Show auf Abruf II

von schneeschmelze

Der Hessische Rundfunk hat vergangene Woche im Dritten Programm zwei Diskussionen zur bevorstehenden Landtagswahl gesendet. Eine mit den Spitzenkandidaten der Linken, Grünen und der FDP und eine mit jenen von SPD und CDU. Beide Sendungen wurden nicht live übertragen, sondern jeweils am gleichen Nachmittag aufgezeichnet und dann am Abend zeitversetzt ausgestrahlt. Währenddessen wurde dazu aufgerufen, das Geschehen auf dem Sender über Twitter und in einem Chat auf der Website des hr zu kommentieren. Wer den Hashtag #hrwahl verfolgte, sah aber bald, daß hier fast nur Parteimitglieder aktiv waren. Es kam nicht zum sogenannten Second screen, es entstand keine allgemeine Diskussion, sondern es gab diesmal eine veritable Show auf Abruf, die zudem sehr überschaubar blieb.

Die Parteien boten ein virtuelles Potemkinsches Dorf dar, und der hr tat alles, um das zu kaschieren, indem nach der Sendung ausgewählte Tweets vorgestellt und nacherzählt wurden, als wären sie von x-beliebigen Twitter-Usern abgesetzt worden. Hier wurde Politik im Internet inszeniert und anschließend in einer weichgespülten Form für Außenstehende vorgeführt – im doppelten Wortsinn.

Was für eine langweilige Geschichte. Kann man das Desinteresse an der Wahl noch deutlicher demonstrieren? Journalismus als Stichwortgeber für ein Online-Scheingefecht, in dem die Parteien sich selbst in Szene setzen und nachdrücklich darauf hinweisen, daß es sie noch gibt, bei dem aber sonst keiner mehr mitmachen will? Eine sehr bedenkliche Entwicklung, für die Politik und für den öffentlich-rechtlichen Journalismus.