Archiv der Kategorie: Gesetzliche Rentenversicherung

Ein wirkliches Interesse

„… Guido Westerwelle spricht mit seinem ‚Leistung muss sich wieder lohnen‘ also weder etwas Neues noch etwas Sinnvolles aus, sondern ruft ein Weltbild ab: Mein finanzielles Interesse in einem Nicht-Satz verpackt, der nur als Maske getragen werden kann, mit dem man in den öffentlichen und halb-öffentlichen Räumen kenntlich ist… ein wirkliches Interesse beispielsweise, das in einer demokratischen und sozialstaatlichen Öffentlichkeit nicht benannt werden darf…“ (aus: Markus Metz, Georg Seeßlen: Blödmaschinen. Die Fakrikation der Stupidität. Edition Suhrkamp, es 2609. Berlin 2011. Seite 13 f.)

„Wer privat vorgesorgt hat, der muss im Alter mehr Einkommen haben als die Grundsicherung und mehr als derjenige, der nicht vorgesorgt hat“ (aus: Kerstin Schwenn: Rentenkonzept. „Gut gemeint, aber nicht die Kompromisslösung“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. Oktober 2012.

Wohlgemerkt: Es geht bei dem zuletzt zitierten Satz – er soll von „14 jungen Abgeordneten“ von CDU und FDP stammen, was glaubhaft ist – darum, daß der Staat eine Benachteiligung von bereits Benachteiligten noch weiter verschärfen und für deren Alter zementieren soll. Wer nicht „vorgesorgt“ hat, ist nämlich in der Regel zu arm dazu. Er ist typischerweise so arm, daß er keine Ersparnisse für den Sankt-Nimmerleins-Tag bilden kann, an dem er möglicherweise in Rente gehen würde, wenn er das dazu erforderliche Lebensalter erreichen täte und wenn er dementsprechende Ansprüche gegen einen Rentenversicherngsträger hätte. Man kann die Ansicht der „14 jungen Abgeordneten“ daher mit Fug und Recht als Diskriminierung bezeichnen, als ein „wirkliches Interesse“ der Reichen, die verstanden haben, daß es sich bei der Reichtumsverteilung um ein Nullsummenspiel handelt und die der Ansicht sind, daß sie immer noch nicht genug hätten. Als „ein wirkliches Interesse…, das in einer demokratischen und sozialstaatlichen Öffentlichkeit nicht benannt werden darf“, weil sonst jeder, der noch einigermaßen bei Verstand ist, weiterzudenken begänne und Schlüsse daraus zöge, die dieser weiteren Reichtumsanhäufung entgegenständen und sie beeinträchtigen könnten. Sie beeinträchtigen sollten. Sie verhindern und umkehren müssten.

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Nachdenken über das Drachenwesen V

Heute erneut mit mehreren Drachen gekämpft. Erfreulich die große Distanz der in Berlin beheimateten Ungeheuer, die sich hinter „Doktoren“ verschanzten, die so wichtige Persönlichkeiten wären, daß auch ich mit ihnen nicht verbunden werden könne, ja nicht verbunden werden dürfe, obwohl ich ja selbst so einer sei. Der Widerspruch konnte bis zum Ende des Gesprächs nicht aufgelöst werden. Mit einem Rückruf rechne ich nicht. Bürokratische Drachen speien kein Feuer, sondern Papier. Vergiftetes Papier.