Archiv der Kategorie: Sich informieren

Sich informieren V

Um eine Reihe von Beiträgen wieder aufzunehmen: Das sicherheitspolitik-blog, das am Frankfurter Lehrstuhl von Christopher Daase geschrieben wird, berichtet kompetent über jede Menge Fragen aus dem Politikfeld Internationale Beziehungen und Organisationen. Die Autoren sind Politologen des Lehrstuhls, teils Mitarbeiter der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Dort liest man unter anderem, daß Jihadisten „Kuriere mit USB-Sticks„ einsetzten, „die Daten von nicht ans Internet angeschlossenen Rechnern zu anderen nicht ans Internet angeschlossenen Rechnern transportieren.“ Soviel zum Thema Vorratsdatenspeicherung. Die Beiträge des Blogs werden auch auf dem Publikationsserver der UB Frankfurt eingestellt und sind daher z. B. über BASE zu finden.

Die Reihe wird fortgesetzt.

Sich informieren IV

Der Nachruf ist eine hierzulande viel zu wenig beachtete literarische Gattung. Beim Tod des FAZ-Herausgebers Schirrmacher konnte man gerade wieder sehen, was dabei herauskommen kann. Der Tag auf hr2-kultur sprach darüber mit Jochen Hörisch, und auch er fand das zumeist hochpeinlich, blieb dabei aber nicht stehen. Der Sendung verdanke ich den Hinweis auf die Nachrufe im Guardian, die wirklich lesenswert sind. Häufig werden dort hierzulande weniger bekannte Personen beschrieben. Das gleiche gilt übrigens für die Nachrufe in Le Monde und in El País und in der New York Times. Kleine abgeschlossene Lebensgeschichten, die – anhand der Massenmedien – zeigen, wie relativ die Bedeutung ist, die dort Biographien beigemessen wird. Die Welt ist voller Nachrufe. Am Ende bleibt die Erinnerung und wird zur Geschichte. Lauter kleinere und größere Übergänge. Man kann sie im Feedreader mitlesen und sollte das auch tun. Ein fast tägliches memento mori.

Sich informieren III

In den beiden letzten Wochen habe ich Nachrichten-Websites im Vergleich zu E-Papers getestet. Ich las über die ungeliebte Onleihe FAZ und taz im DRM-geschützten PDF-Format und verglich den dabei gewonnenen Eindruck von den Nachrichten mit dem, was ich über die Websites der Verlage zu lesen bekam.

Die gedruckten Ausgaben zeigen eine andere Gewichtung und vor allem eine andere Plazierung der Meldungen als die Websites. Man darf annehmen, daß auf der Website landet, was Klicks bringt. Je attraktiver für die Online-Leser, desto höher wird es auf der Seite angeordnet. Manchmal fallen Beiträge online auch ganz weg. Oberflächliche und kurzlebige Themen rangieren eher oben, Hintergründiges eher niedriger. So gehen online viele interessante und wichtige Inhalte unter, die in der gedruckten Ausgabe ins Auge fallen und die ich dort auch lese. Sie fehlen mir umgekehrt auf der Website – aber natürlich nur, wenn und weil ich weiß, daß es sie in Print gab. Online sind sie kaum auffindbar. Darunter zum Beispiel auch ein Beitrag über Änderungen beim Markt für bargeldlose Zahlungssysteme an Supermarktkassen, der demnächst dazu führen wird, daß Discounter auch Kreditkarten zulassen könnten, zulasten der Banken und Sparkassen, die diesen Bereich derzeit mit der ec-Karte besetzt haben. Das halte ich nicht für nebensächlich. Umgekehrt brachte die taz heute in Print eine ganze Seite zur Abstimmung des Europaparlaments zu Regelungen, die zukünftig die Netzneutralität in Europa betreffen werden, während auf der Website dazu nur ein Interview und ein sehr knapp gehaltener Beitrag zu finden ist, dem man nichts Näheres entnehmen kann.

Interessant ist auch der typographische Aspekt: Die gesetzten E-Papers sind durchweg leichter lesbar als die Darstellung im Webbrowser. Man merkt es vor allem bei längeren Texten, gestern etwa ein Beitrag zum EU-Wettbewerbsverfahren gegen Google, der eine ganze Seite im FAZ-Feuilleton füllte. Las ich flüssig in der gesetzten Version auf dem Bildschirm. So lange Texte ziehen sich endlos und ermüden das Auge schnell, wenn sie im Webbrowser dargestellt werden, weil dort die Zeilen zu lang sind und die Schriftarten keine angenehme Lektüre erlauben. Wichtig ist aus technischer Sicht – natürlich – ein leicht zu bedienendes Interface zum Scrollen im Adobe Reader, denn die gesetzte Schrift muß in aller Regel größer gezoomt werden, so daß man immer nur einen Ausschnitt des PDFs auf dem Schirm hat. Hier leistet das Trackpad des Mac gute Dienste – bei häufiger Nutzung ein Killerargument gegen andere Systeme.

Fazit: Online ist bei der Journaille weiterhin kein Ersatz für Print, sondern eher die billige Nebenbei-Version, die das Haus anbietet, bis die nächste gedruckte erscheint. Print lebt. Dafür sorgen die Verlage selbst, nicht erst morgen, sondern heute schon. Immer nur ein Teil der Meldungen und Beiträge landet überhaupt frei im Internet. Auch im Perlentaucher und in der Presseschau der Legal Tribune Online nehmen Hinweise auf Offline-Texte zu. Gerade aus dem Kulturbereich wird nur eine geringe Zahl an Texten online frei zur Verfügung gestellt. Aus dem Blick geraten dadurch ganz sicher nicht die besonders werbewirksamen Beiträge, die gab und gibt es auch weiterhin (also wenn die Galionsfiguren des Chaos Computer Clubs bei Frank Schirrmacher bloggen), sondern eher die tiefergründigen und grundsätzlicheren Texte. Substanz wird also gerne und, wie mir scheint, zunehmend offline unter Verschluß gehalten. Wenn es heißt, die großen Verlage würden an Paywalls basteln, so ist dem entgegenzuhalten, daß es diese schon längst gibt. Was einigermaßen gehaltvoll ist, landet entweder gar nicht oder nur mir erheblicher Verspätung im Netz oder man muß danach suchen wie nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Dagegen hilft dann auch weder eine Suchmaschine noch ein gut gepflegter Feedreader, sondern nur noch – die Bibliothek.

Interessant wäre eine Presseschau, die gezielt solche Inhalte, die uns die Verlage auf ihren Websites vorenthalten, befreit, zusammenfaßt und damit allgemein zur Verfügung stellt. Eine Offline-Presseschau, die das alles ans Licht der Welt bringt. Eine echte Nische täte sich hier auf. Damit das nicht untergeht.

Sich informieren II

In loser Folge stelle ich in dieser Reihe von Blogposts Möglichkeiten vor, sich etwas kompetenter zu informieren, als es über die üblichen Massenmedien oder Nachschlagewerke möglich ist. Gesucht sind Alternativen zum journalistischen Mainstream.

Nicht unterschätzen sollte man die Newsletter, die man immer noch vielerorts abonnieren kann. Newsletter haben den Vorteil, daß sie archivierbar sind. Das unterscheidet sie etwa von RSS-Feeds. Man kann sie auch nach langer Zeit noch im eigenen Mail-Archiv im Volltext durchsuchen, ohne auf den Index einer Suchmaschine zurückgreifen zu müssen. So entsteht im Laufe der Zeit ohne eigenes Zutun ein eigenes Nachrichtenarchiv samt Weblinks das dauerhaft zur Verfügung steht.

Ein Beispiel für insoweit interessante Newsletter ist LabourNet Germany – er erscheint dreimal wöchentlich und verlinkt auf relevante politische Beiträge auf vielen Plattformen im Netz. Der Schwerpunkt liegt auf der Sozialpolitik. Auch weniger bekannte Quellen, die selten zu findende Standpunkte einnehmen, werden einbezogen.

Eine etwas andere Art der Auslandsberichterstattung bieten die Reisehinweise und Reisewarnungen der Außenministerien – mit durchaus unterschiedlichem Inhalt, je nachdem, wessen Hinweise man verfolgt. Alle bieten auch ein E-Mail-Abo für Updates an. So entsteht im Laufe der Zeit eine eigene Art von „Länderlexikon“, in dem die Gepflogenheiten in oft bereisten Ländern aus der Sicht der jeweiligen Regierungen geschildert werden. Die britische Regierung ist besonders mitteilungsfreudig, hier werden mitunter mehrere Hinweise am selben Tag versandt; es empfiehlt sich, im persönlichen Account ein wöchentliches Update einzustellen. Außerdem werden hier Länder abgedeckt, für die sich deutsche Reisende meist kaum interessieren.

Manchmal kommt das Ausland ins Inland, wodurch die üblichen Maßstäbe zurechtgerückt werden. Über menschliche Schicksale und den politischen Umgang damit berichtet der Fachpolitische Newsletter von ProAsyl. Aktuelle Probleme aus dem Ausländerrecht, die derzeitige diesbezügliche Praxis in Deutschland und in anderen Ländern, neue Urteile und Stellungnahmen, aktuelle Nachrichten gibt es monatlich per E-Mail sowie im Archiv zum Nachlesen. Sehr, sehr empfehlenswert. Punkt.

Die Reihe wird fortgesetzt.

Sich informieren

Die Frage, wie man sich etwas kompetenter über die allgemeinen Zeitläufte informieren könnte, durchzieht meine Blogposts schon seit einiger Zeit. Deshalb möchte ich in loser Folge ein paar Quellen vorstellen, die über das im Journalimus Übliche hinausgehen und die den Blick auch auf Aspekte lenken, die in den Mainstream-Medien nicht so ausführlich dargestellt werden (können). Den Anfang macht die Europapolitik, denn im Mai stehen Wahlen zum Europäischen Parlament bevor. Dabei handelt es sich um drei Informationsdienste von Verbänden bzw. Lobbygruppen – das ist bei der Lektüre natürlich zu berücksichtigen. Es schmälert die Qualität der Beiträge aber in keiner Weise. Ergänzt wird meine Auswahl um ein Blog und um die Website einer Zeitung.

  • Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat auf seiner Website ein Ressort für EU und Internationales, in dem es unter anderem alle zwei Wochen einen „Newsletter Verbraucherpolitik EU aktuell“ herunterzuladen gibt. Man kann die Rubrik auch als RSS-Feed abonnieren. Der Newsletter informiert eingehend über alle verbraucherpolitisch und -rechtlich relevanten Entwicklungen auf europäischer Ebene. Dazwischen eingestreut sind aktuelle Meldungen.
  • Etwas ähnliches bieten für den juristischen Bereich die rechtspolitischen Nachrichten aus Brüssel der Bundesrechtsanwaltskammer. (Die übrigens auch einen entsprechenden Dienst Nachrichten aus Berlin anbietet.)
  • Die monatlichen Monitoring Reports von Dimitar Parvanov Dimitrov beschäftigen sich mit Entwicklungen rund um Urheberrecht und Netzpolitik in Europa. Dimitrov ist dort für die Wikimedia-Organisationen tätig. Sein Newsletter wird regelmäßig auf einem Piratenpad vorbereitet und über die (stark frequentierte) Mailingliste Wikimedia-l versandt; einen eigenen Verteiler gibt es leider nicht, aber die jeweiligen Berichte sind von der Wikiseite auf Meta einzeln verlinkt.
  • Lost in EUrope ist das Blog von Eric Bonse, dem Brüsseler Korrespondenten der taz. Bonse ist ein fleißiger, kritischer Blogger mit regelmäßigem und gehaltvollem Output, der sehr aktuell reagiert und dabei immer wieder interessante Zusammenhange herstellt. Außerdem verlinkt er auf seine älteren Beiträge, so daß man die Entwicklung einer Story aus seiner Perspektive gut verfolgen kann. Natürlich sind seine Beiträge bei der taz ebenso lesenswert.
  • Der Standard bringt eine recht lesenswerte Europa-Berichterstattung, die sich von derjenigen deutscher Zeitungen durch ihre Ausführlichkeit unterscheidet. Außerdem ist sie ein gutes Korrektiv im bevorstehenden Wahlkampf, denn der wird wiederum national geführt werden, da sorgt der Blick von außen für die notwendige Distanz zum Geschehen.

Die Reihe wird fortgesetzt.