Archiv der Kategorie: Kultur

„Der Autor: Das bin ich.“ – Uwe Timms zweite Frankfurter Poetikvorlesung

Zweimal unterbrach Uwe Timm an diesem Abend spontan seinen Vortrag. Einmal, gleich zu Anfang, um tief Luft zu holen wegen der „amazonischen“ Luftfeuchte in dem wiederum sehr gut gefüllten Hörsaal VI der Frankfurter Universität. Das zweite Mal, um seine sehr sorgfältig formulierten Ausführungen noch weiter zu präzisieren: „Der Autor“, dessen Haltung er da die ganze Zeit schon in der dritten Person beschreibe, „der Autor: Das bin ich. Andere arbeiten ganz anders.“

„Im Anfang war die Tat!“, zitiert Timm auch diesmal [1] eingangs einen Klassiker (Faust I, 1237), um sich im folgenden dann aber seinen eigenen Texten zuzuwenden und – um im Bilde zu bleiben – sozusagen über das Verhältnis von Dichtung und Wahrheit in seinem Werk Auskunft zu geben.

Nicht alles, was ein Schriftsteller erzählt, ist erfunden, es ist aber umgekehrt auch nicht alles wahr, was in den Büchern steht. Im Falle von Uwe Timm, so erfahren wir, spielen Erinnerungen eine wichtige Rolle beim Schreiben.

Erinnerungen an und Erfahrungen in der Kindheit waren es, die er in seinem Roman „Der Mann auf dem Hochrad“ verarbeitet habe, den er ursprünglich als „Legende“ bezeichnet hatte. Und in dem Roman „Rot“, der von einem „Grabredner für ehemalige 68er und andere Atheisten“ handelt, habe er zwar eine bestimmte Person vor Augen gehabt, die er zum Protagonisten der Erzählung machte. Was dieser Person dann aber im weiteren in der Geschichte wiederfuhr, ergebe sich aus der kreativen Arbeit mit dem Material, das er verwendet habe. Tatsächliche und erfundene Begebenheiten, Erinnerungen an Erlebnisse, die mehr oder weniger fern in der Vergangenheit lägen, und spontane Einfälle flössen beim Schreiben ineinander und bildeten so insgesamt die Geschichte, die sich auch im Laufe der Zeit entwickeln könne.

Uwe Timm hat demnach beim Schreiben keinen Arno-Schmidtschen Zettelkasten zur Hand, und er betreibt auch keine Recherche und Sammlung von mehr oder minder ausgefallenen Szenen, wie man es von Wilhelm Genazino hört. Wie bereits erwähnt: „Andere arbeiten ganz anders.“

Übrigens habe er bei Lesereisen nach Italien und nach Großbritannien erfahren, daß die Tätigkeit des Trauerredners dort praktisch unbekannt sei. Clubs, Freunde, bis hin zu politischen Parteien übernähmen diese Funktion dort, nicht aber ein Fremder, Außenstehender, der den Verstorbenen gar nicht gekannt habe und der sich deshalb auch nicht als Teil der Trauergemeinde wie diese und mit ihr unmittelbar an den Toten erinnern könne. Auch dies ein wichtiger Einblick in die kulturelle Bedingtheit der literarischen Produktion.

Uwe Timm ist nach eigenem Bekunden einer der wenigen deutschen Schriftsteller, die von ihrer Arbeit gut leben können. Angesichts des großen und aufrichtigen Interesses, das seiner Frankfurter Vorlesung entgegengebracht wird, glaubt man dies gerne. Timm trägt konzentriert und sicher vor, man kann seiner Rede deshalb gut folgen. Wie auch in früheren Jahren schon, will auch diesmal so gut wie niemand das Angebot annehmen, die Live-Videoübertragung in dem darunterliegenden gut gekühlten Hörsaal V zu verfolgen, auf den schon Walter Jens bei seiner Gastdozentur im Jahre 1992 sein Publikum immer wieder humorvoll aufmerksam gemacht hatte.

Der Strom von etwa 600 Hörern verläßt langsam das Hörsaalgebäude. Wer einen Schirm dabei hat, tritt in den Frankfurter Regen hinaus, wie vor einer Woche schon. Es ist kühl geworden.

Gleichzeitig veröffentlicht in der Freitag Community am 16. Juni 2009 unter dem Titel: „‚Der Autor: Das bin ich.‘ – Uwe Timms zweite Poetikvorlesung“. – Zur ersten Vorlesung vgl. den Blog-Beitrag: „Uwe Timm über den gläubigen Leser“ vom 9. Juni 2009.

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Briefwechsel Schiller-Goethe live

Wer gerne Blogs liest, kann sich nun neben F!XMBR und Holger Klein die beiden Säulenheiligen der deutschen Klassik in den Feedreader packen und deren „Blog“ – mit etwas zeitlicher Verspätung – lesen. Giesbert Damaschke hat angekündigt, den Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller in einem „Echtzeitblog“ mit einer Verschiebung von exakt 215 Jahren veröffentlichen zu wollen. Textgrundlage ist die „zweite, nach den Originalhandschriften vermehrte Ausgabe“ des Briefwechsels von 1856, die bei Google Books online betrachtet oder als PDF-Datei heruntergeladen werden kann. Das Projekt ist heute mit der Veröffentlichung des Vorworts und der Widmung Goethes an den König von Bayern gestartet. Ab Samstag, dem 13. Juni 2009, folgen die Briefe in der Reihenfolge und mit dem zeitlichen Abstand, in dem sie ursprünglich verfaßt worden waren.

Das Projekt erinnert damit insgesamt an den Sekundenstil des Naturalismus, der bekanntlich Erzählzeit und erzählte Zeit zur Deckung bringen wollte. Das Lesen des Textes sollte genausolang dauern wie die Abläufe, die in dem Text geschildert werden. Hier kann der Leser den Schriftwechsel in derselben Zeitspanne nacherleben, in der er seinerzeit sich entwickelte.

Damaschke hat Erfahrung mit literarischen Langzeitprojekten im Internet. Seit 11 Jahren schon betreibt der Journalist und Autor aus München die Arno-Schmidt-Mailingliste, die mit derzeit fast 600 Teilnehmern ganz sicherlich eine der ältesten und gleichzeitig lebendigsten Mailinglisten zur deutschen Literatur ist. Derzeit habe er alle Briefe bis zum Februar 1795 (=2010) erfaßt. Wenn er bis zum Ende durchhielte, müßte der letzte Brief im Jahre 2020 im Blog erscheinen.

Gleichzeitig veröffentlicht am 12. Juni 2009 in der Freitag Community.

Uwe Timm über den gläubigen Leser

Ein gelungener erster Satz bietet ebensowenig die Garantie für einen guten Roman wie ein mißlungener Anfang mit Notwendigkeit das Scheitern des nachfolgenden Textes zur Folge hätte, resümierte Uwe Timm die erste seiner vier Poetikvorlesungen an der Frankfurter Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, die „Von Anfang und Ende“ handeln.

Zuviel kann sich nach dem Anfang noch ereignen, im Leben wie in der Literatur. Und nie ist eine Geschichte wirklich zuende. Man sieht es an der Geschichte der Studentenbewegung, deren Zeitzeuge und deren Chronist Uwe Timm gewesen ist. Er betont es gleich zu Anfang seines Vortrags: Die Geschichte der Studentenbewegung müsse nicht neu geschrieben, sie müsse nur kritisch ergänzt werden, jetzt, nachdem bekannt geworden war, daß der Student Benno Ohnesorg von einem Stasi-Mitarbeiter erschossen worden sei. Es habe sich – bei allen nationalen Besonderheiten – 1968 um eine internationale Bewegung gehandelt, und der Arm der Stasi habe wohl doch nicht bis nach Paris und bis nach Berkeley gereicht.

Timm tritt vor sein Publikum, wie man ihn aus den Medien kennt, in Jeans und Polohemd. Des Jacketts entledigt er sich, weil es nichts schlimmeres gebe, als feuchte Kleidung, jeder Dirigent wisse um deren dämpfende Wirkung, bemerkt er in der leicht stickigen Luft des bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaals VI, dem einstigen Schauplatz der Vollversammlungen an der revoltierenden Frankfurter Universität, der gerne mit dem Prädikat „legendär“ belegt wird, so auch heute abend wieder.

Und dann beginnt Timm, der bekennende Ungläubige, seine in wohlgesetzten Worten gehaltene Vorlesung über das Anfangen mit den ersten Versen der Genesis, denen er später den ersten Satz von Goethes „Wahlverwandtschaften“ gegenüberstellt. Der Leser müsse nicht nur mitdenken, er müsse auch „glauben“, was er lese. Die logische Konsistenz des Texts könne deshalb durchaus dahinstehen, seine Suggestivkraft sei letztlich das Entscheidende: „Eduard – so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter – Eduard hatte in seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags zugebracht, um frisch erhaltene Pfropfreiser auf junge Stämme zu bringen.“ Albert Camus, schließlich, habe in La Peste einen Autor beschrieben, der über den ersten Satz nie hinausgekommen sei. So kann man in Bewegung im Anfang verharren, ohne wirklich stillzustehen.

Der Wandel wird greifbar. Er liegt über der ganzen Veranstaltungsreihe, die, wie der Vizepräsident der Universität zur Einleitung ausführte, zum letzten Mal im alten Hörsaalgebäude auf dem Campus Bockenheim stattfinde. Nächstes Semester werde man die Poetikvorlesungen auf dem neuen Campus Westend durchführen. Und auch der Suhrkamp Verlag, der die Vorlesungsreihe seit ihrer Wiederaufnahme 1979 zusammen mit den Freunden und Förderern der Universität ermögliche, habe trotz seines bevorstehenden Umzugs nach Berlin signalisiert, die traditionsreiche Veranstaltung weiter unterstützen zu wollen.

Vermißt hat man allein den Übertragungswagen des Hessischen Rundfunks, der sonst immer vor dem Hörsaalgebäude stand, um die Vorlesungen aufzuzeichnen. Die Videokamera im Saal diente wohl nur der internen Dokumentation des Abends. Der hr muß bekanntlich sparen. Er ist so arm geworden, daß er sich nicht einmal mehr seinen Mittelwellensender und die darüber ausgestrahlten Ausländerprogramme leisten kann, und auch das eigene Kinderprogramm auf hr2-kultur wird zum nächsten Jahr gestrichen. Vieles hat schon aufgehört, bevor es wirklich anfangen konnte.

Gleichzeitig veröffentlicht in der Freitag Community am 9. Juni 2009.

Ein Lexikon wurde „abgeschaltet“

Ehrlich gesagt, ich hatte schon darauf gewartet: Meyers Lexikon online war also tatsächlich eine Eintagsfliege.

Welches „Produkt“ wird denn als nächstes von heute auf morgen einfach mal „abgeschaltet“? Das Online-Wörterbuch von PONS? Oder die heillos verflashte Britannica?

Die Wikipedia – aber auch andere große freie Projekte wie z. B. Debian – kann kein Konzern einfach „abschalten“. Deren (Quell-)Textkorpus existiert unabhängig von den Besitzverhältnissen weiter, und er kann von jedem nach Maßgabe der Lizenz frei genutzt werden.

Fazit: Ein Signal für freies Wissen, für freie Projekte (über die Freie Software hinaus) und eine Absage an kommerzielle Organisationsformen bei großen kulturellen Netz-Projekten. Was die Medienkonzerne nicht mehr zuverlässig erschaffen und anbieten können, müssen die Bürger eben selbst in die Hand nehmen.

Zuerst veröffentlicht in der Diskussion zu der Meldung „Meyers Lexikon online abgeschaltet“ bei börsenblatt.net am 23. März 2009. Wieder abgedruckt im börsenblatt 13/2009, S. 14. – Der Wortlaut der Verlagsankündigung wurde nachträglich geändert. Dort heißt es jetzt nicht mehr, Meyers Lexikon online sei „abgeschaltet“ worden, sondern: „Meyers Lexikon online wird zum 23.03.2009 eingestellt.“ Im Verlagsblog findet sich aber noch das damalige Posting. – Nur wenige Tage später, am 31. März 2009, kündigte Microsoft an, sein Online-Lexikon Encarta ebenfalls vom Netz nehmen zu wollen.

Blitzlicht auf das Henkerlächeln: Römerberggespräche über das „Theater der Politik“

Die Römerberggespräche sind eine feste Institution im politischen und geistigen Leben der Bundesrepublik. Selbst ein Kind der Bonner Republik, haben sie sich aufgemacht, die Berliner Republik kritisch zu erkunden. Die jährlich durchgeführten Veranstaltungen, ursprünglich im Plenarsaal des Frankfurter Rathauses „Römer“ am „Römerberg“ angesiedelt, sozusagen der „guten Stube“ der Stadt, bezogen in der jüngeren Zeit vielerorts Domizil, man wählte den Veranstaltungsort aber immer sehr sorgfältig aus.

Es war naheliegend, das Thema „Theater der Politik – Die inszenierte Demokratie und ihre Rituale“ im Frankfurter Schauspiel zu diskutieren. „Ahl Männer“ sind es bekanntlich immer noch mehrheitlich, die die Macht innehaben, in Wirtschaft und Politik, und sie legen sich Insignien, Symbole zu, um sich als Mächtige darzustellen und als solche (an)erkannt zu werden. Die Macht wird inszeniert, sie wird in Szene gesetzt.

Weniger von der Sprache der Macht, die doch ein notwendiger Bestandteil der Show ist, die uns jeden Tag über die Massenmedien geboten wird und kaum von den politischen Inhalten war daher die Rede, sondern von der staatstragenden Geste. Von der Anmaßung, mit der Ex-Bundeskanzler Schröder sich in der letzten Neujahrsansprache seiner Amtszeit filmen ließ, vor dem Berliner Reichstag im Hintergrund, so plaziert, daß die neu daraufgesetzte gläserne Kuppel wie eine Art Heiligenschein über ihm erschien. Man könnte es auch für eine Krone halten. Machtbewußt in die Kamera blickend. Oder Schröder, der Kunst- und Künstlerfreund, auch so eine Inszenierung, vor dem abstrakten stürzenden „Adler“ von Baselitz an seinem Schreibtisch sitzend, vieldeutiges Symbol für seinen Umgang mit dem problematischen deutschen Wappentier. Seine Nachfolgerin hat an derselben Stelle ein Porträt Konrad Adenauers hängen lassen, das Kokoschka gemalt hatte. Wie langweilig.

Wolfgang Ullrich führte seinem Publikum mit analytischem Scharfsinn ein Bestiarium der öffentlich praktizierten Heuchelei in sechs Bildern vor, Aufnahmen aus den letzten Jahren, an die man sich mehr oder weniger deutlich erinnert, die aber die Bedeutung des richtigen Blickwinkels und der richtigen Pose im richtigen Augenblick deutlich machen, wenn nämlich das Objektiv des Kameramanns darauf gerichtet ist. Der sonst von sozialer Eiseskälte geleitete Guido Westerwelle kauert da in seiner Berliner Wohnung auf kaltem Fliesenboden verletzlich und demütig wie ein Bettler unter einem Gemälde Norbert Biskys, eine Aufnahme, auf deren Veröffentlichung durch die Berliner Zeitung er – machtbewußt – bestand, sonst hätte er das Interview, das man mit ihm geführt hatte, nicht freigegeben, erzählte Ullrich.

Blitzlicht auf die leere Pose.

„Blitzlicht auf das Henkerlächeln,“ schrieb Enzensberger einst, medienkritisch, aber das ist 50 Jahre her.

Blitzlicht auch auf die martialisch drinblickenden Sicherheitsbeamten des Bundespräsidenten, hinter denen er im dunklen Anzug ganz entspannt lachend sich zeigen kann. Während der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer bei seinem letzten Wahlkampfauftritt in Frankfurt mit einer sehr zurückhaltend inszenierten Security auftrat, wie sich ein Diskutant aus dem Publikum erinnerte.

Braucht eine Demokratie politische Rituale? Braucht der aufgeklärte Mensch diese Show, fragte ein anderer Teilnehmer aus dem Publikum.

Politische Rituale dienten einst dazu, den ständischen Staat, der auf feudalen persönlichen Treueverhältnissen beruhte, zu gründen. Sie fanden an einem bestimmten Ort zwischen und in Anwesenheit von bestimmten Teilnehmern statt. Im politischen Raum. So wurde Macht nicht nur inszeniert, sondern überhaupt erst begründet. Rituale gehörten so schon zur vormodernen Welt, zum „Alten Reich“, das in Deutschland bekanntlich bis ins 19. Jahrhundert hineinreichte. Aber sie waren eben keine bloße Vorführung für die Kamera, um die nächsten Wahlergebnisse hoffentlich zu begünstigen. Barbara Stollberg-Rilinger erinnerte in einem kenntnisreichen Vortrag zum Abschluß der Veranstaltung daran, daß die Französische Revolution das Ritual des Alten Regimes nicht beseitigte, sondern dessen Elemente neu arrangierte. Die Karten wurden neu gemischt, aber die Elemente, aus denen diese Mischung bestand, waren dieselben, auch wenn noch so viele Aristokraten an der Laterne geendet haben mochten, es waren „des Kaisers alte Kleider“, die man auftrug.

Es war eine tiefgründige Auseinandersetung mit dem tagtäglichen Spektakel, das wir frei Haus empfangen können, das bis ins letzte Krankenzimmer live und in Farbe geliefert wird, weltweit. Und auf das die wenigsten verzichten möchten.

Nachdenklich stimmt, was Büchnerpreisträger Martin Mosebach anzumerken hatte. Der Konservative im Kreise der alten 68er, die sich mehrfach an ihren Nachfolgern rieben, wies, geschliffen formulierend, auf den Zusammenhang von Form und Inhalt hin, veranschaulicht an einem greifbaren Beispiel: Geldscheine habe man uns da in die Hand gegeben, auf denen Bauwerke zu sehen sind, die es nirgendwo gibt, weil man kein europäisches Land bei der Gestaltung der Euro-Banknoten bevorzugen oder benachteiligen habe wollen. So sinnentleert wie der Euro, eine bloße Zahl-Einheit, ist auch die Form, in der er daherkommt. Und Mosebach geht, schließlich, davon aus, daß die Verteidigung der Freiheit am Hindukusch durch die Bundeswehr, bei der laufend Menschen sterben, darunter auch deutsche Soldaten, ohne die Schaffung neuer Rituale auf Dauer nicht zu bewältigen, nicht möglich sein wird. Die Demokratie wird allerdings, hier irrt Mosebach, weniger mit der Schaffung neuer Kriegsrituale sich befassen müssen. Sie wird vielmehr darüber zu diskutieren und zu entscheiden haben, ob solche Kriegszüge überhaupt wünschenswert sind.

Die Römerberggespräche sind, wie bereits eingangs erwähnt, schon etwas in die Jahre gekommen, und mit ihnen ist auch ihr Publikum gealtert. Auch wenn das Podium jünger besetzt war, die meisten Besucher der Veranstaltung waren dem Rentneralter nahe oder hatten es bereits überschritten. Die Jüngeren hätten bei dem Thema vielleicht eher an den bis zur Unerträglichkeit staatstragenden Podcast der Bundeskanzlerin gedacht sowie an die sterilen Seiten bei You Tube, mit denen man hierorts meint, Wählerstimmen gewinnen zu können. Kein Wort über angeblich von eigener Hand twitternde Parteivorsitzende und Generalsekretäre, von Sascha Lobo und Co. im Wahlkampf 2.0 beraten, Barack Obamas eingedenk. Der Hoffnungsträger, der gerade entschieden hat, daß die folternden CIA-Agenten nicht bestraft werden sollen. Die Spindoktoren sind am Werk. Ihnen muß man im „Superwahljahr“ auf die Finger schauen.

Zuerst veröffentlicht in der Freitag Community am 26. April 2009 unter dem Titel: „Blitzlicht auf das Henkerlächeln: Römerberggespräche“.