Google schaltet seine Blogsuche ab

von schneeschmelze

Jürgen Plieninger weist darauf hin, daß Google seine Blogsuche eingestellt hat, und zwar inmitten einer boomenden Szene für Blogs in allen Bereichen. Es gibt einen händischen Workaround, aber das will man ja eigentlich nicht machen. An Alternativen stehen vor allem Twingly und IceRocket bereit.

Daß die Blogsuche schwächelt, hatte ich schon in den letzten Wochen bemerkt, als sie mal unter blogsearch.google.com und dann wieder unter google.com/blogsearch firmierte. Mittlerweile schalten beide URLs auf die allgemeine Websuche durch. Ihre Abschaltung erinnert an das Ende des Google Reader im März 2013 und zeigt erneut das bekannte Muster: Google entwickelt eine Technik als Clouddienst zur Marktreife, besetzt den Markt, weil die Technik gut ist, verdrängt die Wettbewerber, die daneben kaum noch einen Ort finden, zieht sich dann plötzlich aus dem Geschehen zurück und hinterläßt eine Lücke, so daß das Jammern groß ist. Im übrigen mag man an den Niedergang von Google Groups denken; hier war zunächt das Usenet-Archiv von Dejanews aufgekauft, dann unter der Marke Google monopolisiert und um einen allgemeinen Mailinglistendienst erweitert worden, der auf Yahoo Groups zielte. In der Folge wurde die Gruppensuche immer schlechter, so daß man das Usenet damit mittlerweile kaum noch vernünftig durchforsten kann. Das Ergebnis ist ein großer Verlust für die Netzkultur, die mangels Alternativen in der Unauffindbarkeit verschwindet.

Die Entwicklung zeigt, wie wichtig es ist, eigene nichtkommerzielle Initiativen zu pflegen. Kommerzielle Betreiber sind keine ernstzunehmenden Anbieter mehr für die Suche im Web. Webverzeichnisse und Suchportale sind unverzichtbare Knoten im Netz, die unabhängig von kommerziellen Zielsetzungen gepflegt werden sollten. Die Metasuchmaschine MetaGer beispielsweise ist gerade einem Relaunch unterzogen worden, schreibt Christiane Schulzki-Haddouti bei Heise. MetaGer3 bietet, wenn es paßt (auf den Spuren von Google Knowledge Graph), in der Ergebnisliste die Einleitung aus einem Wikipedia-Artikel, geht aber über diesen Standard hinaus und weist auf der Grundlage des WikiIndex auch viele Inhalte aus Projekten in der unüberschaubar großen Wikisphäre abseits von Wikipedia nach. Wer gezielt nur in diesem Teilindex suchen möchte, kann derzeit noch das Interface aus der Testphase nutzen. Damit befindet sich MetaGer auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Die Zukunft einer alternativen Suchmaschine liegt nicht darin, kommerzielle Anbieter zu kopieren, sondern in der Spezialisierung, um die Bereiche des Webs abzudecken, die von den kommerziellen Datenkraken gar nicht mehr beachtet werden, weil sie ihre Geschäfte damit nicht effizient betreiben können. Mit der Blogosphäre hat sich nun ein weiteres Feld aufgetan, das bedient werden will. Das bedient werden muß.