„Letzte Bilder. Von Manet bis Kippenberger“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

von schneeschmelze

Und doch ist nie der Tod ein ganz willkommner Gast.

„Wenn Sie keine Fragen mehr haben…“ Keine Nachfragen, was ganz unüblich sei, heißt es beim Hinabgehen. Es geht um den Tod, ums Sterben, um das Ende in dieser Ausstellung. Auf 100 Bildern – alle mitgezählt, auch die kleinen Polaroids von Walker Evans und die Fotos von Bas Jan Ader.

Das Lebensende ist so individuell wie das Leben selbst, und in 100 Bildern könnte man sicher vieles über den Tod und das Leben erzählen – was die Ausstellung aber leider nicht leistet. Die durchweg hochwertigen Exponate (der hr spricht etwas reißerisch von „spektakulären Leihgaben“) stehen überwiegend unerläutert nebeneinander. 14 Künstler werden in sieben meist zu engen Räumen gezeigt, beginnend mit dem 19. Jahrhundert, endend bei der letzten Jahrhundertwende. Bei den großen Bildern merkt man, wie eng „die längste Kegelbahn der Welt“ (Jean-Christophe Ammann) tatsächlich ist.

„Die Präsentationsform greift die Offenheit und Vielfalt des Themas auf“, heißt es auf einem Wandtext. „Sie zeigt die Werke nicht chronologisch, sondern entwirft einen Parcours von Gegenüberstellungen jeweils zweier korrespondierender Positionen.“ Kombiniert wurde, was nach Ansicht der Kuratorin Esther Schlicht zusammenpaßt. Bei den letzten Blumen von Manet und den Seerosen Monets mag das einleuchten. Dann aber finden sich die Scherenschnitte von Henri Matisse in selben Raum wie die letzten Bilder von Willem de Kooning wieder. Anscheinend weil sie beide von der Grundfarbe Weiß ausgehen? Eine andere Verbindung ist nicht ersichtlich.

Das ist unbefriedigend und läßt den Betrachter etwas ratlos zurück. Der Ausstellung fehlt das Narrativ zu dem großen Thema. Der Tod als kleinster gemeinsamer Nenner zwischen so unterschiedlichen künstlerischen Positionen ist erklärungsbedürftig. Was war vorausgegangen? Wie entstanden die Werke? Wie wurden sie in ihrer Zeit aufgenommen? Und wie heute? Wie und weshalb korrespondieren sie miteinander? Die knappen Texte, die den Bildern zur Seite gestellt worden sind, geben hierzu leider kaum Auskunft. Dazu sollte es auch nicht erforderlich sein, den Katalog zu konsultieren. Der Trailer auf YouTube versucht das etwas auszugleichen – sofern man ihn vorher zu sehen bekommt:

Es fällt aber dennoch meistens schwer, Zusammenhänge herzustellen. Die „Meditationen“ von von Jawlensky gegenüber der „Chinese Series“ von Stan Brakhage. Walker Evans‘ Polaroids liegen in demselben Raum aus, in dem Georgia O’Keeffes „Sky-Above-Clouds“-Bilder etwas zu tief gehängt worden sind. Überhaupt die Hängung. Giorgio de Chiricos einerseits, andererseits Andy Warholes monumentales „Last Supper“. Aus sich heraus beeindruckend sind Ad Reinhardts „Black Paintings“, hoch empfindlich, wie uns die Aufsicht erklärte. Was hatten wir ein Glück, daß wir nicht zu nah herankamen! Aber warum dringen die Lieder des 1975 auf hoher See verschollenen Bas Jan Ader gerade durch diesen Raum?

Letzte Bilder. Von Manet bis Kippenberger. Bis 2. Juni 2013. Schirn Kunsthalle. Frankfurt am Main.

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