Archiv der Kategorie: Notiz

Yahoo Messenger, 1998–2018

Nach 20 Jahren schließt Yahoo seinen Instant-Messaging-Dienst.

In der Diskussion dazu beschreibt ein Teilnehmer am Heise Forum die Entwicklung:

Als Urgestein würde ich IRC bezeichnen und das lebt immer noch, auch wenn es nicht mehr sehr verbreitet ist.

Sterben tun nicht die Standards, sondern proprietäre Dienst unter Kontrolle einer einzelnen Firma werden abgeschaltet, wenn sie keine Gewinne mehr einfahren. Ein offener Standard ohne zentrale Verwaltung kann nicht abgeschaltet werden. Es können höchstens die Nutzer ausbleiben.

Er empfiehlt Matrix zum Chatten; kann aber noch mehr.

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Einführung in die Digitalpolitik

Über Netzpolitik wird viel gebloggt, es gibt aber kaum systematische Einführungen zum Einstieg in das Thema. Wikimedia Deutschland und irights.info haben zur gerade zuende gegangenen re:publica eine Broschüre aufgelegt, die mit einem Umfang von 100 Seiten einen ersten Überblick über das Thema verschafft. Das Heft steht unter CC-by 3.0 und kann als PDF von Wikimedia Commons heruntergeladen oder bei Wikimedia Deutschland in gedruckter Form bestellt werden.

  • Jaume-Palasí, Lorena, Julia Pohle und Matthias Spielkamp, Hrsg. 2017. Digitalpolitik. Eine Einführung. Berlin: Wikimedia Deutschland e.V. und iRights.international, mit Unterstützung von ICANN. Wikimedia Commons (zugegriffen: 25. Mai 2017).

Das Internet Archive respektiert die robots.txt nicht mehr

Mehr durch Zufall bemerke ich, daß die Wayback Machine des Internet Archive die .htaccess die robots.txt-Datei nicht mehr befolgt. Anscheinend handelt es sich dabei immer noch um ein probates Mittel, um Suchmaschinen von bestimmten Seiten einer Website fernzuhalten. Sie weisen die darin markierten Seiten bei Suchanfragen in der Regel weiterhin nicht nach. Aber dann findet man sie am Ende doch im Internet Archive wieder, zwar immer noch nicht recherchierbar, aber doch akkurat archiviert für alle Zukunft.

Das war schon mal anders. Kurios dabei: Auch früher nicht im Archiv auffindbare Seiten werden mittlerweile anstandslos nachgewiesen. Wayback, eben. Das Netz verliert nichts.

Die Arbeitsweise solcher Archive wird also mitunter auch nach Jahren und nachträglich noch geändert. Nachdem die meisten Diensteanbieter schon von der Wayback Machine nichts wissen, werden sie erst recht nicht auf die Idee kommen, daß ihre schon lange offline genommenen Daten doch noch irgendwo abrufbar sind, und zwar auch diejenigen, die bisher von der automatischen Archivierung ausgeschlossen waren. Hat der Crawler zugegriffen, ist im Zweifel immer von einem Vollarchiv auszugehen. Und der Graben zwischen Amerika und Europa, was den Respekt vor der Privatsphäre und den Datenschutz angeht, wird immer tiefer, je näher sie sich sind.

Wissen als Geschäftsmodell: Die Encyclopædia Britannica

Der Brockhaus hat gerade seinen Vertrieb eingestellt, während sich die Encyclopædia Britannica immer mehr über Online-Werbung finanziert.

Robert Channick von der Chicago Tribune schreibt (via Infodocket), derzeit gebe es etwa 50.000 Abonnenten, die 70 Dollar pro Jahr für den Zugriff zur Britannica zahlten. Hinzu kämen 450.000 Zugänge über distribution partners wie Internet-Provider. Aber die Werbeerlöse nähmen immer weiter zu: 13 Millionen Dollar sollen im laufenden Jahr hereinkommen, 70 Prozent mehr als 2010. Vor zwei Jahren hätten noch 95 Prozent aller Einnahmen von Abonnenten gestammt, heute seien es nur noch drei Viertel.

Im Gegenzug sei die Paywall löchriger geworden. Britannica wird nun auch auf Google nachgewiesen und erhält zunehmend Traffic von dort. Mittlerweile sei die Hälfte aller Inhalte frei zugänglich. Man beschäftige 500 Angestellte weltweit, davon 210 in der Firmenzentrale in Chicago, und man schreibe schwarze Zahlen. Die Zahl der Besucher der Website sei von 4,7 Millionen im September 2012 auf 12 Millionen in diesem Jahr gestiegen.

Auf die Konkurrenz zu Wikipedia angesprochen, wird der Präsident der Britannica, Jorge Cauz, zitiert: „Ich glaube, die Zeit des ‚everything goes‘ ist vorbei. Es wird deutlich, daß auch bei den digitalen Medien Wissen und Bildung keine Demokratie sind. Es gibt einige, die mehr wissen, und die Herausforderung besteht darin, dieses Wissen effizienter zu machen, so daß es viel, viel mehr Leute erreicht. … Wenn die Britannica zu einem Anker im Web wird für alle, die etwas lernen und wissen wollen, kann man mit dieser Marke noch vieles machen. Es kann eine sehr, sehr profitable Plattform werden.“

Das Book-Book beruhigt

Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Lesen am Bildschirm und dem Lesen auf Papier: Wenn ich ein richtiges Buch lese, bin ich ruhiger als wenn ich einen Text auf dem Bildschirm lese. Das ständige Scrollen, Klicken, Nebenannachdermailschauen ist Ablenkung und nimmt mir die Konzentration für den Inhalt, führt mich vom Text weg, statt zu ihm hin. Ist auch Belastung und verhindert das Zurücklehnen und Nachdenken über das Gelesene zu einem guten Teil. Das E-Book regt auf, das Book-Book beruhigt. Es ist gar nicht verkehrt, sich einmal etwas auszudrucken.