Hintergründiges zu Open Access

von schneeschmelze

In zwei Beiträgen in meinem Feedreader wird die Diskussion über Open Access wieder aufgegriffen: Martin Ballaschk schreibt in den SciLogs über einen skurillen Vorgang aus der Welt der Wissenschaftsverlage: Das Haus Elsevier habe Ross Mounce zufolge einen Aufsatz, der ursprünglich bei Wiley unter einer CC-by-nc-nd-Lizenz als Open Access veröffentlicht wurde, über seine Plattform ScienceDirect verkauft (sic!). Man fragt sich, wie dieser dazu kam, dafür Geld auszugeben, und ich vermute, es steckte wohl ein Fehler im System dahinter, wenn man es so nennen möchte. Und die Aufgeregtheit, die hier inszeniert wird, wirkt auch gespielt.

Aber was für ein System ist das denn? Ballaschk weiß: Wissenschaftliche Verlage haben üblicherweise Gewinnmargen jenseits von 35% und zählen damit zu den profitabelsten Industrien, weit entfernt von der Pharma- oder Ölindustrie oder Apple. Elsevier und Wiley haben mit Sicherheit genug Geld, um etwa den reibungslosen Transfer von Lizenzen sicherzustellen, und zwar dauerhaft. Zur Not muss man dafür dann ein oder zwei Personen zusätzlich einstellen. … Dabei verspricht der internationale Trend zu Open Access eine Goldgrube für die Verlage zu werden. Die Autoren bezahlen meistens tausende Euro für jede Veröffentlichung, ein steter Strom an neuen Veröffentlichungen finanziert Kosten für Server, Layout, Software-Aktualisierungen und den Hausmeister. Der Inhalt der Arbeit selbst wurde über die Forschungsförderung bereits vom Steuerzahler finanziert, und Wissenschaftler übernehmen unentgeltlich Begutachtung, Fehlerkorrektur, Lektorat, Bildredaktion und Koordinationstätigkeiten.

Das mit der Goldgrube Open Access bestreitet wiederum Uwe Jochum, und zwar schon länger. Er meint, die Digitalisierung und Archivierung der Arbeiten sei teurer als bisher eingeschätzt, die Kosten würden dabei nur auf einen anderen Träger verschoben, nämlich auf den Betreiber des jeweiligen Servers, auf dem die Arbeit liegt. Das sei zumindest wenn die Arbeiten auf einem öffentlichen Server lägen nicht billiger als über die Verlage zu gehen. Darauf weist Günter K. Schlamp hin – der aber gleichzeitig einen Beitrag von Lambert Heller aus dem Jahr 2012 zitiert, in dem zehn echte Vorteile von Open Access genannt werden, die auch ich allesamt unterschreiben würde.

Schlamp erwähnt, verlinkt aber leider nicht die Kontroverse zwischen Matthias Spielkamp und Uwe Jochum, die sich vor sechs Jahren im immateriblog zutrug. Jochum focht auch damals schon mit dem Florett. Wiedergelesen, ein merkwürdiger Diskurs, der aber ebenfalls viel von den Hintergründen und den Emotionen zeigt, die bei dem Thema immer noch im Spiel sind.