„NOK. Ein Ursprung afrikanischer Skupltur“ im Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main

von schneeschmelze

Nok sculpture Louvre 70-1998-11-1 Man schaut sich ja eher Neueres an, wenn man ins Museum geht. So alte Sachen, also so ganz alte Sachen – älter als die „Alten Meister“ – sehr viel älter, Eisenzeit in Westafrika, in Nigeria, um genau zu sein – sieht man selten. Dabei steht mindestens eine Nok-Skulptur sogar im Pariser Louvre (siehe die nebenstehende Abbildung). Und jetzt also eine Ausstellung rund um die Nok-Kultur im Frankfurter Liebieghaus, verlängert bis in den März 2014, danach gehen die Stücke zurück nach Nigeria.

Nok-Skulpturen sind begehrt, es gibt einen (schwarzen) Markt für sie, und sie werden nachgemacht – was man den Duplikaten aber deutlich anmerkt. Mit Ausnahme dreier solcher Fakes sind es allesamt echte Stücke in der Ausstellung des Liebieghauses, die der Frankfurter Archäologe Peter Breunig und sein Team bei Ausgrabungen in Nigeria in einem beneidenswert langfristig angelegten DFG-Projekt gefunden und wiederhergestellt hat: Rekonstruiert wurden die Terrakotten aus vielen, teilweise weit verstreut aufgefundenen Tonscherben.

Man geht davon aus, daß die Skulpturen weggeworfen und absichtlich zerstört wurden, vielleicht weil man sich vorstellte, daß ein Fluch auf ihnen laste, so daß man sie loswerden und sicher zerstören wollte. Jedenfalls sind sie die einzigen Zeugnisse, die von dieser alten Kultur überliefert sind: Keine Schrift, keine weiteren Werkzeuge, nur die Terrakotten sind übrig geblieben. Aus ihnen wird versucht, Rückschlüsse auf die Lebensweise der Menschen damals zu ziehen – was naturgemäß mehr oder weniger überzeugend gelingt.

Die Werke berühren durch ihre Menschlichkeit. Bedenkt man die handwerklichen Beschränkungen, so sind sie ausgesprochen kunstvoll ausgeführt. Einige der Skulpturen sind wirklich wunderschön und können auch neben der alten ägyptischen und griechischen Kunst mit zumeist vergleichbarem Alter aus der Sammlung des Liebieghauses, der sie gegenübergestellt werden, mühelos bestehen. Gleichzeitig werden die Nok-Skulpturen aber nicht von der Sammlung vereinnahmt. Breitformatige Fotos von der Landschaft, in der sie gefunden wurden, lassen den Blick über weitgezogene Berge und Täler gleiten und zeigen ein fremdes und einladendes Land. Diese Eindrücke werden vertieft durch Filme, die eine Fahrt vom Geländewagen aus aufgenommen durch diese weite Gegend zeigen. Im Untergeschoß kann man dazu auch Tonaufnahmen von den Ausgrabungen hören. In dem Dokumentarfilm erkennt man Skulpturen wieder, die man zuvor in der Ausstellung gesehen hatte.

Es ist eine eindrückliche Schau, fernab des etablierten Ausstellungsbetriebs, deren Besuch unbedingt zu empfehlen ist. Schade nur, daß das Liebieghaus die Führung durch die Ausstellung mittwochs um 17 Uhr angesetzt hat – nur eine Stunde vor der Schließung. Andere Besucher, die an der Führung teilgenommen hatten, mußten direkt aus ihr heraus das Haus verlassen. Merkwürdig. Genauso hatten wir uns das schon vorgestellt, deshalb führten wir uns selbst, gecoacht durch die Projekt-Website, Britannica, Wikipedia und mithilfe von Filmen auf YouTube – was ohne weiteres möglich ist. Auch die Wandtexte sind umfangreich und gehaltvoll gestaltet.

NOK. Ein Ursprung afrikanischer Skulptur. Liebieghaus Skulpturensammlung. Frankfurt am Main. Kurator: Vinzenz Brinkmann. Architektur: Karsten Weber. Bis 23. März 2014. – Die abgebildete Skulptur wurde im Louvre photographiert, sie ist in der Ausstellung nicht zu sehen. Das Bild von Benutzer:Jastrow wurde ausgewählt, weil es auf Wikimedia Commons frei zur Verfügung steht. Es soll einen generellen Eindruck von der Kunst der Nok vermitteln.