Diaspora ade

von schneeschmelze

Nachdem ich bereits im Jahr 2010 Facebook verlassen hatte und mich 2012 auch von Xing verabschiedete, war 2013 Twitter an der Reihe. Etwa in diesem Zeitraum muß ich wohl auch meinen Google+-Account geschlossen haben. Darüber hatte ich anscheinend schon gar nicht mehr geschrieben; jedenfalls finde ich dazu keinen Post mehr. Heute habe ich meinen letzten noch verbliebenen Social-Media-Account deaktiviert, den ich vorläufig noch testweise belassen hatte: Auch auf Diaspora bin ich nun nicht mehr zugange. Warum? Ich habe Diaspora ein gutes halbes Jahr lang nicht genutzt, und ich vermisse nichts. Warum erst jetzt? Aus Inkonsequenz. Aber das kann man ja ändern.

Damit geht gleichzeitig ein mehrere Jahre dauerndes Experiment mit den sozialen Netzwerken zuende. Es war eine interessante Zeit, ich habe den Übergang von einem freien Netz, wo wir uns vorwiegend im Usenet und in den Mailinglisten ausgetauscht hatten, hin zu einem jederzeit überwachten, zentralisierten und vollständig durchkommerzialisierten Netz miterlebt. Ich habe den Shift von der Kommunikation zwischen den Netizens in den digitalen Kanälen hin zu Datenkranken und Datenhändlern verfolgt. Das war eine wichtige Erfahrung, denn man muß die Unterschiede zu früher selbst erlebt haben, um ermessen zu können, welche Chancen dabei über die Jahre Schritt für Schritt verlorengegangen sind. Die Geschäftemacher haben den Cyberspace übernommen, und die breite Masse, die sich dort jetzt bewegt, meint, das wäre das Netz. Aber es ist nur die Erfahrung der Lemminge.

Geblieben sind ein paar Test-Accounts, die ich benötige, um mich über die Entwicklung auf den kommerziellen Plattformen zu Schulungszwecken auf dem laufenden zu halten, sowie mein Blog, und natürlich werde ich mir darüber Gedanken machen, ob es noch angezeigt ist, es bei einem hosted service zu belassen oder in Zukunft selbst zu betreiben. In der letzten Zeit neige ich eher zu letzterem, aber das eilt nicht.

Wichtig ist, auf den Wandel im Netz zu reagieren und beweglich zu bleiben. Jederzeit gehen zu können, wenn der Steuermann ruft – und tatsächlich zu gehen, wenn es soweit ist. Beim Anblick dieses digitalen Biedermeiers frierts mich vor Gemütlichkeit. Wie bin ich froh, daß ich weg bin!