WordPress.com im Classic-Modus

Die Unzufriedenheit über das Herumschrauben an der Oberfläche bei WordPress.com hält nun schon seit dem vergangenen Sommer an. Die Support-Foren von WordPress.com sind voll von Klagen der Benutzer darüber, zumal nach dem unsäglichen neuen Post-Editor jetzt auch noch die Blog-Statistik auf ein iPad-genehmes Mäusekino-Format zurechtgestutzt worden ist.

Auf meine Anfrage hin, wie man das abschalten könne, wurde mir zunächst erklärt, das gehe gar nicht mehr. Auf weitere Nachfrage hin: Mein Wunsch werde an die Entwickler herangetragen. Bis die Benutzerin timethief dankenswerterweise nähere Informationen und bookmarkbare Links zu den gewünschten Seiten zusammenstellte, die ich hiermit weitergebe.

Wer also weiterhin beim Bloggen das klassische WordPress-Interface verwenden möchte, versehe sich entweder mit einer eigenen WordPress-Installation (mittlerweile Standard bei vielen Webspace-Providern) oder bleibe bei WordPress.com und befolge diese Ratschläge:

  • Der Weg zum Dashboard, das WordPress.com immer mehr vor den Benutzern versteckt, führt über den Menüpunkt WP Admin.
  • Der normale WordPress-Post-Editor wird standardmäßig gar nicht mehr angezeigt. Man kann ihn nur noch erreichen, indem man aus dem neuen Post-Editor zum Classic mode umschaltet. Dieser Umweg ist nicht zu umgehen. Das Cookie, das dabei gesetzt wird, sorgt dann dafür, daß bei den nächsten Aufrufen der normale Editor erscheint.
  • Die bekannte Statistikseite findet man weiterhin unter https://wordpress.com/my-stats/.
  • Eine Übersicht über die Benachrichtigungen gibt es auf https://wordpress.com/notifications/.

Die bekannten Funktionsseiten sind also weiterhin vorhanden, sie sind nur über die Oberfläche von WordPress.com nicht mehr direkt anklickbar. Man muß sie als Bookmarks aufrufen oder erst ein Cookie dafür setzen lassen – eine Bevormundung des Users, denn so etwas sollte als Opt-in ausgeführt werden. Zumindest sollte es die Möglichkeit geben, das alles wieder abzuschalten, um die übliche WordPress-Oberfläche verwenden zu können.

Ich fühle mich auf einmal so alt.

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Hintergründiges zu Open Access

In zwei Beiträgen in meinem Feedreader wird die Diskussion über Open Access wieder aufgegriffen: Martin Ballaschk schreibt in den SciLogs über einen skurillen Vorgang aus der Welt der Wissenschaftsverlage: Das Haus Elsevier habe Ross Mounce zufolge einen Aufsatz, der ursprünglich bei Wiley unter einer CC-by-nc-nd-Lizenz als Open Access veröffentlicht wurde, über seine Plattform ScienceDirect verkauft (sic!). Man fragt sich, wie dieser dazu kam, dafür Geld auszugeben, und ich vermute, es steckte wohl ein Fehler im System dahinter, wenn man es so nennen möchte. Und die Aufgeregtheit, die hier inszeniert wird, wirkt auch gespielt.

Aber was für ein System ist das denn? Ballaschk weiß: Wissenschaftliche Verlage haben üblicherweise Gewinnmargen jenseits von 35% und zählen damit zu den profitabelsten Industrien, weit entfernt von der Pharma- oder Ölindustrie oder Apple. Elsevier und Wiley haben mit Sicherheit genug Geld, um etwa den reibungslosen Transfer von Lizenzen sicherzustellen, und zwar dauerhaft. Zur Not muss man dafür dann ein oder zwei Personen zusätzlich einstellen. … Dabei verspricht der internationale Trend zu Open Access eine Goldgrube für die Verlage zu werden. Die Autoren bezahlen meistens tausende Euro für jede Veröffentlichung, ein steter Strom an neuen Veröffentlichungen finanziert Kosten für Server, Layout, Software-Aktualisierungen und den Hausmeister. Der Inhalt der Arbeit selbst wurde über die Forschungsförderung bereits vom Steuerzahler finanziert, und Wissenschaftler übernehmen unentgeltlich Begutachtung, Fehlerkorrektur, Lektorat, Bildredaktion und Koordinationstätigkeiten.

Das mit der Goldgrube Open Access bestreitet wiederum Uwe Jochum, und zwar schon länger. Er meint, die Digitalisierung und Archivierung der Arbeiten sei teurer als bisher eingeschätzt, die Kosten würden dabei nur auf einen anderen Träger verschoben, nämlich auf den Betreiber des jeweiligen Servers, auf dem die Arbeit liegt. Das sei zumindest wenn die Arbeiten auf einem öffentlichen Server lägen nicht billiger als über die Verlage zu gehen. Darauf weist Günter K. Schlamp hin – der aber gleichzeitig einen Beitrag von Lambert Heller aus dem Jahr 2012 zitiert, in dem zehn echte Vorteile von Open Access genannt werden, die auch ich allesamt unterschreiben würde.

Schlamp erwähnt, verlinkt aber leider nicht die Kontroverse zwischen Matthias Spielkamp und Uwe Jochum, die sich vor sechs Jahren im immateriblog zutrug. Jochum focht auch damals schon mit dem Florett. Wiedergelesen, ein merkwürdiger Diskurs, der aber ebenfalls viel von den Hintergründen und den Emotionen zeigt, die bei dem Thema immer noch im Spiel sind.

Das Internet Archive respektiert die robots.txt nicht mehr

Mehr durch Zufall bemerke ich, daß die Wayback Machine des Internet Archive die .htaccess die robots.txt-Datei nicht mehr befolgt. Anscheinend handelt es sich dabei immer noch um ein probates Mittel, um Suchmaschinen von bestimmten Seiten einer Website fernzuhalten. Sie weisen die darin markierten Seiten bei Suchanfragen in der Regel weiterhin nicht nach. Aber dann findet man sie am Ende doch im Internet Archive wieder, zwar immer noch nicht recherchierbar, aber doch akkurat archiviert für alle Zukunft.

Das war schon mal anders. Kurios dabei: Auch früher nicht im Archiv auffindbare Seiten werden mittlerweile anstandslos nachgewiesen. Wayback, eben. Das Netz verliert nichts.

Die Arbeitsweise solcher Archive wird also mitunter auch nach Jahren und nachträglich noch geändert. Nachdem die meisten Diensteanbieter schon von der Wayback Machine nichts wissen, werden sie erst recht nicht auf die Idee kommen, daß ihre schon lange offline genommenen Daten doch noch irgendwo abrufbar sind, und zwar auch diejenigen, die bisher von der automatischen Archivierung ausgeschlossen waren. Hat der Crawler zugegriffen, ist im Zweifel immer von einem Vollarchiv auszugehen. Und der Graben zwischen Amerika und Europa, was den Respekt vor der Privatsphäre und den Datenschutz angeht, wird immer tiefer, je näher sie sich sind.