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von schneeschmelze

Es gibt Meldungen, bei denen man merkt, daß man alt wird. Nicht „älter“, sondern alt. Jonathan Schell ist gestorben. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in den 1980er Jahren sein Buch „Das Schicksal der Erde“ gelesen habe. Es stand noch lange in meinem Regal; bis zu meiner großen Zeitenwende Ende der 1990er Jahre, als es nicht mitging auf die große Reise. Bertelsmann-Ausgabe. Ein himmelblauer Umschlag mit einem großen schwarzen Punkt darauf, schräg nach oben gezogen der Titel. In dem Buch ging es um Atomrüstung und Atomkrieg. Und die Friedensbewegung gab es damals auch. Große Demonstrationen, also wirklich große. Nicht nur virtuell im Internet, sondern richtig, auf der Bonner Hofgartenwiese war die größte. Und wir waren sehr politisch, natürlich wählte ich grün, was sonst? Die Welt war geteilt in links und rechts, in Ost und West, oben und unten, arm und reich. Ost und West war eine Weile lang nicht mehr im Angebot, ist jetzt aber wieder aktuell geworden. Arm und Reich gibts immer noch; dafür haben sie gesorgt, nicht nur die Rechten. Die FAZ erinnert in ihrer Mittwochausgabe daran, daß Kurt Biedenkopf damals den Klappentext zu dem Buch von Schell schrieb. Piper-Verlag. Von Biedenkopf hat man ja – sehr zu Recht – auch schon lange nichts mehr gehört. Namen, mit denen damals die Zeitungen gefüllt wurden, die immer wieder in den Nachrichten genannt wurden, so daß sie nachklingen, jahrzehntelang. Waren die wichtig? Und heute: Eine Randnotiz im Feuilleton auf Seite 12 unten rechts.