Die Selbstgedruckten

Dörte Böhner beschäftigt sich mit der Flüchtigkeit der selbstverlegten Literatur, die den Weg in die Bibliotheken und oft auch nicht mehr in die Nationalbibliotheken schafft, weil sie – außerhalb der etablierten Vertriebswege über die Verlagshäuser – unterhalb der Wahrnehmungsschwelle bleibt.

Ich glaube, die meisten Autoren, die im Selbstverlag publizieren, denken gerade nicht an die eingefahrenen Vertriebswege Verlag oder Bibliothek, sondern wollen ausdrücklich ihre Leser direkt erreichen. Vielfach veröffentlichen sie open access und bieten ein gebundenes Exemplar oder pdf/epub für diejenigen an, die längere Texte lieber gesetzt gedruckt und gebunden oder für einen speziellen Reader haben möchten. Die Bibliothek kommt in diesem Konzept gar nicht mehr vor. Wenn die Nationalbibliotheken solche Texte also nicht sammeln, gehen sie tatsächlich langfristig immer mehr verloren.

Ein konkretes Beispiel: Ich habe gerade ein eigenes wissenschaftliches Projekt begonnen, das in etwa fünf Jahren abgeschlossen sein wird, und ich gehe nicht davon aus, daß dieser Text in herkömmlichen Bahnen vermarktbar sein wird. Das wird, wenn überhaupt, ein print on demand werden. Ich habe auch gar kein Interesse daran, in die etablierten Zeitschriften oder Schriftenreihen hineinzukommen, die voller langweiliger Dissen und Habilschriften und sonstiger Ergüsse sind, sondern sehe mich damit außerhalb des etablierten Wissenschafts- und eben auch Bibliotheksbetriebs.

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2 Kommentare zu „Die Selbstgedruckten“

  1. So etwas ging mir auch schon mal durch den Kopf. Dabei sollte man überlegen, welches Ziel man letztlich mit so einem Projekt verfolgt. Auf jeden Fall ist es etwas, was man aus Liebe zur Sache tut, soviel steht fest.

    Aber im Zweifel möchte man das Resultat seiner Arbeit doch der Öffentlichkeit präsentieren, und sei die Zahl der potentiell an dem Thema Interessierten auch noch so klein. Und da wäre an eine sorgfältig gestaltete Internetseite anstatt eines selbstverlegten, gedruckten Buches zu denken. Den Inhalt des gedruckten Buches nimmt nur der zur Kenntnis, der sich der Mühe unterzieht, selbiges zu kaufen (wenn es über die Schiene der Bibliotheken nicht verfügbar ist). Eine Seite im WWW hingegen ist universell und jeder Zeit verfügbar, über archive.org bzw. ähnliche Projekte in der Zukunft sogar für einen längeren Zeitraum (ich verkneife es mir: „für die Ewigkeit“ zu schreiben).

    Ich habe auf diese Weise schon des öfteren wirklich wunderbar gestaltete Seiten zu exotischen Randthemen gefunden, die sogar von Wikipedia zitiert werden; zum Teil sind diese Seiten nur noch auf archive.org vorhanden.

    1. Man muß es von zwei Seiten her sehen: Wir haben beide die Perspektive des Autors eingenommen. Denken wir an den Leser bzw. an denjenigen, der zu einem Thema recherchiert. Der Anteil der Literatur, die an den Bibliotheken – und damit auch an den Bibliothekskatalogen – vorbeilaufen, wird immer größer werden. Das heißt, es wird schon bald nicht mehr ausreichen, über deren Kataloge zu recherchieren. Wenn ich über die Nationalbibliotheken gehe, finde ich zumindest diejenigen Titel, die eine ISBN bekommen haben (die kostet über epubli knapp 20 Euro plus Verfügbarkeit in Print und EPUB). Aber ohne Suchmaschinen geht es endgültig nicht mehr. Ich denke auch, daß es sinnvoll sein wird, eine Website zu bauen und den gesamten Text damit indexierbar ins Netz zu stellen. PDF und EPUB als Zusatzangebot.

      Die Bibliotheken beschäftigen sich ja nur deshalb nicht mit den Selbstverlagen, weil sie weiterhin an den kommerziellen Lösungen hängen – Verlage und Onleihe. Tententiell rechne ich mit einem Bedeutungsverlust für die Bibliotheken, wenn das so bleiben sollte.

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