Archiv der Kategorie: Aelterwerden

Aus gegebenem Anlaß

When forty winters shall besiege thy brow,
And dig deep trenches in thy beauty’s field,
Thy youth’s proud livery, so gaz’d on now,
Will be a tatter’d weed, of small worth held;
Then being ask’d where all thy beauty lies,
Where all the treasure of thy lusty days,
To say, within thine own deep-sunken eyes,
Were an all-eating shame and thriftless praise.
How much more praise deserv’d thy beauty’s use,
If thou couldst answer ‚This fair child of mine
Shall sum my count, and make my old excuse,‘
Proving his beauty by succession thine!
   This were to be new made when thou art old,
   And see thy blood warm when thou feel’st it cold.

Shakespeare verwendet in seinem zweiten Sonnett eine Kriegsmetapher („dig deep trenches“), um den Kampf der übermächtigen („forty winters“) Zeit gegen die Jugend zu beschreiben. Die Zeit erkläre der Jugend gleichsam den Krieg und durchziehe das „Feld“ der Schönheit gnadenlos mit tiefen Gräben, die alles Schöne verloren gehen ließen. Die Zeit sei ein übermächtiger Belagerer, je länger sie dauere, desto mächtiger (zahlreicher) werde sie. Das Älterwerden als Stellungskrieg. Dessen Wirkung ist unausweichlich. Trost hiergegen verspreche allein die Fortpflanzung, die Freude über die gedeihende Nachkommenschaft, in der das Schöne, an das man sich aus dem eigenen Leben erinnere, weiterlebe. So könne man älter werden und schließlich sterben („when thou art old,| … when thou feel’st it cold“). Was für ein merkwürdiges Bild.