Archiv der Kategorie: Wirtschaft

Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse 2015

Es kommt immer darauf an, wie es einem geht. Wer gesundheitlich nicht so ganz fit ist, wird die Frankfurter Messehallen anders wahrnehmen als zu Zeiten, zu denen es ihm besser ging. Und auch das Wetter spielt sicherlich eine Rolle. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß es jemals während der Buchmesse so schmuddelig kalt gewesen wäre wie diesmal, als wäre der Herbst schon zu Ende und der Winter begänne sehr bald.

Auf der Suche nach Veränderungen, nach Trends, also.

In der Halle 4.2 fängt man an, wie immer. Aber hier sieht man schon, daß diese Messe kleiner ist als die früheren. „Messe der kurzen Wege“, „alles nur fünf Minuten auseinander“ – was haben sie sich in der Marketing-Abteilung alles ausgedacht, nachzuhören unter anderem bei kulturkapital.org. Tatsächlich ist hier der Wandel in den Medien unmittelbar greifbar und anschaulich geworden. Aus den „Hotspot“-Landschaften vom letzten Jahr wurden kleine Inseln in einem eng bespielten Feld. Nur die ganz großen Player haben noch die ganz großen Stände. Und die der anderen Verlage, die überhaupt noch kommen, werden immer kleiner.

Auch in Halle 4.1, ein Stockwerk tiefer: So wenige Bücher sah man an den Ständen von Wagenbach oder von Christoph Links noch nie. Und bei Antje Kunstmann stehen die Bücher von Varoufakis eher hinten im Regal, nicht vorne auf dem Tisch am Gang – immerhin stehen sie hinten links.

Oder die Verlage erscheinen nur noch mit einem Gemeinschaftsstand, so etwa der Bundesanzeiger-Verlag und der Bund-Verlag von den Gewerkschaften, die sich ein Ständle mit einem dritten teilen, der mir leider entfallen ist. Bei meinem Eintreffen übrigens ganz ohne Personal. Auch keine Zeitschriften mehr zum Mitnehmen.

Überhaupt: Zeitschriften? Damit füllt C.H.Beck dieses Jahr nur noch die Lücken in den großen Regalen, wo gerade noch Platz ist. Die will mittlerweile gar keiner mehr haben. Und die juristischen Neuerscheinungen waren noch nie so langweilig wie diesmal. Das große Lehrbuch wurde 2015 endgültig zu Grabe getragen. Und das kleine Lehrbuch wird ihm vermutlich bald folgen.

Aber manche Totgesagte leben länger. Es tritt auf: Der Brockhaus. Nachdem er auf der Buchmesse 2013 eigentlich schon gar nicht mehr anwesend war, hat sich Bertelsmann nun ziemlich unbemerkt von der Enzyklopädie getrennt und sie an die Schwedische Nationalenzyklopädie verkauft. Deren Wikipedia-Artikel wartet derzeit noch auf eine fachkundige Aktualisierung, ebenso wie der Artikel über die Brockhaus-Enzyklopädie. Aber es ist geschehen. Der Vertrieb über Munzinger sei zum Jahresende gekündigt worden. Das bedeutet: Bibliotheken, die den Brockhaus über Munzinger im Angebot hatten, werden vor die Wahl gestellt, den Brockhaus zusätzlich zu Munzinger (und meist ja auch zur Onleihe) zu beschaffen – oder dieses Angebot wegfallen zu lassen. Die Benutzer müßten sich damit an eine weitere Oberfläche gewöhnen, und auch die Beratungsleistungen in den Bibliotheken werden etwas stärker beansprucht. Wenn, ja wenn der Brockhaus diesen Schritt neben Munzinger schafft – vielleicht verdrängt er aber auch das Munzinger-Archiv vielerorts, weil die Enzyklopädie wertvoller erscheint als die Biographie-Sammlung. Der Wettbewerb um die Bibliotheken wird also härter werden. Ab Januar 2016 strebe man den Vertrieb im B2B-Bereich an, Zielgruppe: Bibliotheken, Schulen, jedenfalls keine Privatkunden. Für diese gibt es weiterhin die Online-Ausgabe der letzten gedruckten Auflage, und diese bleibt wohl auch separat. Anders als bei der Britannica werde es auch keine frei verfügbaren Inhalte geben. Eine gedruckte Ausgabe sei nicht geplant, eine App werde folgen, die Website sei immerhin responsive. Zwei Handvoll feste Redakteure haben die Pflege des Bestands übernommen, ergänzt um einige freie Autoren für Fachthemen. Der Artikelbestand ist weiter gepflegt und auch weiter entwickelt worden. Ergänzungen um weitere Nachschlagewerke zur Kunst, ein eigenes Wörterbuch und die Harenberg Kulturführer sollen in dem Paket folgen. Und natürlich gibt es viel Multimedia – wovon Wikipedia nur träumen kann. Man darf aber gespannt sein, wie viele Bibliotheksnutzer ab Januar 2016 darauf noch werden zugreifen können – und wieviele von ihnen das möchten.

Der Bildungsbereich wird international gezeigt, die deutschen Schulbuchverlage findet man in der Halle 3.1. Aber im „Klassenzimmer der Zukunft“ kratzt Hewlett Packard an der Schale des Apfels aus Cupertino und stellt als Sponsor ein Tablet vor, das man auch mal aus zwei Meter Höhe hinfallen lassen kann, ohne daß es gleich in tausend Stücke geht. Es läuft wahlweise unter Windows oder Android und kommt mit einem „Classroom Manager“ daher, aber ohne Anwendungen und ohne Unterrichts-Content. Insoweit wohl eine offenere Lösung als das ansonsten gehypte iPad. Datenschutzbedenken beim Einsatz im Unterricht konnten leider nicht erörtert werden, vielleicht am Freitag mehr.

Der vierseitige englische Flyer „Classroom of the Future“ erzählt den Nachzüglern unter den Lehrern noch einmal die Geschichte vom Lehrer, der vom Wissenserklärer zum Moderator von Lernprozessen wurde. Immerhin ist da die Rede vom „Unterstützen der Schüler als kritische Konsumenten von Information“. Aber dazu braucht es Technik, und mit dieser Technik wird dann gefilmt oder sonst gebastelt. Die Lernziele bleiben unklar. Und dazu braucht es auch Vorwissen, und es bleibt offen, wer das in welcher Form vermittelt. Hauptsache, es macht Spaß?

Mit etwas Konzentration kann man tatsächlich in gut drei Stunden durch die Hallen 4.2 und 4.1 gehen, was früher nicht so ohne weiteres möglich gewesen wäre. Die Halle 8 wurde in die kleinen Hallen 6.1 und 6.2 gepackt; der Rest wurde in die übrigen Hallen eingestreut. Wenn man noch ein bißchen rückt, ginge noch mehr. Nüchtern betrachtet, ergeben sich ganz sicherlich noch weitere Einsparpotentiale.

Der Radiohörer und der Fernsehzuschauer bekommt davon freilich nichts mit. „Die Frankfurter Buchmesse“ wird dort weiterhin vornehmlich als großer Interview-Event mit Show-Charakter verkauft. Bei den einen sitzen sie auf roten, bei den anderen auf blauen Sofas, es gibt ganz viele Live-Schalten, nur arte ist diesmal nicht vor Ort, wie es scheint. Schade, die hatten immer so schöne schwarz-orangene Stoffbeutel. Sie werden spätestens 2017 wiederkommen, wenn Frankreich der „Ehrengast“ sein wird.

Als wäre der Herbst schon zu Ende und der Winter begänne sehr bald.

Siehe auch die umfangreichen Blogposts bei Café Digital und bei UmamiBücher, wie in jedem Jahr.

Update am 16. Oktober 2015: Börsenblatt zufolge behält Bertelsmann die Rechte an allen Inhalten und lizensiert diese nur an die Brockhaus NE GmbH zur weiteren Entwicklung und Verwertung. Die Brockhaus-Redaktion sei weiterhin „bei der Bertelsmann-Tochter Inmediaone in Gütersloh“ angesiedelt.

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Brave New E-Book World

Was hat man alles gehört über die wunderbare neue Welt der Selfpublisher, die ihre Bücher über Apple und Amazon veröffentlichen, statt bei einem richtigen Verlag. Wir gingen herrlichen Zeiten entgegen, hat man gehört. Geht zu den großen amerikanischen Konzernen, hat man gehört, sie zahlen mehr als die anderen, viel, viel mehr. Und jetzt dies: Mit einer Frist von zwei Wochen kündigt Amazon einseitig eine Änderung seiner Vertragsbedingungen an: Die Autoren, deren Werke über Kindle unlimited vertrieben werden, würden fortan nicht mehr nach den von den Lesern im Rahmen der Pauschale genutzten Büchern, sondern nach den tatsächlich gelesenen Seiten vergütet. Denn die Kindle-Lesegeräte schaffen ja den gläsernen Leser. Amazon ist live dabei, wenn die Datei durchblättert und dabei möglicherweise auch gelesen wird. Und man wundert sich, daß es überhaupt Leser gibt, die bei sowas mitmachen. Und Autoren, natürlich, auch. Aber es gibt ja auch Leute, die Google für eine Suchmaschine halten und die meinen, bei Facebook gehe es vor allem um „Kommunikation“ und um „Nachrichten“. If you’re not paying for it, you are the product. Aber hier bezahlen sie ja sogar dafür, und deswegen wird bestimmt keiner umdenken. Sie zahlen einen hohen Preis, Autoren wie Leser.

Ungleiche Archivierung

Dave Winer denkt nach über die Veränderungen beim Publizieren im Web. Während Yahoo Pipes im September eingestellt werden soll, stehen auch Veränderungen bei Medium an. Winer denkt weiter: …Medium is not a very future-safe place to post. But even sites like Tumblr and WordPress.com that look stable are still subject to corporate changes or disappearance. What we need, and still don’t have, is a systematic way of publishing to the future. Einen long-lived content wünscht er sich. Er denkt sogar darüber nach, sein Blog nach seinem Tod auf testamentarischer Grundlage auf Dauer online zu halten. Und merkt, daß auch archive.org hierfür keine Lösung wäre, weil die Plattform – trotz aller Änderungen in neuerer Zeit – keine Netzwerke abbildet, sondern in der (urheberrechtlich mittlerweile problematisch gewordenen) Wayback Machine nur Snapshots von Content abbildet. Da fehlt also ein wesentlicher Teil.

Man sieht, daß im Umfeld von Facebooks Instant Articles – bisher nur Testballons – noch mehr in Bewegung gekommen ist. Blogger werden sich darüber klar, daß das Publizieren im Web, vor allem auf sozialen Netzwerken und Bloggerplattformen (hosted services) der Zeitlichkeit unterliegt. Es ist kein Zufall, wenn Dave Winer als einer der dienstältesten Blogger überhaupt sich Gedanken über seinen „digitalen Nachlaß“ macht – wobei unter dem Begriff ja gemeinhin eher das Auffinden und Verschwindenlassen von Nutzerprofilen Verstorbener verstanden wird, weniger das Erhalten ihrer Hinterlassenschaft. Die diesbezügliche Diskussion ist also bisher eher von den Problemen der Spießer geprägt.

Klar ist, daß auch die letztlich nur ephemer bestehenden Datensilos kein Ausweg sein werden. Vielleicht wären gemeinnützige oder genossenschaftliche Organisationen eine Lösung, auch wenn die meisten heutigen Nutzer bisher vollständig auf die Kommerzialisierung des Web 2.0 beschränkt sind. Auch das Selberhosten führt insofern nicht weiter, denn gerade der Betrieb des eigenen Blogs endet ja spätestens, wenn das hinterlassene Erbe aufgebraucht ist. Also das Blog bei der Deutschen Nationalbibliothek als Netzpublikation abliefern? Dagegen sträuben sich mir nun wieder die Nackenhaare, wenn ich mir vorstelle, daß meine schneeschmelze oder mein albatros am Ende bei den Frankfurter Beamten im Archiv landen.

Schon manches Blog ist zwischenzeitlich verschwunden. Ich erinnere mich zum Beispiel an Kristian Köhntopps Blog „Isotopp“; er postet seit langem nur noch auf Google+, was ja nun wirklich keine Lösung ist, in keiner Hinsicht. Er wird nicht der letzte sein, dessen Content für immer verschwunden ist. Ist das aber schlimm? Sind die Archive zurück bis anno olim nicht irgendwie auch merkwürdig, weil sie uns die Vergänglichkeit und das Älterwerden demonstrativ vor Augen führen? Hat schon mal jemand einen Blogpost von vor zehn oder fünfzehn Jahren wieder ausgegraben? Ist das überhaupt von Interesse außerhalb der Szene? Die Leserschaft, die „Reichweite“ ist absolut auf die Gegenwart bezogen, sie kennt kein Gestern.

Andererseits: Es entsteht eine Ungleichheit in der Archivierung, die wir aus der Geschichtsschreibung bereits kennen: Es zeichnet sich ab, daß sehr langfristig nur diejenigen self-publisher im Web verfügbar bleiben werden, die in irgendeiner Weise institutionalisiert veröffentlicht haben und daß kommerzielle Angebote jedenfalls keine Lösung sind, um die Verzerrungen, die sich für die Nachkommen aus diesem Bild ergeben werden, aufzufangen. Allemal wäre es falsch zu sagen, das Netz vergesse nichts.

Zuerst in albatros | texte, 8. Juni 2015.

Etwas fehlt

Es gibt einige Nachrichtenströme, die es auseinanderzuhalten gilt, und andere, die zusammenzuführen wären. Neues zu den GAFA – Google, Apple, Facebook, Amazon.

Apple Music: Ein Musikstreamingdienst, der auch moderierte Radioprogramme anbieten werde. Nicht frei zu empfangen, sondern gegen eine monatliche Gebühr von zehn Dollar. Das sind 120 Dollar pro Jahr. Der Mehrwert liegt nicht im Radio, sondern in dem Zugriff auf einen sehr großen Katalog der Musikindustrie, der für diese Pauschale wiedergegeben werden kann. Mit den eigenen Radiokanälen wird Apple erstmals zu einem Content-Anbieter, das ist neu.

Apple News und Facebook Instant Articles: Nachdem Google News als Makler zum Content den Weg bereitet hatte, machen sich diese beiden Konzerne nun an eine neue Form der Verwertung, die die exklusive Verbreitung der Inhalte einschließt. Man wird zum Verleger, zum Diensteanbieter. Die Zeitung bietet ihre Inhalte nicht mehr über ihre eigenen Kanäle an, die eigene Website, die eigene App, sondern wird abhängig von diesen Plattformen. Gleichzeitig spaltet sich das Internet in diesen kommerziellen Teil und den ganzen Rest. Die Paywall ist das Mittel hierzu, sie wird als Normalfall gedacht. Wer darauf zugreifen will, braucht den richtigen Zugang oder das richtige Abo. Mit den entsprechenden Folgen für die Demokratie durch die kaufkraft- und technisch bedingte Aufspaltung der politischen, künstlerischen Diskurse.

Die Plattform, auf der man arbeitet, spielt endgültig keine Rolle mehr. Wie schon bei iTunes, das es natürlich auch für Windows gab, wird heute mobil neben iOS auch Android bedient. Einer fehlt bei alledem aber völlig: Microsoft.

Welche Verbreitungswege für die elektronischen Medien genutzt werden, entscheiden nicht mehr Politiker, die beschließen, beispielsweise UKW einzustellen und auf DAB+/DVB-T2 umzustellen, sondern Konzerne in gottesdienstähnlichen, quasi-kultischen Inszenierungen, die weltweit live verfolgt und kommentiert werden. Die Priester tragen Jeans und Turnschuhe. Die „Benutzer“ folgen ihnen. Wer ihnen nicht „folgt“, ist schon älter, hat im Schnitt einen geringeren Bildungsgrad, ist deswegen aber nicht notwendigerweise blöder als die anderen.

Apple Pay: Der Zugriff aufs Bankkonto erfolgt bald ebenfalls durch das Handy. Und im Gegensatz zum elektronischen ÖPNV-Ticket, das es zwar gibt, das aber bis heute so gut wie keiner benutzt, gibt es dafür angeblich auch Interesse von Benutzern. Und: Aldi macht mit.

Kein Wort vom Datenschutz, von der umfassenden Überwachung, nirgends.

Zuerst in albatros | texte, 9. Juni 2015.

Ohne Kontext

Richard Sennett entwickelt seine Thesen vom „alten“ und dem „neuen“ Kapitalismus fort und beschreibt das in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung vom 7. April 2015 anhand von Biobauern. Als Aussteiger (in den 1980er Jahren war das mal eine häufig gehörte Bezeichnung und ein echter Weg) fühlten auch sie sich auf kurzfristige Ziele festgelegt, obwohl sie das Gegenteil gesucht hätten. Auch für ihre Arbeit gebe es keinen Kontext mehr, keine „soziale Matrix, innerhalb derer sie sinnvoll erschien.“ An einen Ausweg innerhalb des kapitalistischen Systems glaube er, Sennett, nicht, er „habe eigentlich nur noch die Hoffnung auf den Kollaps des Systems. Es ist ja 2008 immerhin schon einmal kollabiert.“

Das Klagen über die Entfremdung ist alt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, daß es jemals so laut gewesen wäre, solange ich persönlich zurückdenken kann.

(via Denkstil)

Zuerst in albatros | texte, 10. April 2015.

E-Book und Book-Book

Der Markt für E-Books schwächelt mittlerweile. Nach dem Boom folgt derzeit die Wende vor dem Abschwung. Vor diesem Hintergrund berichtete das Börsenblatt (via Perlentaucher) über eine Diskussion zwischen Hype und Hoffnung. Der Markt sei, wie man hört, erfolgreich vor allem bei der sogenannten Genre-Literatur, also bei der Massenware (Krimis und dergleichen), sowie im Segment Wissenschaft. Und die Anbieter teilen sich wohl in zwei Lager: Die pragmatischen Verleger, die sich anpassen an das, was gut läuft, und die Visionäre, die sehen, daß das E-Book technisch auf der Stelle tritt und die nach einer neuen Form für die digitale Ware Buch suchen.

Schon lange wird über die längerfristige Entwicklung der E-Books nachgedacht, vor allem auch im Bildungssektor. Das E-Book werde sich vom analogen Buch emanzipieren, las man da schon vor zwei Jahren, es werde mittelfristig Videos und Audios enthalten und crossmediale Formen von Inhalten ermöglichen. Der einzige wirklich neue Schritt war dann zur Buchmesse 2014 die Öffnung von Sobooks, ein E-Book-Shop, der das Buch selbst in ein Webforum hineinpackte. Das war und ist tatsächlich der erste Versuch, ein Buch vom Web her neu zu denken. Aber will man das denn?

E-Books sind auch heute noch digitale Versionen in den Formaten PDF und EPUB, die aus der „Druckvorstufe“ abgeleitet werden. Der ganze Herstellungsprozeß ist also weiterhin auf Print ausgelegt, das PDF ist identisch mit der Druckvorlage, und EPUB wird nur hieraus umgesetzt. Und der Deutsche Bibliotheksverband weist (via Lesewolke und NRW-Blog) darauf hin, daß das E-Book durch die Weigerung vieler Verlage immer noch nicht gleichwertig zum gedruckten Buch in den Ausleihen angekommen sei. Das Dilemma um die Onleihe läßt grüßen.

Technische Weiterentwicklungen sind nicht absehbar. Was auch nicht weiter verwundert, denn Bücher werden geschrieben. Würden sie gefilmt, wären es Filme, würden sie als Audio produziert, wären es Hörspiele, Hörbücher oder Features. Würde man das alles miteinander kombinieren, wäre es – ja, was für ein Produkt wäre das dann? Immer noch ein Buch? Oder ein Kurs mit verschiedenen Elementen? Und welche Verwertungsgesellschaft wäre dann für so einen Hybriden zuständig, die VG Wort oder die GEMA oder die VG Bild-Kunst, jeweils ganz oder anteilig? Und kein Wort zum Umsatzsteuersatz, bitte!

Die early adopters sind mit Lesegeräten und Pads versorgt, der erste Durst ist gestillt, und die Verbraucher warten ab, was als nächstes kommt. Auch sie, pragmatisch. Gerade mal nachgeschaut: In meinen Regalen stehen – nach monatelangem Räumen – immer noch 756 Book-Books bereit. Und heute morgen habe ich wieder Bücher in der UB bestellt, sie sind schon „abholbereit“.

Zum Büchermachen in digitalen Zeiten siehe auch das Radiofeature von Joachim Büthe im Deutschlandfunk, 13. März 2015.