schneeschmelze | texte

wenn der weiße schnee, der alles bedeckt hat, schmilzt, erscheint die welt wieder, wie sie ist, nicht: wie sie war

„Kartografie der Träume. Die Kunst des Marc-Antoine Mathieu“ im Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main

Ein Mann im langen Mantel, den Kopf nach vorn gebeugt, das Gesicht unter dem breitkrempigen Hut verborgen, in einer Welt aus Pfeilen, die ihn mehr ins Nirgendwo schicken als irgendwo hin. Der riesige Pfeil als Schatten desjenigen. Der Wegweiser mit den vielen Pfeilen, die in in alle möglichen Richtungen weisen. Einer fällt gar ab. Er entscheidet sich für die Richtung des letzteren und geht weiter.

Ein kleiner Mann mit Hut und Mantel im Strudel. Vor einer tiefen Spalte. Im Sand. Treppen, die in in eine Wand hinein führen, wo es nicht weitergeht, außer auf dem Bild, das man dort sieht. Comic-Hefte, die plötzlich riesig und aufgeschlagen wie eine Skulptur im Raum vor einem stehen, kafkaeske Welten erzählend. Alles schwarz und weiß und in Graustufen gezeichnet.

Die Welt von Marc-Antoine Mathieu ist stumm, aber sehr bewegt. Sie dekonstruiert das Zuverlässige und hinterlässt einen Irrgarten aus tausend Eindrücken, in denen die Zeit sich dehnt und der Blick auch einmal mit Leichtigkeit um die Ecke geht.

Ein Labyrinth, das die Welt ist. Nur darauf ist Verlass. Und so ist auch diese Ausstellung, durch die man im Kreis geht, treppauf, treppab wie der namenlose Held mit Hut und Mantel. Alles besteht aus Pfeilen, alles wird zum Pfeil, alles löst sich auch auf in Pfeilen, die in einer Animation wie in einer riesigen Wolke herum wirbeln, als wären es Vögel, die im Schwarm fliegen. Am Ende steht man vor einem großen weißen Pfeil, der den Weg zum Ausgang weist. Wirklich?

Kartografie der Träume. Die Kunst des Marc-Antoine Mathieu. Museum Angewandte Kunst. Frankfurt am Main. – Mathieu wird zur Finissage am 15. Oktober 2017 um 11 Uhr zu einer Führung gemeinsam mit dem Kurator David Beikirch erscheinen. Am selben Tag sprechen beide im französischen Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse um 16.30 Uhr über Mathieus Arbeit und die Ausstellung.

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JabRef 4.0 veröffentlicht

Mehr als zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Version 3.0 ist von der Literaturverwaltung JabRef gestern die Version 4.0 freigegeben worden.

Das Programm hat dabei nicht nur ein neues Logo erhalten. Vor allem wurde die Bedienoberfläche auf JavaFX umgestellt, um JabRef in die Gegenwart zu bringen. Im Blog weisen die Entwickler aber auf weitere Besonderheiten hin, die man vor einem Upgrade beachten sollte.

Bedeutsam ist, dass die Behandlung von Gruppen in der BibTeX-Datei im Vergleich zu früheren Versionen geändert wurde. Die Datei wird beim Öffnen auf die neue Version umgestellt, weshalb sie danach nicht mehr mit älteren Versionen von JabRef bearbeitet werden kann. Deshalb sollte man von älteren BibTeX-Dateien vorsorglich eine Sicherungskopie erstellen, und diese in Version 4.0 testen, um Probleme zu vermeiden.

Interessant sein kann ggf. die Integration von Mr.DLib. Über den Dienst wird „ähnliche“ Literatur zu einem Eintrag nachgewiesen, die Metadaten können bei Bedarf direkt in JabRef importiert werden. Auch MathSciNet wurde integriert.

Weitere Hinweise kann man der Ankündigung der Entwickler entnehmen. JabRef 4.0 setzt Oracle Java 1.8 voraus. Wer OpenJDK verwendet, muss OpenJFX separat installieren.

JabRef ist neben BibDesk, das es nur für macOS gibt, eines der Literaturverwaltungsprogramme, die speziell das Format BibTeX (natürlich auch in der modernen Version Biblatex) unterstützen. Eine Übersicht über weitere Anwendungen findet man in der regelmäßig aktualisierten Übersicht der Bibliothek der TU München.

Ein Blick in die kleinen Wikis

Nachdem das Rezepte-Wiki schon Ende 2014 in das Koch-Wiki umgezogen war, hat sich das Projekt stabilisiert. Die Inhalte werden weiter gepflegt, und vor allem wird auch die Technik modernisiert.

Aus Wikipedia übernommen wurden die Benachrichtigungs- und Ping-Funktionen auf der Plattform (die man, wie dort, am besten in den Account-Einstellungen stummschaltet, um davon in Ruhe gelassen zu werden), aber man setzt sich auch ab von der großen Schwester, beispielsweise durch einen eigenen Skin: Seit einer Woche läuft das Koch-Wiki standardmäßig unter Chameleon, responsiv und einheitlich auf allen Clients nutzbar. Alle Konten wurden umgestellt und erhalten erst einmal dasselbe Layout wie alle Leser; wenn man angemeldet ist, kann man aber in den Einstellungen zum gewohnten Skin zurückwechseln. Außerdem gibt es die neue Kühlschranksuche, in der man sich interaktiv Kochrezepte aus dem Wiki zu den jeweils im Kühlschrank verfügbaren Zutaten anzeigen lassen kann.

Ein anderes immer noch recht interessantes Wiki ist sicherlich die indiepedia.de, die sich bekanntlich der Independent-Musikszene gewidmet hat. Auch hier leider eine ganz ähnliche Beobachtung wie bei Wikipedia: Ältere Inhalte werden nicht mehr aktualisiert, Benutzer stellen ihre Arbeit ein, andere greifen deren Werk nicht auf, dadurch kommt es zur Veralterung des Bestands. Auch auf indiepedia.de gibts also etwas zu tun…

Ein Beispiel ist die Kölner Künstlerin Julia Kotowski, die unter dem Namen Entertainment for the Braindead vor etwa zehn Jahren bekannt geworden war. Ihre Lieder von damals, die sie alle vollständig selbst eingespielt und produziert hatte, habe ich immer noch dabei, und ich höre sie regelmäßig.

Während es eine Zeitlang etwas stiller um sie geworden war, hat sie jetzt für den November eine neue EP angekündigt, die über Bandcamp vertrieben wird. Es gibt zwei Stücke als Preview.

Ihr Eintrag auf indiepedia.de ist aber immer noch auf dem Stand von 2010 stehengeblieben. Dort gibt es auch ihr altes Netlabel Aaahh Records noch, das schon lange nicht mehr existiert – mittlerweile organisiert man dort Konzerte. Die alte Backlist stand vollständig unter Creative-Commons-Lizenz und kann deshalb aus dem Internet Archive heruntergeladen werden. Sozusagen das moderne Antiquariat des Netzes.

Neue Open-Access-Zeitschrift Wiki Studies

Welcome to the first issue of Wiki Studies, an open-access, peer-reviewed journal addressing the intersection of Wikipedia and higher education.

In this issue we bring you four articles. The first three articles will appear as “case studies,” or reports from educators on insights gleaned from the use of Wikipedia in various aspects of higher education.

via Wiki-research-l

Die Onleihe funktioniert nicht unter macOS 10.13 High Sierra

Ein Benutzer beklagt sich im Webforum der Onleihe darüber, dass er seit dem Upgrade von macOS 10.12 auf 10.13 High Sierra keine EPUBs mehr öffnen könne. Adobe Digital Editions lade die Daten nicht mehr herunter.

Das Problem besteht aber bereits seit 2014 und hat sich nun anscheinend noch verschärft. Auch Benutzer, die Microsoft Windows einsetzen, haben seit Anfang 2017 von Problemen berichtet.

Why blogs endure

In einem Aufsatz in der Zeitschrift First Monday wird über eine Studie berichtet, bei der Schüler und Studenten an zehn amerikanischen Colleges und Universitäten über ihre Blog-Lektüre befragt worden waren. 62 Prozent gaben an, Blogs innerhalb der letzten zwölf Monate als Informationsquelle genutzt zu haben, insbesondere für schrittweise Anleitungen und zur Vertiefung. Die Blog-Leser griffen auch verstärkt auf ergänzendes Material zurück, etwa Videos auf YouTube. Ein gehaltvoller Aufsatz mit einem Rückblick in die Netzgeschichte und relevanter Literatur.

  • Head, Alison J., Michele Van Hoeck und Kirsten Hostetler. 2017. Why blogs endure: A study of recent college graduates and motivations for blog readership. First Monday 22, Nr. 10 (1. Oktober). doi:10.5210/fm.v22i10.8065, http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/8065 (zugegriffen: 1. Oktober 2017).