, was im Text behauptet wird (Fußnote 4 zur Frage, ob Oswald ein guter Schütze war).

    1. Könntest Du Dir vorstellen, die Fehler richtigzustellen? Oder bist Du da auch ein „gebranntes Kind“, das das Feuer scheut? Das soll es ja geben … 😦

  3. Ich darf freimütig bekennen, dass ich den Lexikon-Stil einfach nicht »draufhabe«. Meine Beiträge in der Wikipedia beschränken sich daher auf die Berichtigung von Rechtschreibfehlern, toten Links oder andere Marginalien (welche auch schon mal vom Nutzer »Aschmidt« freigegeben wurden). 🙂

    Bei Artikeln wie dem angesprochenen erscheint es zudem nicht unwahrscheinlich, dass man sich in ideologisch gefärbte Grabenkämpfe begeben muss. Und dafür fehlt mir derzeit einfach das nötige Nervenkostüm. 😉

    1. Kann ich gut verstehen, je länger ich den Blick auf die Probleme in dem System lenke. Es ist leider so. Aber ich mache weiter mit – und ich sichte auch gerne gute Beiträge von Neulingen oder von IPs. 😉

  4. Ich sage mal voraus: Entweder die de.wikipedia nähert sich in den nächsten 5 Jahren der en-Version an. Oder sie führt „Bearbeitung nur nach persönlicher Authentifizierung“ ein.

    1. Letzteres wäre positiv. Viele Anfänger sind frustriert, weil sie nicht verstehen, weshalb eine Bearbeitung von ihnen zurückgesetzt worden ist, man kann sie aber auch nicht erreichen, um es ihnen zu erklären, wenn sie nicht angemeldet sind. Es wäre m.E. auch konsequent, denn mit der Offenheit von „Jeder kann mitmachen“ ist es schon heute schlecht bestellt, aus einer Reihe von Gründen. 😦

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